Das Glaubensbekenntnis in max. 280-Zeichen

Von Sam Shearn

„Ich glaube an Gott“ heißt nicht an einem Übermann, sondern: ich vertraue, dass der Urgrund und die Quelle von dem Ganzen gut ist und das alles will. Oder: die Deutungstradition „Gott“ ist im Einklang mit und drückt gut aus, wovon ich am tiefsten überzeugt bin.

„an… den Vater“ heißt, dass ich Gott ruhig vorstellen darf – mit meiner allzumenschlichen Sprache – als wäre mein Verhältnis zu ihm wie eines Kindes zum gütigen treuen Elternteil. Das ist natürlich Wunschdenken, aber das ist nicht schlimm.

„an … den Allmächtigen“ heißt, dass ich meine Begrenztheit spüre und ahne, dass ich nichts tue, ohne, dass ich er- und getragen werde. Dass nichts geschieht ohne seine Ermöglichung. Dass ich vertraue, dass er auf verborgene, schier unverständlicher Weise Gutes daraus macht.

„an … den Schöpfer des Himmels und der Erde“ heißt, dass mein Staunen und Jauchzen über einzelne Erscheinungen der Natur – und ihre Gesamtheit – angemessene Reaktionen sind. Dass es gut ist, dass es Leben und die Welt gibt, statt nichts.

„Und an Jesus Christus“ heißt nicht ich stehe auf einen bestimmten Promi, sondern, dass sein Bild in den Evangelien mich berührt, imponiert, fasziniert, ruft. Dass ich mich einklinke in dem gemeinschaftlichen Wagnis, ihn als Vollendung aller Hoffnungen zu verstehen.

„an … seinen eingeborenen [besser: einzigartigen] Sohn“ heißt: So wie er ist, so soll ich mir volles Vertrauen in Gott vorstellen. Heißt, dass seine kontaktfreudige lebensspendende Mahlzeiten mit Außenseiterinnen Gottes Wille waren, mehr noch: Handeln Gottes waren.

„unsern Herrn“ heißt nicht spießbürgerlicher Spaßverderber sondern letzte Orientierung, mutmachender Anführer und der einzige, der das Recht hat, unsere Loyalität zu fordern.

„empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria” heißt, dass seine Ankunft nicht etwas ist, was wir Menschen von uns aus hätten einfädeln können. Und: dass er ganz Mensch war, abhängig von der Mühe und Trost einer Frau.

„gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes“ heißt, dass er unter den grausamen Rädern der Geschichte kam, das trostlose Ende der Milliarden erlebte und sich mit allen dort solidarisiert.

„am dritten Tage auferstanden von den Toten“ heißt nicht Wissen um einen damaligen Zaubertrick, sondern Gewissheit, „im Herzen“, dass ich es noch heute mit einem Lebendigen zu tun habe.

„aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“ heißt: er fehlt hier, aber ich soll mir nicht vorstellen, das wäre alles ein Fehler. Sein Einsatz war genug (er muss nicht mehr stehen), die Welt ist nicht verloren.

„von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“ heißt unser alle Leben wird auf absolut fairer Weise barmherzig-verständnisvoll verstanden und, mit Parteinahme für die Leidenden, widersprochen.

„Ich glaube an den Heiligen Geist“ heißt es gibt eine Erfahrung des Trostes und der Weisung, die mich noch heute an Jesus erinnert.

„die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen“ kann nur paradox verstanden werden, zusammen mit „Vergebung der Sünden“. Es gibt keine eigentliche Heiligen, sondern eine unsichtbare Verbundenheit der begnadeten, heilig gesprochenen.

„Auferstehung der Toten und das ewige Leben“ heißt, dass seine Beziehung zu mir nicht aufhört, wenn meine Beziehungsfähigkeit aufhört. Dass ich mit ganz verschiedenen satten Bildern auf abgewischten Tränen, Ruhe und Schönheit, Freundschaft und Party, hoffen darf.

„Amen“ heißt: so wäre es schön, ich hoffe das stimmt, ich lasse mich darauf ein, das wird schon irgendwie.