Grußwort Winter 2019/20

Liebe Leserinnen und Leser,

unsere Landeskirche, die Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), zu der auch die Bonhoeffergemeinde Fulda gehört, hat eine neue Bischöfin. Sie heißt Prof. Dr. Beate Hofmann. An ihr sehen wir, dass Emanzipation und Gleichberechtigung der Geschlechter in unserer Kirche auch auf höchster Ebene zum Alltag gehören. In der evangelischen Kirche dominieren schon lange nicht mehr die Männer, sondern es herrscht tatsächlich Gleichberechtigung.

Zugleich mit der Einarbeitung der neuen Bischöfin wurden überall in der EKKW neue Kirchenvorstände gewählt. Und auch da sieht man: Viele der neuen Gremien sind paritätisch besetzt, in manchen überwiegen sogar die Frauen. Im Bonhoefferhaus heißt es genau: „Halbe-Halbe“. Interessant: Wir haben nicht extra darauf hingewirkt. Es ist mir sogar erst aufgefallen, nachdem sich das Gremium längst konstituiert hatte. Es ist also bei uns ganz selbstverständlich, die Menschen allein nach ihren Qualifikationen auszuwählen (und nicht nach Geschlecht oder Hautfarbe oder Staatsangehörigkeit).

Dass dies nur in einem Klima möglich ist, in dem sich die Männer nicht wie die „Herren der Schöpfung“ aufführen, sondern sich ebenfalls als völlig gleichberechtigt empfinden, versteht sich von selbst.

Doch dass dies erst seit wenigen Jahren so ist, ist eine Peinlichkeit: Seit etwa 2000 Jahren sollte Gleichberechtigung Normalität sein. Das Kind in der Krippe wird später als erwachsener Mann auch die diskriminierenden Schranken der Geschlechter durchbrechen. Wir wissen: Er hatte nicht nur Jünger, sondern zählte auch Freundinnen zu seinem Jüngerkreis.

Es ist an uns jetzt und heute, die letzten Bastionen des Chauvinismus in unserer Gesellschaft zu beseitigen.

Es mag uns darin die etwas paradox anmutende Jahreslosung aus Mk 9,24 helfen:

„Ich glaube — hilf meinem Unglauben!“

Ihnen allen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2020

Ihr

Pfarrer Marvin Lange

Foto: Bischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann, © medio.tv/schauderna