Kooperativ und mit Ausstrahlung

Synodale diskutierten über Zukunft der evangelischen Kirche 

Fulda – Über neue Perspektiven für die Weiterentwicklung der evangelischen Kirche tauschten sich am Samstag 72 Synodale aus den 27 Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises Fulda aus. Dass sich in den kommenden Jahrzehnten vieles verändern wird, steht fest. „Für die Zukunft unseres Kirchenkreises ist es wichtig, einen Beitrag zum gesamtkirchlichen Diskussionsprozess zu leisten,“ sagte der Vorsitzende der Synode, Andreas Maraun. Das digitale Treffen ermöglichte den Austausch der Synodalen zum laufenden Reformprozess der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Pröpstin Katrin Wienold-Hocke stellte Überlegungen zum Grundauftrag der Kirche vor. Auf die Frage: „Wozu ist die Kirche da?“ gab die Pröpstin eine eindeutige Antwort: Die Kommunikation des Evangeliums sei die erste und wichtigste Aufgabe der Kirche. Gelungene Kommunikation sei ein wechselseitiger Prozess, bei dem es nicht nur ums Verkündigen ginge, sondern zunächst einmal um das genaue Hinhören auf die Bedürfnisse der Menschen.

Die frohe Botschaft von der Liebe Gottes könne auf verschiedene Weise vermittelt werden. Direkt über Predigten aber auch indirekt über die Atmosphäre eines Kirchenraums. Kirche biete vielfältige Gemeinschaftserfahrungen, etwa in Jugendgruppen oder Seniorennachmittagen. Eine weitere Grundaufgabe sei auch die diakonische Arbeit als direkte Hilfe in schwierigen Lebenslagen. Entscheidend sei, dass die Grundaufgaben der Kirche weiter wahrgenommen würden, auch wenn einzelne Arbeitsbereiche wegfielen, sagte Pröpstin Wienold-Höcke. Dazu gehöre auch, die christliche Stimme in der Gesellschaft zu erheben.

„Wie müssen wir als Kirche in Zukunft arbeiten?“ Kooperation spiele hierbei die zentrale Rolle, sagte die Pröpstin. Zusammen gehe mehr als allein, das gelte für Kooperationsräume ebenso wie für die ökumenische Zusammenarbeit. Kirche könnte Kommunen, Vereine und Schulen als Kooperationspartner in den Blick nehmen. Der Kontakt zu Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren sollte intensiviert und die sozialraumorientierte Arbeit gefördert werden. Beim Blick auf die Nachhaltigkeit des eigenen Tuns sollten die Auswirkungen auf die nächste Generation bedacht werden. Künftige Veränderungen müssten Kooperation stärken, Kontaktflächen bieten, motivieren, Ausstrahlung fördern und nachhaltig sein.

Nach einer Diskussion in Kleingruppen formulierten die Fuldaer Synodalen eigene Wünsche und Anforderungen an den gesamtkirchlichen Prozess. Die Vorschläge reichten von der Bildung von multiprofessionellen Teams, der Zusammenlegung von Ressourcen auf landeskirchlicher Ebene bis hin zur Stärkung der Präsenz in der Öffentlichkeit. Bei allen Veränderungen sollte die Überforderung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden möglichst vermieden werden.  Neben visionären Gedanken nahmen die Synodalen auch die Wertschätzung des Vorhandenen in den Blick, wie etwa eine größere Würdigung der Kirchenmusik und die Präsenz und die Kontakte von Kirchengemeinden vor Ort.

Kirchenkreisamtsleiter Uwe Bornscheuer erklärte den Synodalen die Auswirkung der neuen Finanzverfassung, die ab 2022 gelte. Das Zuweisungssystem sei vereinfacht und verschlankt worden. Während die Grundzuweisung für den Kirchenkreis von ‪615.000‬ auf ‪674.000‬ Euro gestiegen sei, seien einige Gemeinden und Verbände von Kürzungen betroffen. Künftig sei der Kirchenkreis verpflichtet, einen Fond für Finanzhilfen zu errichten.