Predigt an Misericordias Domini 2016 zu Joh 21,1-19

Von Pfarrer i.R. Wolfgang Schmidt-Nohl                                                            

VERLESUNG von Joh 21,1-19 nach rev. Lutherbibel

Liebe Gemeinde!
Aus mehreren Gründen wird dieses 21. Kapitel des Johannesevangeliums für einen Nachtrag des Evangeliums gehalten. Schliesslich hat das vorige Kapitel 20 einen ausgesprochenen Abschluss: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor Seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes…“ (20, 30f)


Auf der anderen Seite finden sich im darauffolgenden hier verlesenen Kapitel 21 so viele Anklänge und Bezüge zum Johannesevangelium, dass es als wirkliche und authentische Fortsetzung des Evangeliums verstanden werden kann. Es wird am Ende ja auch unter dieselbe Verfasserschaft gestellt : „Dies ist der Jünger, der dies alles bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.“ (21,24) Und dieser Jünger wird im gesamten Evangelium nicht unter einem persönlichen Namen geführt, sondern als der „Jünger, den Jesus liebhatte“. Es handelt sich dabei wohl um Johannes, einen der Söhne des Zebedäus, neben seinem Bruder Jakobus.
Die Geschichte, die wir hier heute bedenken, zählt zu den vollgültigen Ostergeschichten des Neuen Testaments. Wir verstehen darunter alle die Geschichten, in denen der auferstandene Jesus den Seinen lebendig begegnet. 
In all diesen Berichten schafft der Auferstandene selbst und allein die Bedingungen der Begegnung mit ihm. Keine einzige Ostergeschichte wurde entsprechend von denen herbeigesehnt, denen der Auferstandene diese Begegnung gewährt.
Das sind auf der einen Seite Begegnungen in und um Jerusalem, auf der anderen Seite Begegnungen des Auferstandenen in Galiläa, wo Jeus Seine Jünger einst in die Nachfolge berufen hatte. Den Frauen am Grab war ja gesagt worden: „Geht aber hin und sagt Seinen Jüngern und Petrus, dass Er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr Ihn sehen, wie Er euch gesagt hat.“ (Mark.16,7)
Diese Ankündigung wird unter Anderem in unserer heutigen Predigtgeschichte eingelöst. Dabei erinnern manche Umstände und Einzelheiten an die Zeit des irdischen Jesus mit Seinen Jüngern . Es ist schliesslich auch für uns persönlich nicht egal, wo wir Jesus und Seinem Wort zuerst im Leben begegnet sind. Vielleicht war das in der Kirche, im Schul- oder Konfirmandenunterricht, möglicherweise auch im Abendgebet der Eltern oder Großeltern an unserem Bett.

Die heute gehörte Ostergeschichte beginnt mit dem Zusammensein von Sieben der Jünger am See Tiberias bzw. Genezareth: Simon Petrus, Thomas, Nathanael, die Söhne des Zebedäus Johannes und Jakobus und noch zwei Andere. Es handelt sich also um kein organisiertes Treffen oder eine Zusammenkunft des Zwölfer- bzw. Elferkreises , in dem etwa auf eine Begegnung mit dem Auferstandenen gewartet würde. Die Situation entspricht eher dem Alltag der Männer, die von Beruf Fischer gewesen waren. Dem gehen sie jetzt nach, und zwar wurde nachts gefischt. Aber in dieser Nacht fangen sie nichts. Schon das könnte sie an den Fischzug des Petrus zur Zeit des irdischen Jesus erinnern und damit an die Berufung des Simon zum Menschenfischer. (Lukas 5)
Wir hören weiter: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten nicht, dass es Jesus war.“ – So war es vor ihnen schon Maria aus Magdala am Grab Jesu ergangen: „ Sie wandte sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.“ (Joh.20,14) – Der Auferstandene ist nicht einfach der wiederbelebte Jesus von Nazareth. Er ist der lebendige und bereits verherrlichte Sohn Gottes auf Seinem Weg zurück zum Vater. Als solcher wird Er erkannt an Seinem Wort und an den Zeichen, die Er tut und mit denen Er die Jünger an Seine irdische Zeit mit Ihm erinnert.
„Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer.“ – Womöglich ist das auch für uns, die wir im Glauben zu Ihm gehören, unsere ewige Zukunft: dass an dem Morgen, auf denen keine Nacht mehr folgen wird, Er auf uns wartet, um uns von hier nach dort ins Leben zu bringen, das kein Ende mehr hat. 
Den Jüngern am See gibt Er den Auftrag, das Fischernetz zur rechten Seite des Bootes auszuwerfen. Es kommt zu einem gewaltigen Fischfang. Sie konnten das Netz mit Fischen kaum ziehen. Da endlich erkennt Ihn der Lieblingsjünger und sagt zu Petrus: „Es ist der Herr!“ – Simon wirft sich vom Boot ins Wasser, um nur schnell genug bei Seinem Herrn zu sein. Will er am Ende wieder einmal der Erste und Wichtigste von allen sein?  – Davon wird zwischen Jesus und Petrus noch die Rede sein.
Die anderen Jünger kamen mit dem Boot und dem vollen Netz die etwa 100 Meter hinterher.
An Land wartet Jesus mit einer Mahlzeit aus Fisch und Brot auf sie, zubereitet auf einem Kohlenfeuer. Das griechische Wort für Kohlenfeuer – anthrakia , siehe das eingedeutschte Wort Anthrazit – begegnet im gesamten Neuen Testament nur an zwei Stellen: hier und im Hof des Hohenpriesters Kaiphas, wohin Simon Petrus dem gefangengenommenen Jesus gefolgt war und sich mit den Knechten daran wärmte. Während dieses Aufenthalts leugnete er allerdings dreimal, zu Jesus zu gehören. Wollte der Herr ihn nun mit dem Kohlenfeuer daran erinnern? – Das folgende Gespräch zwischen dem Herrn und Simon lässt darauf schliessen. Doch soweit ist es noch nicht.
Jesus gibt den Befehl, von den gefangenen Fischen zur Mahlzeit dazu zu holen.

„Simon zieht das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriß doch das Netz nicht.“ (V.11) Mit Sicherheit hatte die genaue Zahl der Fische 153 eine bestimmte Bedeutung, doch lässt sich für uns der genaue Sinn nicht mehr herausfinden. Möglicherweise steht die Zahl für die Anzahl der damals bekannten Völker, denen die Apostel das Evangelium predigen sollten. Dass das Netz nicht zerriß, mag man so deuten, dass die Einheit der Christenheit auf der Erde nicht zerreisst, solange sie in der Einheit in Jesus Christus verbunden bleibt.
Der Auferstandene hält die Mahlzeit mit den Seinen, und keiner muss mehr fragen , wer Er ist. Alle wissen es. Dass Er es ist, der diese Mahlzeit austeilt, macht Brot und Fisch zum Sakrament wie sonst Brot und Wein. Mehr als Seine Gegenwart ist an Heil nicht möglich. Sakrament, Mittel zum ewigen Heil, ist bereits jedes lebendige Wort, das Jesus Christus an uns richtet. Alles, was je Sakrament genannt werden darf, hat seinen einzigen Grund im Kreuz und in der Auferstehung Jesu am Ostermorgen.
Liebe Gemeinde! Das ewige Heil in Christus ruft in Seine Nachfolge, hier besonders dargestellt in der Berufung des Simon Petrus in den Dienst an der Herde und Gemeinde Jesu Christi.
„Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? –Er spricht zu Ihm: Ja, Herr, du weiß, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“ (15)
Dasselbe fragt der Herr noch zweimal, und beim dritten Mal wird Petrus traurig:
„Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!“
Es mag sein, dass die dreifache Frage den Petrus an seine dreifache Verleugnung Jesu im Hof des Kaiphas erinnern soll, aber das muß nicht der einzige Sinn der Ernsthaftigkeit des Fragens Jesu sein. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Jesus Christus im menschlichen Sinn nachtragend ist. Jedenfalls weist der Neutestamentler Rudolf Bultmann in seinem grossen Johanneskommentar darauf hin, dass die urchristliche Überlieferung von einer Rehabilitierung des Petrus nirgendwo etwas weiss oder auch nur andeutet.
Die dreifache Frage Jesu an Seinen Jünger hat doch wohl eher mit der immensen Verantwortung des Simon Petrus für die frühe Gemeinde und Christenheit zu tun. Er vertraut ihm die geistliche Leitung dieser Schar der Glaubenden an. Das ist in erster Linie keine kirchliche Machtstellung , sondern in erster Linie Hingabe an diese Aufgabe und am Ende der Verlust von Leben und Gesundheit für Petrus. „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte Er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als Er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“ (V.18f) 

– Noch einmal beruft Jesus den Petrus, Ihm nachzufolgen, und diesmal besteht 
kein Zweifel, dass diese Nachfolge am Ende sein Leben von ihm fordern wird. So wird er in seinem Dienst wie in seiner Leitung der Gemeinde ganz diesem auferstandenen Jesus Christus angehören. Dieser besondere Auftrag des Petrus wird dann auch mit seinem Tod enden. Es ist hier keine Rede davon, dass ein etwaiger Nachfolger des Petrus eine annähernd gleiche Berufung bekäme oder gar, dass hier von Jesus so etwas wie ein dauerndes Amt der Leitung ins Leben gerufen worden wäre.
Gleichwohl dürfen alle, die zu Jesus gehören wolle, die Frage des Herrn hier für sich persönlich hören: „Liebst du mich mehr als alle Andren?“ Oder in etwas kleinerer Münze: „Liebst du mich überhaupt?“ Bin ich dir wichtiger als viele Andere und vieles Andere? Hörst du aus allen Stimmen um dich herum meine Stimme heraus? Und bist du bereit, auf sie zu hören? Am Ende , selbst wenn du Nachteile dafür in Kauf nehmen musst? Oder gar, wenn es dich dein Leben kostet? „Meine Schafe hören meine Stimme, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Joh.10)
In vielen Ländern und Gegenden dieser Welt ist Nachfolge Jesu nicht billiger zu haben als um den Preis von Leben, Freiheit und Gesundheit. Wie sicher können diese Jüngerinnen und Jünger Jesu unserer Unterstützung , unserer  Solidarität und unserer Fürbitte sein? 
Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir unsere Geschwister im Glauben noch nicht einmal hier bei uns in Deutschland schützen können, oder sie nicht vor Nachstellungen schützen wollen?
Da sagte ein aktueller evangelischer deutscher Kirchenführer doch allen Ernstes öffentlich, er würde sich ja für verfolgte Christen in Flüchtlingsheimen einsetzen, wenn er nur genau wissen könnte, wie repräsentativ solche Berichte seien. Das darf doch eigentlich gar nicht wahr sein!
Wie wollen und sollen wir 2017 in unserer Evangelischen Kirche ein grosses Reformations- und Lutherjubiläum feiern? Die Wiederentdeckung des Evangeliums von Gottes freier Gnade in Christus brachte Martin Luther in eine Lebensgefahr, der er sich bewusst stellen musste. Den Weg fauler Kompromisse als Weg zurück in den Schoss seiner Kirche lehnte er ab, nicht ohne Angst und nicht ohne Zittern und Zagen. Doch der lebendige Christus half ihm hindurch.
Jesu Frage an Petrus: „Hast du mich lieber, als mich diese haben?“ mag manches an Möglichkeiten in sich tragen, aber eine Aufforderung zu religiöser Toleranz oder zu so etwas wie political correctness ist diese Frage ganz sicher nicht. Die dreifache Frage Jesu: „Hast du mich lieb?“ ist auch keine Einladung an Seine Gemeinde, unsere Kirche als religiöse Gemischtwarenhandlung zu gestalten.
Dann feiern wir das Gedächtnis der Reformation doch lieber mit Barmen 1934, wo es im Bekenntnis der damaligen Synode in grosser Klarheit heisst: 
                                                                                                       

„Jesus Christus, wie Er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung ausser und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ (These 1)

Jesu Frage an dich und mich nach unserer Liebe und Treue zu Ihm ist im Kern Seine Zusage wirklichen Lebens, eines Lebens in Seiner Gegenwart und an Seiner Hand. Darum vor allem geht es in der Botschaft von Ostern.
Amen.

Osterpredigt 2016 zu 1. Kor 15,1-11: Auferstehungstheorien

Von Pfarrer Marvin Lange

Der Herr ist Auferstanden. Halleluja!
Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

1.    Osterwitz
Josef von Arimathäa kommt am Karfreitag spät am Abend zu seiner Frau heim. Sie stellt sie ihn zur Rede: „Wo warst Du die ganze Zeit?“ 
Josef sagt: „Stell Dir vor, die Römer haben heute Jesus am Kreuz hingerichtet. Er hatte keine Bestattungsvorsorge und da habe ich ihn in unser neues Familiengrab gelegt…“ 
Seine Frau dreht durch: „Josef, wie konntest du nur? Jesus, der den ganzen Tag vom Reich Gottes geredet hat anstelle zu arbeiten! Diesen Schnorrer, Säufer und Fresser, der sich mit Zöllnern und Huren zu Tisch gelegt hat? Du hast ja wohl nicht mehr alle Schriftrollen im Regal! Wo sollen wir jetzt hin, wenn wir tot sind?“ Josef unterbricht sie: „Frau, mach dir keine Sorgen, ist doch nur für`s Wochenende.“


2.    Predigttext 1 Kor 15,1-11
1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, daß ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Daß Christus gestorben ist für unsre Sünden  nach der Schrift;
4 und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage  nach der Schrift;
5 und daß er  gesehen worden ist von Kephas,  danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach  von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er  auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn  ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße,  weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber  durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

3.    Heutiger Osterglaube
Ostern ist gemeinsam mit dem Karfreitag das entscheidende Fest der Kirche. Während der Karfreitag für das Kreuz und das Ungenügen des Menschen gegenüber Gott in den Mittelpunkt rückt – und die damit verbundene Gottverlassenheit Jesu, die Tilgung der Sünde, das letzte und einmalige Opfer – ist Ostern die Bestätigung der Lebendigkeit des Gekreuzigten.
Auferstehung von den Toten. Jesus hat es vorgemacht. Und wir dürfen ihm folgen.
Soweit die Theologie dieses Feiertagskomplexes in aller Kürze.

Traut man Umfragen über den Auferstehungsglauben, so halten noch 35% der Evangelischen in Deutschland die Auferstehung für wahr. Dass es „irgendwie nach dem Tod weitergeht“, akzeptieren ein paar Menschen mehr – aber die Auferstehung von den Toten, wie es das Neue Testament überliefert, hält die gewaltige Mehrheit für Unsinn oder doch für sehr unwahrscheinlich.
Ich habe daraufhin einen Kollegen gefragt, wie man mit diesem Befund umgehen sollte, was man also Ostern predigen kann, wenn nur jeder Dritte, das, was man da erzählt, noch nachvollziehen kann.
„Ganz einfach“, ermutigte mich der Kollege. „Bei der Auferstehung und dem griechischen Wort „egertä“ geht es um das Aufstehen, das Feststehen, das hochgehoben werden, das von Gott getragen sein. Nicht aus der schwachen Liegeposition das Leben meistern, sondern im Stehen, mit Blick in die Zukunft. Das ist ein gutes Bild für die Auferstehung, das die Leute verstehen.“ 
Ich habe mich bei ihm freundlich für den Hinweis bedankt, glaube aber nicht, dass das irgendjemanden dazu bringt, die Auferstehung als eine Wahrheit für das eigene Leben anzunehmen. 
Auferstehung – das ist so unglaublich viel mehr, das ist die Konstante des Christentums, an der tatsächlich alles hängt.
Ohne den Glauben an die Auferstehung, so der Apostel Paulus etwas später im ersten Korintherbrief, ohne Glauben an die Auferstehung „sind wir die elendsten unter allen Menschen“.
Heute morgen, zu Ostern, will ich euch mitnehmen in die Theologie, um euch schmackhaft zu machen, was zwei Dritteln unseres Volkes verloren gegangen ist. Dass wir am Ende aufstehen und in die Welt hinaus geschickt werden, um den freimachenden Glauben an die Auferweckung anderen zu erzählen, ist dabei eine Binsenweisheit, die sich von selbst versteht. 
Schauen wir dabei zuerst auf unsren Namensgeber: Dietrich Bonhoeffer.

4.    Der Glaube an die Auferstehung bei Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge!
Für Dietrich Bonhoeffer ist ganz klar gewesen: Die Auferstehung Jesu Christi ist ein historisches Ereignis gewesen. Sehr ungewöhnlich, aber dennoch historisch. Das heißt: So wie wir zuverlässige Texte darüber haben, dass Caesar den Rubikon überschritten hat, so haben wir eben auch zuverlässige Texte darüber, dass Jesus auferstanden ist. Der Brief des Paulus an die Korinther bietet (übrigens auch laut Meinung aller mir bekannten Theologen) den ältesten Bericht von den Sichtungen des Auferstandenen Christus. 
Er sei gesehen worden erst von Kephas (das ist der, den man dann später Petrus genannt hat), dann von den 12 Jüngern, also dem engsten Jüngerkreis. Danach mehr als 500 Brüdern – ich ergänze: Sicherlich waren auch ziemlich viele Schwestern anwesend – auf einmal. Und um das Maß voll zu machen: Als Paulus das schrieb, lebten einige noch, die davon berichten konnten. Jakobus hat ihn noch gesehen, und schließlich alle Apostel, auch Paulus selbst „als einer unzeitigen Geburt“. 
Für Bonhoeffer ist das alles recht einfach, wenn man seinen Ausführungen in der Schrift Sanctorum Communio folgt: Aus der Auferweckung Jesu folgt die Auferweckung für alle Christen. Diese eigene Auferweckung führt dazu, dass jeder Christ in die Nachfolge Jesu gerufen ist und als Teil der weltumfangenden Kirche Jesu Christi Gemeinschaft untereinander pflegt und ein Leben in Nächstenliebe führt. In der Hinwendung zum Nächsten erfahren wir dann eine Transzendenz, die die wahre Gottebenbildlichkeit des Menschen zum Ausdruck bringt. Für Bonhoeffer ist die Bedeutung der Auferstehung heute und für uns also eine Auferstehung in die Nachfolge.

5.    Gerd Lüdemann: Alles Unsinn!
Sehr anders geht der Wissenschaftler Gerd Lüdemann von der Universität Göttingen an die Frage nach der Auferweckung. Für ihn steht fest: Eine historische, eine wissenschaftlich fundierte Aussage über die Auferweckung Jesu von den Toten kann es nicht geben. Er unterzieht den Auferstehungserzählungen einer radikalen historischen Kritik.
Sie ist eine Glaubenssache, die für einen vernünftigen Menschen absurd ist.
Die Texte, die wir haben, sind allesamt sehr viel später aufgeschrieben worden, das Interesse der Autoren zielt in die Richtung, Jesus als den Messias darzustellen. In Wirklichkeit wissen wir nichts über ein Grab von Jesus, vielleicht ist er auch einfach irgendwo verwest. Vielleicht wurde sein Leib tatsächlich gestohlen, wie es bereits im Matthäusevangelium als eine bewusst in die Welt gesetzte Lügengeschichte berichtet wird. Vielleicht hatten Menschen tatsächlich Visionen des Auferweckten gehabt, vielleicht sogar 500 auf einmal – aber wir alle wissen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Ein moderner Mensch kann nicht an die Auferweckung glauben, wenn er sich dem wissenschaftlichen Weltbild verpflichtet fühlt. „Das Grab Jesu war nicht leer, sondern voll, und sein Leichnam ist nicht entwichen, sondern verwest.“ 

6.    Wolfhart Pannenberg: Singularität!
Ein anderer Theologe, Wolfhart Pannenberg, ist anderer Ansicht: Aus wissenschaftlicher Sicht haben wir es bei der Auferstehung mit einer sogenannten Singularität zu tun. Nach unserem Kenntnisstand ist bislang noch niemand von den Toten auf die Art und Weise zurückgekehrt, wie es Jesus laut biblischen Zeugnis getan hat. 
Die Berichte des Neuen Testamentes sind für Pannenberg alles andere als unglaubwürdig, in den Evangelien mag manch legendenhafte Ausschmückung hinzu gekommen sein, aber zumindest die Paulusbriefe bieten ein breites Fundament dafür, dass der Glaube an Jesus als den Messias nur deswegen entstehen konnte, weil er von den Toten auferstanden ist. Immer wieder sprechen die Briefe und die Evangelien auch davon, dass eben kein Glaube entstanden ist. Die Frauen werden im Lukasevangelium ausgelacht, der Jünger Thomas ist sprichwörtlich dafür, dass er ungläubig bleibt, bis er durch Jesus selbst von der Wahrheit überzeugt wird. Wenn die Berichte tendenziös sein sollen, dann haben sich die Autoren keine Mühe gegeben, die bereits damals vorhandene Gegenseite aus den Textzeugnissen zu eliminieren.
Aber noch einmal zum Begriff einer historischen Singularität: Jesus ist ja nicht so wiedergekommen wie jemand nach einer Zeit des kurzen Herzstillstandes oder so wie Lazarus oder die anderen Erzählungen vom Auferwecktwerden von den Toten. 
Das sind allesamt schon wunderbare Ereignisse und sollen nicht geschmählert werden. Auch unsere heutige Medizin wirkt da manches kleinere Wunder, aber die alle haben eine Schwäche: Wer heute wiederbelebt wird, muss irgendwann trotzdem sterben.
Bei der Auferweckung von Jesus haben wir es aber mit einer ganz neuen und unerklärbaren Kategorie von Leben zu tun. Nämlich: ewigem Leben!
Und das führt uns zu einem weiteren Denker des Christentums, den ich Euch für ein Denken der Auferweckung Jesu nicht vorenthalten möchte:

7.    Rudolf Bultmann: Auferweckung ins Kerygma!
Für Rudolf Bultmann kommt es nicht darauf an, wie das alles genau gewesen ist, sondern dass Jesus Christus gekreuzigt wurde und dann von den Toten auferstanden ist. Das entscheidende Ereignis, das historisch fassbar ist, ist die Kreuzigung. Bei der Auferweckung hingegegen haben wir es mit der Bestätigung der Sinnhaftigkeit des Kreuzestodes zu tun. Wie das war, kann niemand sagen. Konstatiert werden kann allein: Auferstehung hat mit diesem Jesus Christus stattgefunden und niemand weiß, wie diese ausgesehen hat. Schließlich gibt es ja nur Zeugen des Auferstandenen, und kein einziges menschliches Zeugnis der Auferweckung selber!
Damit kann Bultmann dazu kommen zu sagen: „Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, begegnet uns im Worte der Verkündigung, nirgends anders. Eben der Glaube an dieses Wort ist in Wahrheit der Osterglaube.“ 
Seine Kritiker haben daraus gemacht: Jesus sei bei Bultmann ja bloß auferstanden ins Kerygma, in die Verkündigung. 
Bultmann hat das mit Gelassenheit angenommen und geantwortet: „Ich akzeptiere diesen Satz. Er ist völlig richtig, vorausgesetzt, dass er richtig verstanden wird. Er setzt voraus, dass das Kerygma (die Verkündigung) selbst eschatologisches Geschehen ist; und er besagt, dass Jesus im Kerygma wirklich gegenwärtig ist. Ist das der Fall, so werden alle Spekulationen über die Seinsweise des Auferstandenen gleichgültig. An den im Kerygma präsenten Christus glauben, ist der Sinn des Osterglaubens.“ 

8.    Ingolf Dahlfert: Tat Gottes!
Das ist schwere Kost. Vielleicht erhellt uns das der neuere Theologe Ingolf Dalferth. Er ist in den 90er Jahren eingestiegen in die Debatte um die Historizität der Auferweckung Jesu. Ihm geht es darum zu zeigen, dass man an die Wirklichkeit der Auferweckung nicht herangehen kann wie an andere geschichtliche Ereignisse. Es würde sich schließlich auch „niemand an einen Historiker wenden, um Aufschluss über die Zusammensetzung des Wassermoleküls, des genetischen Codes der Tomate oder die Winkelsumme im Dreieck zu erhalten.“ 
Für Dalferth ist ganz klar: Es geht bei der Auferweckung um das Wirken Gottes selber. Das zu untersuchen ist aber nicht Angelegenheit des Historikers, sondern des Theologen. „Gott allein hat Jesus von den Toten auferweckt (Röm 10,9), Gott allein hat die Menschen erwählt und berufen, die diese unglaubliche Gottestat bezeugen (Gal 1,15f.), und Gott allein setzt durch seinen Geist in den Stand, dieses Zeugnis zu glauben und in das Auferweckungsbekenntnis einzustimmen (1Kor 12,3). Inhalt, Vollzug und Erfolg der Auferweckungsbotschaft werden daher gleichermaßen als freie Tat und Wirkung der schöpferischen Liebe Gottes verstanden, die keiner menschlichen Bekräftigung bedürfen oder auch nur fähig wären und die durch eine solche auch in keiner Weise an Überzeugungskraft gewinnen könnten.“ 

9.    Resümee
Am Ende ist es aufgrund der Strittigkeit der Auferstehung eine Angelegenheit des Heiligen Geistes, den Glauben an diese Tat Gottes zu wecken. 
Diese kann aber nur gelingen durch ein direktes Erleben und Erfahren des Auferstandenen selber. Dies geschieht schon seit längerem nicht mehr in direkten Erscheinungen (der Apostel Paulus hatte die letzte und die ist doch schon eine Weile her), sondern in der Begegnung mit ihm in den verschiedenen Lebensbereichen.
•    Bultmann hat Recht, wenn er sagt, die Verkündigung, der wöchentliche Gottesdienst führen zum Glauben an den Auferstandenen (und sind zugleich die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Gottesdienst stattfindet).
•    Pannenbergs Bemühen um eine wissenschaftliche Herleitung ist aber ebenso wenig verkehrt, wenn wir mit Menschen konfrontiert sind, die mit der Auferweckung so gar nichts anfangen können. Darauf hinzuweisen, wie fundiert die neutestamentlichen Texte sind. Sich ihnen mit Verstand hinzugeben und diese Texte ernsthaft und mit kritischem Geist zu lesen.
•    Dalferth ist darin Recht zu geben, dass die Auferweckung Tat Gottes ist und sich am Ende dann doch unseren wissenschaftlichen Untersuchungen entzieht. Wir wissen´s nicht, und wir sollen es auch nicht wissen. Der Glaube an die Auferweckung ist der Glaubensverantwortung jedes einzelnen Christen anheimgestellt. 

Es greift, und damit komme ich zu einem vielleicht überraschenden Schluss, es greift auch bei der Frage nach der Auferweckung das Bilderverbot. 
„Mach dir kein Bildnis von Gott“, heißt es ja in den 10 Geboten. Da die Auferweckung eine Tat Gottes ist und Jesus als der Christus durch die Auferweckung vollkommen in den Bereich Gottes tritt, ist es folgerichtig, uns selbst aus Glaubensverantwortung ein weiteres Konkretisieren zu verbieten. Anders: Je konkreter wir uns die Auferweckung bildlich vorstellen, desto mehr grenzen wir damit die Tat Gottes ein, machen sie kleiner als sie ist.

Es war aus gutem Grund keiner dabei, als es geschah. Und immer, wenn ihn etwa seine Jünger oder auch die Frauen am Grab erkennen, entzieht er sich. 
Jesus ist durch die Auferweckung tatsächlich Sohn Gottes. Nicht Weihnachten machen ihn dazu, sondern die Auferweckung des Gekreuzigten. Als dieser ist er Sohn Gottes und damit Teil der Dreieinigkeit. 
Und jedes Bild, das wir davon ziehen, das wir uns von einem sphärisch schwebenden Jesus oder einer wie auch immer gearteten Geist-Erscheinung machen, macht nicht nur Gottes Tat, sondern auch Gott selbst kleiner, als er ist.
Und wir? 
Wir sind, um mit Bonhoeffer zu sprechen, in der Tat in die Nachfolge des Auferweckten gerufen. 
Jeder einzelne – aber in dem Sichverlassenkönnen auf die Kirche, deren Haupt der Auferweckte ist und der uns zuruft: 
„Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

10.    Zu guter Letzt: Noch´n Witz
Ein Pfarrer kommt in den Himmel und Petrus zeigt ihm alles. Aus einem Raum klingt nur Stille und ehrfürchtiges Beten. 
„Das“, erklärt Petrus, „ist der Raum für die Gemeindeglieder, welche den ganzen Tag andächtig beten.“ 
Aus dem nächsten Raum kommt lauter Krach. 
„Ach“, sagt Petrus, „lass uns schnell weiter gehen, hinter dieser Tür sind die Küster. Sie rauchen, trinken, spielen Karten und erzählen den ganzen Tag schlechte Witze.“
Aus dem dritten Raum klingt wieder Stille. „Das“, sagt Petrus, „ist der Raum für die Pfarrer.“ 
„Ah“, meint da der Pfarrer, „sie beten wohl wie die Gemeindeglieder in der Stille?!“
„NEIN“, meint Petrus, „es ist noch keiner drinnen…..“

Und der Friede Gottes, der höher ist als Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.
LIED EG 100,1-5: WIR WOLLEN ALLE FRÖHLICH SEIN

Predigt an Misericordias Domini 2016 zu Joh 21,1-19

Von Pfarrer i.R. Wolfgang Schmidt-Nohl                                                            

VERLESUNG von Joh 21,1-19 nach rev. Lutherbibel

Liebe Gemeinde!
Aus mehreren Gründen wird dieses 21. Kapitel des Johannesevangeliums für einen Nachtrag des Evangeliums gehalten. Schliesslich hat das vorige Kapitel 20 einen ausgesprochenen Abschluss: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor Seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes…“ (20, 30f)

Auf der anderen Seite finden sich im darauffolgenden hier verlesenen Kapitel 21 so viele Anklänge und Bezüge zum Johannesevangelium, dass es als wirkliche und authentische Fortsetzung des Evangeliums verstanden werden kann. Es wird am Ende ja auch unter dieselbe Verfasserschaft gestellt : „Dies ist der Jünger, der dies alles bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.“ (21,24) Und dieser Jünger wird im gesamten Evangelium nicht unter einem persönlichen Namen geführt, sondern als der „Jünger, den Jesus liebhatte“. Es handelt sich dabei wohl um Johannes, einen der Söhne des Zebedäus, neben seinem Bruder Jakobus.
Die Geschichte, die wir hier heute bedenken, zählt zu den vollgültigen Ostergeschichten des Neuen Testaments. Wir verstehen darunter alle die Geschichten, in denen der auferstandene Jesus den Seinen lebendig begegnet. 
In all diesen Berichten schafft der Auferstandene selbst und allein die Bedingungen der Begegnung mit ihm. Keine einzige Ostergeschichte wurde entsprechend von denen herbeigesehnt, denen der Auferstandene diese Begegnung gewährt.
Das sind auf der einen Seite Begegnungen in und um Jerusalem, auf der anderen Seite Begegnungen des Auferstandenen in Galiläa, wo Jeus Seine Jünger einst in die Nachfolge berufen hatte. Den Frauen am Grab war ja gesagt worden: „Geht aber hin und sagt Seinen Jüngern und Petrus, dass Er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr Ihn sehen, wie Er euch gesagt hat.“ (Mark.16,7)
Diese Ankündigung wird unter Anderem in unserer heutigen Predigtgeschichte eingelöst. Dabei erinnern manche Umstände und Einzelheiten an die Zeit des irdischen Jesus mit Seinen Jüngern . Es ist schliesslich auch für uns persönlich nicht egal, wo wir Jesus und Seinem Wort zuerst im Leben begegnet sind. Vielleicht war das in der Kirche, im Schul- oder Konfirmandenunterricht, möglicherweise auch im Abendgebet der Eltern oder Großeltern an unserem Bett.

Die heute gehörte Ostergeschichte beginnt mit dem Zusammensein von Sieben der Jünger am See Tiberias bzw. Genezareth: Simon Petrus, Thomas, Nathanael, die Söhne des Zebedäus Johannes und Jakobus und noch zwei Andere. Es handelt sich also um kein organisiertes Treffen oder eine Zusammenkunft des Zwölfer- bzw. Elferkreises , in dem etwa auf eine Begegnung mit dem Auferstandenen gewartet würde. Die Situation entspricht eher dem Alltag der Männer, die von Beruf Fischer gewesen waren. Dem gehen sie jetzt nach, und zwar wurde nachts gefischt. Aber in dieser Nacht fangen sie nichts. Schon das könnte sie an den Fischzug des Petrus zur Zeit des irdischen Jesus erinnern und damit an die Berufung des Simon zum Menschenfischer. (Lukas 5)
Wir hören weiter: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wußten nicht, dass es Jesus war.“ – So war es vor ihnen schon Maria aus Magdala am Grab Jesu ergangen: „ Sie wandte sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.“ (Joh.20,14) – Der Auferstandene ist nicht einfach der wiederbelebte Jesus von Nazareth. Er ist der lebendige und bereits verherrlichte Sohn Gottes auf Seinem Weg zurück zum Vater. Als solcher wird Er erkannt an Seinem Wort und an den Zeichen, die Er tut und mit denen Er die Jünger an Seine irdische Zeit mit Ihm erinnert.
„Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer.“ – Womöglich ist das auch für uns, die wir im Glauben zu Ihm gehören, unsere ewige Zukunft: dass an dem Morgen, auf denen keine Nacht mehr folgen wird, Er auf uns wartet, um uns von hier nach dort ins Leben zu bringen, das kein Ende mehr hat. 
Den Jüngern am See gibt Er den Auftrag, das Fischernetz zur rechten Seite des Bootes auszuwerfen. Es kommt zu einem gewaltigen Fischfang. Sie konnten das Netz mit Fischen kaum ziehen. Da endlich erkennt Ihn der Lieblingsjünger und sagt zu Petrus: „Es ist der Herr!“ – Simon wirft sich vom Boot ins Wasser, um nur schnell genug bei Seinem Herrn zu sein. Will er am Ende wieder einmal der Erste und Wichtigste von allen sein?  – Davon wird zwischen Jesus und Petrus noch die Rede sein.
Die anderen Jünger kamen mit dem Boot und dem vollen Netz die etwa 100 Meter hinterher.
An Land wartet Jesus mit einer Mahlzeit aus Fisch und Brot auf sie, zubereitet auf einem Kohlenfeuer. Das griechische Wort für Kohlenfeuer – anthrakia , siehe das eingedeutschte Wort Anthrazit – begegnet im gesamten Neuen Testament nur an zwei Stellen: hier und im Hof des Hohenpriesters Kaiphas, wohin Simon Petrus dem gefangengenommenen Jesus gefolgt war und sich mit den Knechten daran wärmte. Während dieses Aufenthalts leugnete er allerdings dreimal, zu Jesus zu gehören. Wollte der Herr ihn nun mit dem Kohlenfeuer daran erinnern? – Das folgende Gespräch zwischen dem Herrn und Simon lässt darauf schliessen. Doch soweit ist es noch nicht.
Jesus gibt den Befehl, von den gefangenen Fischen zur Mahlzeit dazu zu holen.

„Simon zieht das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriß doch das Netz nicht.“ (V.11) Mit Sicherheit hatte die genaue Zahl der Fische 153 eine bestimmte Bedeutung, doch lässt sich für uns der genaue Sinn nicht mehr herausfinden. Möglicherweise steht die Zahl für die Anzahl der damals bekannten Völker, denen die Apostel das Evangelium predigen sollten. Dass das Netz nicht zerriß, mag man so deuten, dass die Einheit der Christenheit auf der Erde nicht zerreisst, solange sie in der Einheit in Jesus Christus verbunden bleibt.
Der Auferstandene hält die Mahlzeit mit den Seinen, und keiner muss mehr fragen , wer Er ist. Alle wissen es. Dass Er es ist, der diese Mahlzeit austeilt, macht Brot und Fisch zum Sakrament wie sonst Brot und Wein. Mehr als Seine Gegenwart ist an Heil nicht möglich. Sakrament, Mittel zum ewigen Heil, ist bereits jedes lebendige Wort, das Jesus Christus an uns richtet. Alles, was je Sakrament genannt werden darf, hat seinen einzigen Grund im Kreuz und in der Auferstehung Jesu am Ostermorgen.
Liebe Gemeinde! Das ewige Heil in Christus ruft in Seine Nachfolge, hier besonders dargestellt in der Berufung des Simon Petrus in den Dienst an der Herde und Gemeinde Jesu Christi.
„Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? –Er spricht zu Ihm: Ja, Herr, du weiß, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“ (15)
Dasselbe fragt der Herr noch zweimal, und beim dritten Mal wird Petrus traurig:
„Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!“
Es mag sein, dass die dreifache Frage den Petrus an seine dreifache Verleugnung Jesu im Hof des Kaiphas erinnern soll, aber das muß nicht der einzige Sinn der Ernsthaftigkeit des Fragens Jesu sein. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Jesus Christus im menschlichen Sinn nachtragend ist. Jedenfalls weist der Neutestamentler Rudolf Bultmann in seinem grossen Johanneskommentar darauf hin, dass die urchristliche Überlieferung von einer Rehabilitierung des Petrus nirgendwo etwas weiss oder auch nur andeutet.
Die dreifache Frage Jesu an Seinen Jünger hat doch wohl eher mit der immensen Verantwortung des Simon Petrus für die frühe Gemeinde und Christenheit zu tun. Er vertraut ihm die geistliche Leitung dieser Schar der Glaubenden an. Das ist in erster Linie keine kirchliche Machtstellung , sondern in erster Linie Hingabe an diese Aufgabe und am Ende der Verlust von Leben und Gesundheit für Petrus. „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte Er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als Er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!“ (V.18f) 

– Noch einmal beruft Jesus den Petrus, Ihm nachzufolgen, und diesmal besteht 
kein Zweifel, dass diese Nachfolge am Ende sein Leben von ihm fordern wird. So wird er in seinem Dienst wie in seiner Leitung der Gemeinde ganz diesem auferstandenen Jesus Christus angehören. Dieser besondere Auftrag des Petrus wird dann auch mit seinem Tod enden. Es ist hier keine Rede davon, dass ein etwaiger Nachfolger des Petrus eine annähernd gleiche Berufung bekäme oder gar, dass hier von Jesus so etwas wie ein dauerndes Amt der Leitung ins Leben gerufen worden wäre.
Gleichwohl dürfen alle, die zu Jesus gehören wolle, die Frage des Herrn hier für sich persönlich hören: „Liebst du mich mehr als alle Andren?“ Oder in etwas kleinerer Münze: „Liebst du mich überhaupt?“ Bin ich dir wichtiger als viele Andere und vieles Andere? Hörst du aus allen Stimmen um dich herum meine Stimme heraus? Und bist du bereit, auf sie zu hören? Am Ende , selbst wenn du Nachteile dafür in Kauf nehmen musst? Oder gar, wenn es dich dein Leben kostet? „Meine Schafe hören meine Stimme, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Joh.10)
In vielen Ländern und Gegenden dieser Welt ist Nachfolge Jesu nicht billiger zu haben als um den Preis von Leben, Freiheit und Gesundheit. Wie sicher können diese Jüngerinnen und Jünger Jesu unserer Unterstützung , unserer  Solidarität und unserer Fürbitte sein? 
Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir unsere Geschwister im Glauben noch nicht einmal hier bei uns in Deutschland schützen können, oder sie nicht vor Nachstellungen schützen wollen?
Da sagte ein aktueller evangelischer deutscher Kirchenführer doch allen Ernstes öffentlich, er würde sich ja für verfolgte Christen in Flüchtlingsheimen einsetzen, wenn er nur genau wissen könnte, wie repräsentativ solche Berichte seien. Das darf doch eigentlich gar nicht wahr sein!
Wie wollen und sollen wir 2017 in unserer Evangelischen Kirche ein grosses Reformations- und Lutherjubiläum feiern? Die Wiederentdeckung des Evangeliums von Gottes freier Gnade in Christus brachte Martin Luther in eine Lebensgefahr, der er sich bewusst stellen musste. Den Weg fauler Kompromisse als Weg zurück in den Schoss seiner Kirche lehnte er ab, nicht ohne Angst und nicht ohne Zittern und Zagen. Doch der lebendige Christus half ihm hindurch.
Jesu Frage an Petrus: „Hast du mich lieber, als mich diese haben?“ mag manches an Möglichkeiten in sich tragen, aber eine Aufforderung zu religiöser Toleranz oder zu so etwas wie political correctness ist diese Frage ganz sicher nicht. Die dreifache Frage Jesu: „Hast du mich lieb?“ ist auch keine Einladung an Seine Gemeinde, unsere Kirche als religiöse Gemischtwarenhandlung zu gestalten.
Dann feiern wir das Gedächtnis der Reformation doch lieber mit Barmen 1934, wo es im Bekenntnis der damaligen Synode in grosser Klarheit heisst: 
                                                                                                       

„Jesus Christus, wie Er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.
Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung ausser und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ (These 1)

Jesu Frage an dich und mich nach unserer Liebe und Treue zu Ihm ist im Kern Seine Zusage wirklichen Lebens, eines Lebens in Seiner Gegenwart und an Seiner Hand. Darum vor allem geht es in der Botschaft von Ostern.
Amen.

Predigt zu Kantate am 28.4.2013 zu Jes 12: „Was heisst evangelisch sein?“

Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid. Amen.

Liebe Vorkonfis, liebe Gemeinde!

Was heisst: „Evangelisch sein“?

Darüber habt ihr im letzten Vierteljahr in Eurer Familiengruppe bei N.K. einiges gelernt und nachgedacht. Das habt ihr erfahren dürfen, als ihr die Kirche erkundet habt. Und das habt ihr gelernt, als ihr gestern mit mir und vielen anderen Vorkonfirmanden und Pfarrer Pfeifer im Bibelmuseum in Frankfurt wart.

Gottesdienst kennt ihr auch schon, auf jeden Fall den Kindergottesdient, ein wenig auch schon den „richtigen“ Gottesdienst, also den, der eher für Erwachsene gedacht ist.

Ihr seid also für Euer Alter von neun Jahren bereits ziemlich weit auf dem Weg zu wissen, was das ist: Evangelisch sein.

Nun ist es die Aufgabe des Pfarrers, jeden Sonntag einen Abschnitt aus der Bibel vorzulesen und anhand dessen zu zeigen, was dieser Text für unser Leben zu sagen hat. Der Abschnitt, den ich heute Morgen vorlese und dann für euch auslege, der stammt aus dem Buch Jesaja im Alten Testament unserer Bibel. Es ist das gesamte und sehr kurze zwölfte Kapitel.

Hört selbst, was der Prophet Jesaja uns für heute Morgen mitteilt:


Predigttext: Jes 12

1 Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, daß du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.

2 Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn  Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.

3 Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.

4 Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist!

5 Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen!

6 Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

Liebe Vorkonfirmanden, liebe Gemeinde!

Was heisst das: Evangelisch sein?! Mit diesem Kapitel aus dem Jesajatext noch im Ohr will ich eine doppelte Antwort versuchen!

1. Evangelisch sein heißt, einer Religion anzugehören für besonders faule Menschen

2. Evangelisch sein heißt, einer Religion anzugehören für besonders fleißige Menschen.

Das ist aber eine widersprüchliche Antwort, werdet ihr jetzt bestimmt denken: Entweder jemand ist besonders faul, oder er ist besonders fleißig!

Fangen wir vorne an!

Zunächst sagt Jesaja, dass Gott seine Menschen tröstet. Gott tröstet seine Menschen, wenn wir traurig sind, wenn wir ihn brauchen. Wie Eltern auf ihre Kindr schon einmal sauer sein können und zornig werden, so schließt Gott seine Kinder später wieder in die Arme und tröstet sie.

Fast schon ein wenig zu naiv, zu menschlich gedacht und von Jesaja aufgeschrieben.

Fast schon ein wenig zu sehr am Vatergott des Psychologen Sigmund Freud dran, der (verkürzt) behauptete, dass Gott nur eine Einbildung sei, als dass wir das so ohne weiteres akzeptieren wollten.

Da ist schon einmal die erste Anfrage: Warum um Himmels Willen sollte Gott denn überhaupt zornig sein auf seine Menschen?

Warum sollte ihm denn irgendetwas nicht passen an so netten Jungs und Mädchen wie Euch Vorkonfis?

Oder gar unserem kleinen Täufling?

Wir haken da ein und kommen denkerisch nicht so recht weiter.

Wir wollen von Gott nicht be- oder verurteil werden, wollen nicht akzeptieren, dass der Gott des Alten Testaments ein Gott voller Zorn ist. Können nur schwer nachvollziehen, dass die Menschen dieser Zeit Gott als einen strafenden, unbarmherzigen Gott erlebt haben.

Dabei ist der Gedankengang, der dazu führte, so einfach nachzuvollziehen: Gott hat seinen Menschen gut erschaffen. Sie erweisen sich aber ständig als ganz und gar nicht gut. Streit, Lüge, Lieblosigkeit sind ja nur der Anfang, kriminelle Energien, Kriegstreiben und Völkermord das Ende der Palette an Schlechtigkeiten des Menschen – alles andere als Ruhmesblätter des Geschöpfes Mensch,

Also: Aus menschlicher Sicht kann Gott gute Gründe haben, zornig zu sein.

Nun schreibt der Prophet aber, dass sich Gottes Zorn gewendet hat und er nun seine Menschen tröstet.

Ja wie denn, haben sich die Menschen gebessert? Hat sich Gottes Zorn gewandelt, weil wir auf einmal allesamt immer artig sind und uns so benehmen, wie er es mal vorgesehen hatte? Nichts dergleichen. Da hat sich gar nichts geändert. Menschen sind, wie sie sind – seit Adam und Eva liegt´s uns Menschen im Blut, Sünder zu sein. Und trotzdem sorgt sich Gott um uns. Trotzdem tröstet er uns. Egal, was wir machen: Der hat uns lieb.

Deswegegen habe ich vorhin gesagt: Evangelisch sein: Das ist die Religion für die Faulen. Wir brauchen nichts machen, damit Gott uns liebt.

Was macht Gott denn dann aber mit uns, dass wir es erkennen können? Gibt es Zeichen dafür, dass das auch stimmt?

2 Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn  Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.

Wie kann der Prophet so etwas schreiben? Ich lese diese Prophezeiung auf uns heute bezogen. Auf Euch, liebe Bonhoeffergemeinde, und damit dann auch auf Euch liebe Vorkonfis!

„Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht“.

Dafür gibt es ein Zeichen, dass man selber dieses Gebet für sich immer und immer wieder sprechen kann. Durch die Taufe darf ich angstfrei und sicher durch´s Leben gehen. Ich habe keine Angst mehr vor dem Leben, wenn ich begriffen habe, dass Gott seit der Taufe ein besonderes Auge auf mich wirft. Der ist bei mir, der führt mich durch´s Leben – und wenn es nicht mehr weiter geht, dann wird er mich auf seinen Händen tragen.

Mit der Taufe könnt ihr gewiss sein: Gott ist Dein Heil!

Dann geht der Prophet noch weiter:

„denn  Gott der HERR ist meine Stärke“.

Wo bekommen wir Christen von Gott persönlich Stärke? Wo erleben wir Gott so nah, dass er in uns aufgeht und uns stärkt?

Beim Heiligen Abendmahl. Das ist der Ort, wo wir ganz konkret Gottes direkte Zuwendung in Form einer Stärkung erleben können. Wir essen nur ein kleines Stückchen Brot oder eine Oblate – und trinken nur einen kleinen Schluck Wein oder Traubensaft (die Kranken tunken auch manchmal das Brot hinein, um niemanden anzustecken), aber wir bekommen damit Kraft und Stärke von Gott selber.

Weiter schreibt der Prophet:

„denn  Gott der HERR ist mein Psalm“

Ein Psalm ist ein Lied. Und Gott als ein Lied erleben wir beim Feiern des Gottesdienstes. Hier beten wir und singen miteinander. Gott selber soll uns im Gottesdienst begegnen. Wir haben ihn immer wieder auf der Zunge – fast so wie ein Lied, das aus dem Kopf nicht verschwindet, ein Ohrwurm. Hier haben wir – wenigstens einmal in der Woche – Zeit und Raum dafür, uns auf den Schöpfer und Erhalter von Raum und Zeit – also einem jedem von uns – zu besinnen. Ihm zu danken, an ihn zu denken, uns seine Worte zusagen zu lassen.

„denn  Gott der HERR ist mein Heil.“

Das, liebe Gemeinde, erfahren wir, wenn wir wieder nach draußen gehen. In unsere Häuser, an unsere Arbeitsplätze, in unsere Familien. Da erweist sich Gott als unser Heil. Achtet doch einmal darauf, wo Gott in eurem Leben am Wirken ist. Wo er sich euch als der treue und freundlich tröstende Gott gezeigt hat. Ich bin mir sicher: Da könnte so mancher einiges erzählen, wie sich Gott völlig ohne Gegenleistung als der gnädige und barmherzige erwiesen hat.

Evangelisch sein: Religion für Faule!

Nun hatte ich aber eingangs noch einen zweiten Satz dazugestellt:

2. Evangelisch sein heißt, einer Religion anzugehören für besonders fleißige Menschen.

Wie kann denn das nun zusammen passen? Wo wir doch gerade gehört haben dass wir uns ganz entspannt zurücklehnen und Gott an uns wirken lassen dürfen? Bei der Taufe, beim Abendmahl, im Gottesdienst und im täglichen Leben?

Auch hier hilft der Prophet Jesaja weiter:

3 Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.

Das heißt nicht mehr und nicht weniger als: Wer begriffen hat, dass Gott ihn völlig kostenlos und ohne Gegenleistung liebhat und unbedingt anerkennt, der ist darüber so begeistert, dass er diese Erfahrung an andere Leute weitergeben will. Der zögert nicht, wenn ein anderer Hilfe benötigt: So ein begeisterter hilft einfach. Und zwar immer dann, wenn es nötig ist.

Und je mehr er oder sie begeistert ist von dem, was Gott für uns getan hat, desto mehr wird derjenige so, wie Gott uns einmal haben wollte. Und dann werden wir selber zu Handlangern Gottes, werden seine Zeugen, seine Boten, seine Handwerker, seine Mitarbeiter an der großen Idee vom Reich Gottes, die sich in unserer Mitte in der Kirche bereits zu vollenden anbahnt.

Also: Bleibt richtig schön faul, was Euer Leben vor Gott angeht: Der sorgt für euch und ihr braucht nichts machen (das Abstrampeln für das Himmelreich überlassen wir einfach mal den anderen Konfessionen und Religionen).

Aber werdet damit gleichzeitig immer fleißiger, wenn es um Euer Leben mit den Menschen geht: Da dürft ihr euch anstrengen und das Gute, was ihr von Gott empfangen habt, freiwillig und ohne jeden Zwang weitergeben.

Als fröhliche und von Gott gestärkte Menschen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Predigt zu Miserikordias Domini am 14.4.2013 zu Johannes 21,12-17: „Hast du mich lieb?“

„Kinder, habt ihr nichts zu essen?!“ so fragt eines Morgens ein einsamer Fremder am Ufer des Sees. Gefragt ist eine Gruppe müder Fischer.

Textlesung Joh 21,12-17

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische.
14 Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.
15 Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!
16 Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!
17 Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!


Liebe Gemeinde!

Das ist ein unvergesslicher Anblick: Dieser Fremde ist Jesus Christus. Etwa drei Tage nach Ostern zeigt er sich seinen resignierten Jüngern noch einmal leibhaftig. Leibhaftig heißt z.B., dass er morgens Hunger hat.

In dem Glaubenskurs, den wir am Samstag beginnen, werden uns keine schwierigen Dogmen beschäftigen. Kompliziertes würden wir schnell vergessen. Aber Leibhaftiges prägt ein Bild in unserer Seele ab, das wir nie vergessen werden. Nicht in Dogmen, sondern in Bildern bildet die Bibel unseren christlichen Glauben. Deshalb wird unser Glaubenskurs ein Bibelkurs sein: In Gesprächen über Gestalten der Bibel wird nach und nach jeweils ein Bild von ihnen entstehen.

Das gilt auch für das Bild, das sich jetzt am Seeufer entwickelt. Brot und Fisch essen Jesus und die Jünger zusammen. Dann sagt Jesus: „Simon, lass uns mal miteinander reden!“ Simon ist der alte Name von Petrus! Wir sehen Gottes Sohn mit gerade diesem Jünger etwas beiseite gehen. „Simon, hast du mich selbstlos lieb – mehr als die anderen?“ Bei dem Wörtchen „mehr“ ist Petrus hellwach – sein Lieblingswort! Erinnerungen steigen in ihm auf: Einst ließ Jesus die Gruppe allein über den See fahren. Als der Sturm gefährlich wird, erscheint Jesus. Er geht auf dem Wasser. Das fordert den Petrus heraus. Er will mehr als ängstlich im Boot zu hocken: „Wenn du’s bist, so heiße mich zu dir zu kommen“ und Jesus sagt tatsächlich: „dann komm!“ Und er kommt, als einziger!

Oder neulich, als ein Polizeitrupp Jesus vor den Augen der Jünger verhaftete. Petrus hat ein Schwert und säbelt einem Polizisten ein Ohr ab. Er will mehr, er will’s ihnen zeigen. Jesus macht schnell deutlich: So könnten wir arbeiten, aber so wollen wir nicht arbeiten! Es hätte schlimmer kommen können! Aber immer ist Petrus vorne dran, ein ausgeprägtes Alphatierchen.

Wir neigen in der Kirche zu falscher Bescheidenheit. „Das könnte ich nie!“ oder als Petrus gefährlich ins Wasser sinkt: „Das kommt davon!“ Ich behaupte: Wir brauchen in der Kirche Gemeindeglieder, die sich melden, wenn sie gerufen werden. Ja, wir brauchen Mitglieder, die mehr wollen. Jesus nimmt Petrus beim Wort: Du willst doch immer mehr; liebst du mich denn auch mehr?

Petrus sagt ja! Aber Jesus fragt erneut: „Simon, hast du mich wirklich lieb?“ Bitte lassen Sie Jesus diese Frage direkt an Sie richten! Tragen Sie Ihren Vornamen als Anrede ein! Denken Sie still darüber nach, was Ihnen Jesus Christus wirklich bedeutet! Von Ostern an können wir ihn unseren Freund nennen, ganz persönlich. Er ist die Freundschaftsseite von Gottes unsichtbarem Wesen. In Jesus ist der ferne Gott mir als Mensch ganz nahe geworden. Freundschaft mit Jesus ist also kein Hobby an der Peripherie, sie ist das Zentrum.

Aber kennen wir das auch? Dass solch eine persönliche Beziehung vertrocknet? Kennen wir das in unserer Kirche? Die Kirchensteuer klappt, die neuen Lieder sind brauchbar und die Lokalpresse berichtet freundlich. So könnte es weitergehen. Aber in mir wächst das berühmte Gefühl: das kann doch nicht alles sein? Es muss doch mehr geben?

Ich muss an dieser Stelle etwas erzählen: Ich fahre in Fulda gemächlich von einer roten Ampel 100 m weiter zur nächsten und schalte das Autoradio ein. Da demonstriert in Freiburg eine Gruppe junger Muslime gegen Karikaturen über Mohammed. Eine deutsche Muslima, vermutlich eine ehemalige Christin, wird interviewt. Ich schnappe ihre Entrüstung auf: „Wir protestieren, wie unser geliebter Prophet Mohammed beleidigt wird!“ „Geliebter Prophet Mohammed“ – immer wieder murmele ich diese Worte vor mich hin. Die Frau sprach es klar und entrüstet aus, ohne „ich sag mal so“ und ohne „wenn ich das mal ein Stückweit so sagen darf“! Und ich versuche, etwas Christliches zu formulieren: „Wir bekennen uns zu unserem geliebten Herrn Jesus Christus!“ Wo sind die jungen Christen, die dies fröhlich ins Mikrofon sagen?

Da fragt Jesus den Petrus ein drittes Mal. Wörtlich klingt es wie: „Simon, sind wir noch Freunde?“ Im Moment mag Petrus gedacht haben: „Was hat er denn bloß wieder? Hat er noch Probleme wegen der Magd, die immer wieder nervte?“

Aber nun dämmert es Petrus: „Dreimal fragte mich der Herr, ob ich ihn lieb habe. Dreimal haben das Gesindel von der Wache und diese Magd gefragt, ob ich ein Jünger von Jesus bin. Und dreimal habe ich es geleugnet. Ja, ich habe ihn verleugnet! Ich dachte, wegen der blöden Magd werde ich doch nicht zum Märtyrer!“ Jesus hatte sich noch umgedreht und Petrus hatte weinen müssen. Und er weint wieder bittere Tränen, als Jesus jetzt dreimal nach Lieben und Freundschaft fragt. Und ich denke an die muslimische Studentin und ihren geliebten Profeten Mohammed und an meinen Herrn Jesus Christus. Und nun weine auch ich im Auto…

Ich fasse mich wieder: Jesus fragt Petrus nicht nur dreimal, er betraut ihn ebenso oft mit der Achtsamkeit auf die Gemeinde: „Weide meine Schafe!“ Ich frage mich, was ich denn gemacht hätte, wenn mein engster Mitarbeiter mich dreimal verraten und im Stich gelassen hätte. Ich erwäge, was in Jesus vorging: Er hätte Petrus böse zusammenfalten können: „Ja, jetzt bist du zerknirscht, aber sonst immer Number one, doch als es darauf ankam, versagtest du. Auf dich ist kein Verlass! Der Zug ist abgefahren.“ Dann wäre die Krise der Freundschaft zum Beginn ihres Endes geworden.

Andererseits hätte er Petrus locker liberal vereinnahmen können: „Schwamm drüber, alter Junge! Das hätte mir auch passieren können. Man ist manchmal nicht so super steil zum Bekennen drauf!“ Dann wäre die Freundschaft an Oberflächlichkeit versandet.

Beides macht Jesus nicht! Jesus betreibt – im heutigen Jargon – eine heilende, seelsorgerliche Aufarbeitung. Jesus erspart dem Petrus nicht seine Tränen, er ist ja ganz tief abgestürzt. Aber bevor Petrus verzweifeln könnte, betraut Jesus ihn mit einem vertrauensvollen Auftrag. Vertrauen heilt. Die dritte Frage an Petrus klang auf Griechisch zunächst nach „Simon, sind wir noch Freunde?“ Inzwischen klingt sie anders: „Wollen wir wieder Freundschaft schließen?“ Das ist heilsam und heilend.

Immer wieder geht mir die Sehnsucht des Petrus nach „mehr“ durch den Sinn: Sind wir ihr gerecht geworden? Einmal sagte Jesus über eine Person: „Ihr müssen viele Sünden vergeben worden sein, denn sie hat so viel Liebe gezeigt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“ Die vielen Tränen des Petrus waren eine Traurigkeit zum Heil.

Gott sei Dank! haben wir die Bibel. Ich bekomme Freude an dieser Therapie Jesu. So ist Jesus. So ist Gott durch Jesus. Er ist die uns zugewandte Freundschaftsseite von Gottes unsichtbarem Wesen.

Ich bin stolz darauf, einen solchen Herrn zu haben und Christ sein zu dürfen.

Und ich freue mich auf den Bibelkursus.

Amen.

Osterpredigt 2013 – Maria von Magdala in Joh 20,11-18: Wen suchst du?

Predigt zu Joh 20,11ff: Maria von Magdala

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der von den Toten auferweckt wurde!

Predigttext:

11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab

12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.

13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist.

15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.

16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen  Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.

18 Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.


  1. Der äußere Rahmen: Trauer von Maria = Unsere Trauer

Da steht eine Frau an einem Grab und weint. Sie ist völlig fertig, dass ihr geliebter Mann gestorben ist. Und dann sieht sie mit einigem Erschrecken:

Das Grab wurde geöffnet. Ihr Mann liegt nicht mehr da, wo er vorhin noch gelegen hat, als er beerdigt wurde.

Stattdessen sitzen da zwei merkwürdige Gestalten im Grabloch und fragen sie: „Frau, was weinst du?“

Die tränenüberströmte Frau merkt nicht, dass diese beiden Gestalten Engel sind, die ihr die Nachricht der Auferstehung des Gottessohnes weitersagen wollen.

Die tränenüberströmte Frau weiß nur: Irgendjemand hat den geliebten Leichnam weggenommen.

In der Trauer ist ihr kein über-die-Grenze-Denken möglich.

In der Trauer sieht Maria von Magdala nur das leere Grab – und verzweifelt.

Sie sucht den Toten bei den Toten auf – und findet ihn nicht.

Maria weiß genau: Der war mauestot, dieser Jesus.

Und wir alle wissen: keiner kann einen Toten zurückbringen.

Keiner, der tot und begraben liegt, kann ins Leben zurückkehren.

Das wissen wir so sehr, dass an diesem Wissen niemals gerüttelt werden darf.

Wenn wir an unsere Gräber gehen und ein Grab ist auf einmal leer, die Erde zerwühlt und der Sarg liegt offen darin – dann gehen wir zur Polizei oder gleich zur Staatsanwaltschaft.

Tote erheben sich nicht aus den Gräbern.

Nicht bei uns – und auch nicht bei Maria von Magdala.

Und auch nicht am Ostermorgen.

Und dann tritt eine weitere Gestalt in die Grabhöhle hinein.

Maria erkennt nicht, wer das ist: Wohl jemand vom Friedhofspersonal, vielleicht weiß der, wer hier das Grab von Jesus geschändet hat und wo der Leichnam hingeräumt wurde.

Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Dann will ich ihn holen.“

So verzweifelt ist Maria von Magdala mittlerweile, dass sie ohne Klagen selbst helfen will, alles wieder zurechtzubringen.

Jesus gehört ins Grab hinein.

Er muss hier liegen, damit er eine letzte Ruhestätte hat.

Er gehört in ein Grab, er darf nicht draußen in der Wildnis, auf einem Friedwald, in einem Seebegräbnis beerdigt sein.

Jesus muss ins Grab des Joseph von Arimatäa zurück!

Maria von Magdala ist bereit, alles zu geben, damit die Welt wieder so wird, wie sie sein sollte.

Ein Grab scheint geschändet zu sein – sie will dafür sorgen, dass es wieder geschlossen wird.

Und dann tritt der vermeintliche Leichnam auf.

Jesus selbst ist es ja, der da in der Tür des Grabes steht und sie anspricht.

„Maria“, sagt er bloß.

Und sie erkennt ihn.

Sie begreift in dem Moment, als Jesus selbst zu ihr spricht, warum das Grab leer ist, beginnt nun zu begreifen, was diese beiden Gestalten im Grab von ihr wollten, dass das Boten Gottes sind,

dass die Welt durch die Augen Gottes eine ganz andere ist als die bisher gekannte.

Und sie lässt sich hineinnehmen in den Glauben an den Auferstandenen Jesus.

Wenn wir an unseren Gräbern stehen, dann…

– ach was wollen wir weiter von Gräbern hören! Wo der Auferstandene selbst doch mit seinem Wort zu uns spricht, wenn wir ihn feiern!

Wenn wir an unseren Gräbern stehen, dann sind wir traurig, wie Maria es war. Aber wenn wir die Stimme des lebendigen Gottes hören, dann spüren wir doch in uns die Gewissheit der Auferstehung von Jesus und uns selbst und unserer lieben Angehörigen!

Wir werden mit ihm leben. Das ist heute die Botschaft. Und unsere lieben Verstorbenen ebenso!

Maria drängt es, hinaus zu gehen und den anderen davon zu erzählen. Und sie tut das ziemlich unaufgeregt: „Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.“

Da wird nichts mehr hinzugeschmückt, um die Geschichte glaubhafter zu machen – was wollte man auch noch mehr sagen!

Der Herr ist auferstanden. Halleluja! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

2. Der innere Rahmen: Maria will zu Christus gelangen, aber sie sieht ihn nicht

Maria ist ja eine gläubige Frau.

Sie hat Vertrauen zu Gott und hatte dieses Vertrauen auch zu Jesus gehabt.

Auf die Idee, dass Gott mit Jesus aber etwas ganz anderes, neues, unerhörtes vorhat, kommt sie nicht.

Dazu reicht ihr menschlicher Horizont einfach nicht aus!

Sie will also Jesus aufsuchen und findet ihn nicht.

Sie weint, sie ist enttäuscht. Sie kann weder nach rechts noch nach links blicken.

Sie sieht die Engel nicht im Grab als Engel, die ihnen die Auferstehungsbotschaft bringen.

Sie sieht durch ihre eigene Verblendung nichts mehr.

Sie sieht nur noch Tod. Und Verlust.

Gott selbst hat sich klein gemacht und ist gestorben.

Das passt in ihr Menschenhirn nicht hinein.

Das erträgt man vielleicht noch an der Krippe im Stall mit einem süßen Baby, das selig lacht. Holder Knabe im lockigen Haar.

Aber man erträgt es nicht länger am Kreuz.

Und man erträgt es nicht länger in einem Grab, wo dieser holdselige Knabe hingerichtet gebettet wurde.

Maria erwartet von Gott nichts Besonderes.

Sie erwartet nicht einmal Trost.

Sie schaut hin und kann Gott nicht erkennen.

Die Tränen sind kein hinreichender Grund dafür, dass sie die Engel nicht sehen kann.

Die Trauer ist keine Begründung, dass sie Jesus erst einmal nicht sieht.

Die Begründung ist, dass sie Gott in ihrem Herzen klein gemacht hat.

Dass sie über ihn verfügen möchte. Statt zu akzeptieren, dass er stets der ganz andere ist.

Sie will ihn aufsuchen als den Toten. Als den Leichnam, den sie kennt.

Damals im Grab der Auferstehung. Und heute für uns ebenso, wenn wir uns vormachen, dass wir Gott aufsuchen könnten, indem wir uns unsere eigenen Vorstellungen von Gott machen.

Wir gelangen nicht zu ihm, wenn wir selbst uns Gott zurecht basteln. Wir gelangen nicht zu ihm durch ein noch so entschiedenes JA zu Christus und zum christlichen Glauben.

Wir gelangen nur dann zu ihm, wenn er einfach so zu uns kommt.

Wenn wir auf sein Wort hören.

Sein Wort, das wir in Predigt, Sakrament und eigener Bibellesung finden.

3. Der göttliche Rahmen: Christus gelangt zu Maria

Christus gelangt zu Maria – unerwartet. Was tut er: Er spricht sie mit Namen an.

Er sagt allein den Namen und dringt so bis in ihr Herz hinein.

Mit Maria hat er etwas vor. Sie soll diese Geschichte weitersagen.

Sie soll verkündigen.

So wird aus dieser Frau im Johannesevangelium die erste Predigerin des Ostergeschehens.

Gemäß dem Evangelisten ist das Entscheidende aber:

Maria wird gefunden.

Ihre eigene Suche ging in die Irre.

Sie hat es nur bis vor das Nichts eines leeren Grabes geschafft.

Als Lebendiger offenbart sich ihr Jesus am Grab, und ermahnt sie dann sogar noch: Halte mich nicht auf, rühre mich nicht an, geh aus dem Grab und verkündige das Leben bei Gott!

Die Frage, wen sie eigentlich sucht, wird selbst durch den beantwortet, der sie aufsucht und findet.

Und ihr eine neue Sicht auf Gott ermöglicht.

Sie hatte Jesus zwischen Grabtüchern und Friedhofsgemüse gesucht. Sie findet nichts als das. Grabtücher, Friedhofsangestellte, Friedhofsgemüse!

Stattdessen findet er sie – und zwar in tiefster Innerlichkeit.

Mit der Nennung des Namens gelangt er zu ihr.

Mit den Ohren und dem Herzen, nicht mit den Augen.

Und natürlich lebt er.

Natürlich ist er nicht tot!

Diese Begriffe spielen für Christen doch überhaupt keine Rolle mehr, will uns der Evangelist Johannes damit belehren.

Selbstverständlich ist er der Auferstandene, der als ewiger Gott der König des gesamten Kosmos ist und der das Universum ausfüllt.

Das zu erwähnen ziert sich das Johannesevangelium in dieser Geschichte, da es ja sonnenklar vor Augen steht!

Freilich werden wir uns wiedersehen, wenn wir einmal sterben. Selbstverständlich werden wir mit hineingenommen in die Auferweckung von Jesus.

Er ist uns vorangegangen, damit wir wenigstens diesen Aspekt der ganzen Andersartigkeit unsres Gottes begreifen lernen – so wie Maria von Magdala es begreifen lernte durch die Anrede mit nur einem einzigen Wort, ihrem Namen!

4. Fazit: Wir sind diejenigen, die von Christus aufgesucht werden. Uns trifft dieses „Maria“

Auch bei den Taufen eben gerade ging es darum: Mit den eigenen Namen wurden diese Menschen in die Nachfolge Jesu gerufen.

Er sucht euch auf. Ihr braucht euch nicht einmal bewusst entscheiden.

Denn Christus hat sich längst für euch entschieden.

Und die „Kirche des Wortes“ wird nicht aufhören, eben das zu verkündigen, will sie noch Kirche genannt werden.

Und es macht mir persönlich Mut, wenn Menschen dann doch auch im Erwachsenen-Alter ihren Weg zu unserer Kirche finden.

Oder um im Bilde zu bleiben: Wenn Menschen sich von Christus finden lassen und die Andersartigkeit Gottes auch in der anderen Konfession, bei uns Protestanten, entdecken und als den klareren oder wahrhaftigeren Weg zu Gott erleben.

Mit all denen, die wie Maria ins Leben bei Christus gerufen werden, danke ich Gott dafür, dass er getan hat, was er tat!

Der Herr ist Auferstanden. Halleluja!

Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Predigt zu Quasimodogeniti 2012 – Auferstehung? Nein Danke!

Predigt zu Kol 2,12-15

Kanzelgruß:

Friede sei mit euch allen,

die ihr in Christus seid. 

Amen.

Predigttext:

12 Mit ihm seid ihr  begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch  auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.

13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr  tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.

14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der  mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.

15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.


  1. Letzte Woche Ostern – und heute?

Liebe Gemeinde,

am vergangenen Ostersontag habe ich mich am Ende meiner Predigt über das Osterlachen ein wenig aus dem Fenster gelehnt mit einem persönlichen Bekenntnis zur Auferstehung von Jesus. Ich sagte:

„Ich weiß nicht, ob ich das alles so 1:1 für historisch wahr halte. Ich weiß nur, dass ich darauf vertraue und davon lebe. Und darum kann ich lachen!“

Das befreiende Lachen wurde als ein Merkmal des Glaubens an die Auferstehung von mir herausgestellt – und glaubte man den amüsierten Reaktionen hier im brechend vollen Gemeindezentrum, so schien der Glaube an die Auferweckung doch noch nicht verloren.

Fröhliche Heiterkeit: Diese steht zusammen mit tiefem Ernst und dem Ringen nach der Wahrheit an vorderster Stelle lebendigen Glaubens an Christus.

Fröhliche Heiterkeit: Sie erwächst automatisch aus dem tiefen Ernst im Glauben an die Auferweckung, wenn man feststellt: „Ich bin nicht verloren. Die Vorfahren ebenso nicht. Und auch nicht die, die mich umgeben und die, die nach mir kommen. Ich werde meinen zu früh verstorbenen Sohn wieder im Arm halten. Ich werde meine verstorbene Mutter wieder küssen. Ich werde mein Versagen und meine Schuld vergeben bekommen.“

All das führt den wahrhaft Gläubigen bei allem tief empfundenen Ernst doch zu fröhlicher Heiterkeit.

Noch ist es nicht soweit, aber schon jetzt haben wir die Gewissheit, dass es so kommen wird.

Letzte Woche: Ostern!

Dieser Sonntag: Wie die Neugeborenen!

Als wäre jeder Tag unser Geburtstag, als wären wir rein und unschuldig: so denken, fühlen und handeln wir im Glauben an den Auferstandenen.

Oder anders, vorsichtiger ausgedrückt: So dürfen, könnten, sollten wir sein.

Wie die Neugeborenen!

2. Was ist Auferstehung?

Der Glaube an den Auferstandenen fällt bei allem tiefen Ernst und aller fröhlichen Heiterkeit nach wie vor vielen schwer.

Das Ringen nach Wahrheit steht ihm oftmals im Wege.

Die scheinbar „vernünftige“ Welterfahrung steht ihm im Wege.

Wir haben noch keinen Toten zurückkehren sehen.

Lässt man die Beispiele von medizinischen Nahtoderfahrungsberichten fort, dann ist doch noch niemals jemand, der wirklich tot war, als Lebendiger zurückgekommen.

Alles sperrt sich in der menschlichen Vernunft dagegen, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten anzuerkennen.

Die erste Reaktion auf den Bericht von dem leeren Grab und einer Auferstehung ist bereits im NT von der jüdischen Oberschicht überliefert:

Der ist von seinen Jüngern geklaut worden. Also: Das Grab war nur deshalb leer, weil andere geholfen haben, die Leiche fortzuschaffen.

Auferstehung? Nein Danke!

Die zweite Station führt uns zum Jesusbild, das eine christliche und weitverbreitete Sekte in der Antike hatte: Die sogenannten „Gnostiker“ sind davon ausgegangen, dass Jesus gar nicht hingerichtet wurde, sondern er sich nur zum Schein hat hinrichten lassen. Er war also nie wirklich tot, da sich diese Leute nicht vorstellen konnten, dass der Sohn Gottes – und damit Gott selbst – so weit gehen könnte, sich hinrichten zu lassen und zu sterben. Und erst recht nicht wie ein Verbrecher!

Übrigens hat sich Mohammed, der Prophet des Islam, dieser Auffassung mehr oder weniger angeschlossen, wenn er in Sure 4 sagt: „Doch sie töteten ihn nicht und kreuzigten ihn nicht, sondern er erschien ihnen nur so“ (oder anders übersetzt: „es erschien ihnen ein anderer ähnlicher.“).

Wo kein Kreuzestod, da auch keine Auferstehung.

Also auch hier: Auferstehung: Nein Danke!

Doch die Reise geht weiter, hin zur Aufklärung und bis in die Moderne hinein: Jesus wurde zwar gekreuzigt, aber er wurde nicht getötet. Als Scheintoter lag er im Grab. Später erholte er sich dann und floh nach Galiläa. Alle Jahre wieder können wir dann in Stern, Spiegel und Fokus erfahren, dass Jesus seine letzten Lebensjahre in Indien zugebracht hätte.

Auferstehung: Nein Danke!

Und schließlich immer weitere Versuche, die Auferstehung mit unserer Vernunft in Einklang zu bringen: Jesus sei den Jüngern bloß „erschienen“, und diese Phantasten konnten eben nicht anders, wird die Auferstehung wegpsychologisiert. Schließlich sind auch Massenphänomene von Erscheinungen aus der Psychologie bekannt.

Auferstehung? Nein Danke!

Die biblischen Texte seien nicht gut genug, ist eine weitere Kritik. Nicht nah genug dran am Ereignis.

Das älteste Evangelium, das des Markus, wird erst um das Jahr 70 geschrieben – immerhin vierzig Jahre nach der Kreuzigung.

Und der Apostel Paulus schreibt zwar früher, aber da ist nie von einem leeren Grab die Rede.

Pls geht es um Kreuz und Auferstehung.

Was mit dem Leichnam in der Zwischenzeit geschehen ist, interessiert ihn nicht besonders. Bis auf eine Notiz in 1. Kor 15, die aber bereits einer Bekenntnistradition folgt, schreibt Pls nichts von einem leeren Grab.

Das wurde wohl auch erst für spätere Generationen der wachsenden christlichen Kirche von Belang.

Wir können die Auferstehung nicht in dem Sinne für historisch wahr halten, wie wir wissen, dass Caesar den Rubikon überschritten hat.

Es hat ihn keiner auferstehen sehen. Man hat ihn nur hinterher gesehen – das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied.

Die Historizität der Auferweckung entzieht sich dem, was wissenschaftlich nachweisbar ist.

Der Historiker mag sogar zum Schluss kommen, dass der Körper von Jesus liegengeblieben ist, oder seine Überreste an einem anderen Ort begraben wurden – für die Aussage des Glaubens, dass Jesus Christus auferstanden ist, tut dies aber alles nichts zur Sache!.

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Stellt euch vor, dass es gar kein Grab von Joseph von Arimathaia gab, zu dem die Jüngerinnen am Ostertag gehen konnten.

Stellt euch vor, der Leichnam von Jesus sei irgendwo am Wegesrand bei Golgatha verscharrt worden!

Würde das euren Glauben in irgendeiner Weise berühren?

Ist denn ein Grab überhaupt nötig, um an den Auferstandenen zu glauben?

Nein, liebe Gemeinde, wir brauchen das Grab nicht, um an den Auferweckten zu glauben. Wir brauchen die Gewissheit, dass er als der Auferweckte bei den Menschen war.

Wir brauchen die Gewissheit, dass die Erscheinungen von Jesus echt waren – und nicht nur eine Illusion!

Bevor ich mit Euch einsteigen möchte in die Frage, was nun die Bedeutung dessen ist, was damals geschah, müssen wir uns über einige Dinge einigen.

Sonst könnte es sein, dass ich an Euch vorbeirede!

  1. Jesus ist gekreuzigt worden und war wirklich ganz und gar tot. So tot, dass auch unsere modernen medizinischen Apparaturen ihn nicht zurückgebracht hätten. 
  2. Jesus ist danach Menschen begegnet als einer, der auf neue Art und Weise lebendig ist.
  3. Diese Begegnungen haben eine Bewegung in Gang gebracht, die die Kirche in ihrer vielfältigen Gestalt wurde.

Alle einverstanden?

Gut, Dann gehen wir nun die Frage an, was die Erscheinung des Auferstandenen bedeutet.

3. Worauf es dem Predigttext ankommt

Nur mit diesen Bedingungen gilt das, was der heutige Predigttext uns zuruft:

Der Schuldschein ist mit Jesus ans Kreuz genagelt worden.

Euch wurde vergeben.

Ihr seid trotz all Eurer Schwächen und Fehler, eurer selbstverschuldeten Gottesferne, trotz all dem seid ihr durch den Gekreuzigten gerechtfertigt, oder – wie man seit einigen Jahren in Theologenkreisen zu sagen pflegt:

Ihr seid bei und von Gott unbedingt anerkannt.

Er erkennt euch an, denn der Schuldschein eures Lebens ist bezahlt.

Und da merken wir: Schon der Kolosserbrief selber ist Auslegung, ist Predigt, ist Verkündigung, wenn er das Kreuz nimmt und unseren Schuldschein daran heftet.


Der Historiker würde sagen: Stimmt nicht, am Kreuz starb Jesus von Nazareth.

Derjenige, der den Glauben an den Auferstandenen teilt, kann dem nur ins Gesicht lachen:
„Ja, so ist es, der starb da. Aber mit ihm starb die ganze Menschheit in ihrer Gottesferne.“

Das kann ich nur verstehen aus dem Glauben an die Auferweckung.

Und die kann ich nur Begreifen aus meinem eigenen Erleben mit Gott.

4. Worauf es uns heute ankommt

Dem Kolosserbrief kam es darauf an, herauszustellen, dass Kreuz und Auferweckung uns von dem befreien, was uns von Gott trennt. Im damaligen Sprachgebrauch war das die Schuld, die man auf sich geladen hat, wenn man gegen Gottes Gebote verstößt.

Sünde.

Doch worauf kommt es uns heute an?

Ist in unserer Umgebung denn ein besonderes Sündenbewusstsein überhaupt noch anzutreffen?

Die meisten leben doch ganz gut mit ihrer Sünde oder bemerken sie nicht einmal. Manche sind sogar stolz darauf.

Ein kluger Theologe bemerkte dazu, dass jede Epoche ihre eigene Vorstellung hat, wozu Jesus Christus gekreuzigt wurde und warum er dann auferweckt wurde.

In der Antike war es die Sorge um die Unsterblichkeit der Seele.

Sollte denn mit dem Tod alles zu Ende sein? Weiterleben, über den Tod hinaus, das war die Sorge der Menschen. Ein Kirchenvater ging soweit, das Abendmahl als Speise zur Unsterblichkeit zu preisen. (Manchmal denke ich, er hat recht).

Im Mittelalter war allen klar, dass es nach dem Leben weitergeht – aber da war die Frage dann, wie das Leben nach dem Tod aussieht: Himmel oder Hölle?

Die Papstkirche erfand noch das Fegefeuer als Zwischenstopp hinzu. Was wurde nicht alles in Bewegung gesetzt, doch bloß in den Himmel zu kommen! Der Ablass war noch harmlos gegen all die Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und Geißelungen, die für das Himmelreich durchgeführt wurden.

Christus wurde vorgestellt als Weltenrichter, der Schlechtes gegen Böses aufrechnet, nur die Guten mitnimmt und den Rest verdammt.

In nachreformatorischer Zeit änderte sich dieses Bild des Auferstandenen zunehmens und wich der Frage, was wir in diesem Leben tun können, jetzt, da Christus für uns gestorben und auferweckt worden ist und wir das ewige Leben und das Heil im Himmel haben.

Mehr und mehr Fragen nach der Lebensgestaltung traten auf den Plan, so dass manch einer meinte (und leider immer noch irrigerweise meint), die Kirche sei nichts weiter als ein großer Wohltätigkeitsverein.

Angst, Lebensbewältigung, Sinnkrisen, Umbrüche des Lebens: Das waren und sind die großen Fragen, die mit Kreuz und Auferstehung im vergangenen Jahrhundert in Verbindung gebracht wurden.

Zwischen dem „Füge dich, Gott sieht alles!“ und dem gemeinsamen Batiken von Kirchentagschals liegen nur wenige Seiten Geschichte der Auslegung des Glaubens an den Auferweckten.

Doch was ist die Frage jetzt gerade 2012?

Was treibt Menschen um, die im relativistischen Zeitalter zwischen Pluralismus und Fundamentalismus eine Antwort auf genau was eigentlich suchen?

Liebe Gemeinde,

ewiges Leben, Himmel oder Hölle, Lebensregeln, Lebenskunst – nach wie vor sind das Themen, die die Herzen bewegen. Warum sonst haben gerade jetzt so viele Angst und Sorge vor den verrückten Moslems, die auf den Straßen Korane kostenlos verteilen? Wenn die Frage nach ewigem Leben, Himmel und Hölle und so weiter niemanden mehr beträfe, dann würde sich keiner einen Dreck um diese salafistische Sekte und ihre menschenverachtenden Meinungen scheren.

Dann würden wir sie genauso belächeln wie die Altkommunisten oder  die Zeugen Jehovas.

Woran liegt das, dass viele das gerade nicht tun?

Wie kommt es, dass es die Leute aufwühlt?

Das, was die Herzen vieler jetzt und gerade bewegt, ist doch die Frage, ob da überhaupt ein Gott ist.

Und wenn diese Frage dann positiv beantwortet, also bejaht wird:
Ob der sich überhaupt einmischt.

Ob Gott sich wirklich als Person offenbart hat? Ob Gott vielleicht als abstrakt gedacht werden sollte?

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, ob das eure Fragen sind.

Kirchenbesucher leben ja meist im Glauben an Christus.

Für euch – oder zumindest für die meisten von euch – ist der Umgang mit Kreuz und Auferstehung, der Bibel, ja mit Gott selber vertraut.

Aber Zweifel müssten euch genauso vertraut sein.

Vielleicht könnt ihr mir zustimmen, wenn ich sage: Glaube an Gott kann schon mal schwer sein. Aber mein Glaube kommt ja gar nicht von mir – mein Glaube wird von Gott gemacht, immer wieder neu.

Und dieser Gott erscheint uns in Jesus Christus als Person. So konkret wie möglich. Als Mensch, der sogar gestorben ist.

Aber auch so unglaublich wie möglich: Als Auferstandener.

Und ich darf mich in diesen Glauben hineinfallen lassen.

Und dann darf ich auf Gottes Wort hören.

Darf erkennen und verstehen.

Stück für Stück.

Darf mich intellektuell vom Glaubenswissen herausfordern lassen.

Darf mich meinen religiösen Gefühlen stellen.

Darf seine Gegenwart anbeten.

Und in dem Moment hört dann das zweifelnde Fragen auf. Und ich lebe aus der Anbetung heraus in der Gewissheit seiner befreienden Gnade.

Keine Schuldscheine mehr.

Dafür ewiges Leben.

Den Himmel.

Die Gemeinschaft der Heiligen.

Das unbedingte Anerkanntsein bei Gott.

Amen. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

Osterpredigt 2011 zu Mt 28

Liebe Gemeinde,

es ist wohl so, dass sich alljährlich zu Ostern Pfarrerinnen und Pfarrer auf die Kanzeln begeben, und dann die Auferweckung Jesu Christi von den Toten mit irgendwelchen irgendwie mehr oder weniger passenden Bildern versuchen zu veranschaulichen.

Dass etwa auch die Natur gerade jetzt aufwacht, dass die Tiere längst ihren Winterschlaf hinter sich ließen.

Dass die Bäume nun ausschlagen und endlich wieder Blumen in den Gärten erblühen.


Ja, kann es denn sein, dass ein Lächeln auf der Straße eine Form der Auferweckung ist? Dass da, wo ein Mensch einem anderen Versöhnung anbietet, Auferweckung stattfindet?

Liebe Gemeinde, das wird landauf landab heute morgen zweifellos verkündigt.

Und zweifellos hat vieles davon auch seine volle Berechtigung.

Es ist schön, es ist sinnlich, es ist moralisch wertvoll. Es mag auch viel Freude mit sich bringen.

Bloß: Auferweckung ist das alles nicht!

Auferweckung geht nicht unter in den sich wiederholenden Abläufen der Natur – Auferweckung hat keine Wiederholung; sie ist einmalig.

Auferweckung geht nicht unter im sich freundlich Zulächeln – denn nach Auferweckung ist nichts mehr, wie es einmal war.

Auferweckung  geht nicht unter in der Versöhnung von Feinden – Auferweckung ist die vollkommene Versöhnung Gottes mit den Menschen und aller Menschen untereinander.

Ja, liebe Gemeinde, mit viel zu kleinen und stets nur unzureichenden Beispielen wurden Christinnen und Christen in den letzten 50 Jahren im Glauben über die Auferweckung regelrecht klein gehalten. Immer wiederkehrende Debatten darüber, ob sich das nun so oder vielleicht ganz anders zugetragen hat, machen es ja auch nicht leicht, den Glauben an dieses Unglaubliche zu wecken. Und die immer wieder kehrende Diskussion, ob der Leichnam nicht vielleicht gestohlen wurde, oder Jesus noch gar nicht tot war und dergleichen führen einen weg vom Eigentlichen der Auferstehungsbotschaft.

Es wundert mich daher nicht, dass laut einer Untersuchung des FOCUS nur noch rund ein Drittel der Deutschen an die Auferweckung Jesu Christi glauben. Wer immer nur hört, Auferweckung sei so etwas wie ein Aufblühen der Natur oder ein besonders gutmenschliches Verhalten, der benötigt den Glauben an solcher Art Auferweckung doch auch gar nicht. Das kann er jährlich neu erleben – und im Blumenladen gibt es auch zur Weihnachtszeit alle Zeugnisse dieser sogenannten Auferweckung.

70% der Deutschen glauben nicht an Auferweckung, das bedeutet auch: Rund die Hälfte unserer Kirchenmitglieder hält das Wesentliche des Christentums für unglaubwürdig, unmöglich oder gar für unnötig. Mich als Theologen erstaunt dann aber doch sehr, dass man sich auch ohne den Glauben an die Auferweckung zur Kirche dazu gehörig zählen und fühlen kann.

Positiv gewendet heißt das aber auch: Die andere Hälfte der Kirchenmitglieder glaubt sehr wohl an die Auferweckung unseres Herrn.

Es mag der Mann Jesus von Nazareth aufgeführt werden. Was er getan hat zu Lebzeiten. Liebe und Frieden war seine Botschaft vor der heraufziehenden Gottesherrschaft.

Dem stimmen beide Hälften der Christen in Deutschland zu.

Aber dieser friedliebende Heilige und Liebesapostel wäre ohne Auferweckung aus dem Grabe am Kreuz einfach nur gescheitert. Ohne Ostermorgen hat das Kreuz nunmal allein die Bedeutung eines furchtbaren Hinrichtungsinstruments. Ohne die Begegnung Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern nach der Kreuzigung wäre das Christentum nicht einmal denkbar, geschweige denn glaubbar geworden.

Auferweckung heute haben wir nicht einfach so. Auferweckung ist analogielos und entzieht sich unserem Verstehen.

Auferweckung ist und bleibt die große Verheißung an uns alle.

Wie geht es denn den ersten Zeugen der Auferweckung?

Im Osterevangelium des Matthäus sind es zwei Frauen, die mit dieser ganz neuen und unbegreiflichen Situation konfrontiert werden.

Mt 28,1.10

1 Als aber der Sabbat vorüber war und a der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Gestalt war wie der Blitz und a sein Gewand weiß wie der Schnee.

4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; a er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, daß er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach a Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen a Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.

Glaube an die Auferweckung:

Das ist doch mehr noch als ein großes Erdbeben. Das ist mehr noch als der Engel, der den Stein vor dem Grabe forträumt. Auferweckung: Das erzeugt Furcht und Freude zugleich.

Auferweckung: Das ist, wenn der verstorbene Ehemann wieder ganz da ist. Das ist, wenn die Eltern, denen ihr Kind zu früh geraubt wurde, mit diesem wieder vereint sind.

Auferweckung, das ist, wenn wir selber so zurechtgebracht werden, wie Gott uns schon immer haben wollte – und wir selber diejenigen, denen wir heute mit großen Vorbehalten begegnen, mit Freude entgegengehen.

Auferweckung: das ist die Vollendung von Gottes Schöpfung.

Liebe Gemeinde, wie das aussehen wird, das wir nicht. Wie der Herr der Auferweckung das bewerkstelligen wird, das kann keiner sagen. Was wir aber sagen können ist, dass Gott uns mit Jesus Christus ein Pfand darauf gegeben hat. Und dieses Pfand ist in unserer Welt sichtbar in Taufe und Abendmahl.

Es gibt seit einigen Jahren bei jüngeren Leuten den Brauch, vor einer Party sich schon einmal in kleinerer Runde zu treffen und in Vorfreude auf das kommende Fest schon einmal einen zu heben.

Das Ganze wird „Vorglühen“ genannt und stellt sozusagen eine kleine Vor-Party vor der eigentlichen Party dar.

Wie auch immer man im Einzelnen nun zum Vorglühen steht, so kann uns dieser neue Brauch etwas veranschaulichen:

Jesus Christus ist nicht für sich allein auferstanden. Seine Auferweckung von den Toten ist Teil von Gottes großem Plan für uns alle. Wenn man nun wieder um eine Analogie bemüht ist, dann ist seine Auferweckung, die wir im Abendmahl feiern, das Vorglühen auf das große Fest in der Ewigkeit. Beim Abendmahl jetzt gleich können wir gemeinsam vorglühen. Vorglühen hin auf die Vollendung. Und deswegen sind auch alle Christen eingeladen. Kein getaufter Mensch soll ausgeschlossen sein. Egal ob evangelisch oder katholisch, ob alt oder jung. Am Tisch des Herrn wird gemeinsam das Ewige Leben gegessen und getrunken.

Spötter und Ungläubige mögen nun anfangen zu fragen, was das mit uns hier und jetzt eigentlich zu tun hat. Den Vorwurf von armseliger Jenseitsvertröstung müssen sich die Kirchen schon länger gefallen lassen. Ich stelle dem entgegen: Der Glaube an die Auferweckung von den Toten stellt im jetzigen Leben mehr auf den Kopf als alles, was es an Weltanschauungen und Denkrichtungen auf Erden gibt.

Wer heute an die Auferstehung der Toten glaubt, wer sich gewiss ist, dass die Liebe Christi allen Schmerz, alles Leid und den Tod fortwischt, der kann so frei und so froh durchs Leben gehen, wie kein anderer. Das eigene Leben gewinnt auf einmal höchste Qualität weil es nicht mehr begrenzt und beschränkt ist auf dieses Leben. Darüber muss man sich doch riesig freuen!

Und das eigene Leben verliert endlich die Art von Ichbezogenheit, mit der wir alle durch´s Leben schreiten. Ich selber und mein kleines Wollen und Handeln sind im Bewusstsein der Auferweckung von den Toten her betrachtet nicht länger wichtig. Mich muss nichts mehr belasten. Ich bin völlig frei.

Auch hier darf ich mich riesig freuen.

Jetzt.

Heute.

Euer ganzes Leben lang.

Und am Ende der Zeiten? Dann erheben wir uns aus unseren Gräbern und blicken uns voll erstaunter Freude an, dass es genau so eingetroffen ist, wie es verheissen wurde und doch so anders, als es jeder sich ausmalte.

Und schauen dabei in Gottes lachendes Gesicht.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

  • 1. Was Auferweckung nicht ist!
    1. 70% glauben nicht an die Auferweckung
    2. Ohne Auferweckung ist das Kreuz sinnlos
    3. Was Auferweckung ist
    4. Abendmahl: Das große Vorglühen!
    5. Und jetzt sofort?