Vier Perspektiven auf den Text

Rückkehrer aus Exil
Gott, guckst du eigentlich manchmal zu uns runter?
Interessiert es dich überhaupt, was hier abgeht?
Sind wir es dir wert, dass du uns ansiehst?
Wo ist denn deine Liebe zu uns?
Sind wir denn in deinen Augen keine echten Deutschen?
Gott, du bist doch unser Vater!
Aber die Russen wollten nichts von uns. Sie haben unsere Großeltern von der Wolga vertrieben.
Und mit den Leuten in Kasachstan sind wir ja auch nicht zurecht gekommen.
Und die nicht mit uns.
Wir waren Fremde in dem Land, von dem sie sagten, es sei unseres.
Wo ist denn unsere Heimat?
Und jetzt sind wir schon so lange hier – im Land unserer Vorfahren.
So lange wohnen wir bereits hier in Deutschland.
Unserem Land! Unserer neuen alten Heimat.
Und immer noch sind wir nicht anerkannt.
Nicht so richtig.
Und wir merken immer mehr, wie wenig wir „passen“.
Die meisten in meiner Familie sind immer noch auffällig, weil sie einen leichten Akzent haben.
Na klar, wir sprechen doch auch Russisch!
Die meisten in meiner Familie wählen längst die AFD und haben keine Lust mehr auf das, was uns die Staats-Medien hier erzählen.
Wir vertrauen da echt eher auf Russia Today.

Warum hast du zugelassen, dass wir auf diesen Weg geraten sind?
Wende dich uns wieder zu!
Wir sind doch echte Deutsche, wir sind die Leute, die in dieses Land hier gehören.
Die dazu gehören!
Es waren doch nur wenige Generationen, die wir in fremden Landen gelebt haben.
Und dort waren wir zum Schluss nicht mehr als billige Arbeitskräfte.
Es ist oft immer noch so, als hätten wir keine Heimat.
Reiß doch den Himmel auf, komm herab, damit alle erkennen, dass wir dazugehören.

Wenn du sich so sehr für Toleranz einsetzt, Gott, wie die Kirchen behaupten, dann komm herab und sorge dafür, dass mit uns endlich so umgegangen wird, wie wir es verdienen.
Lass uns hier ganz normal beheimatet sein!
Ich will keine eigene russlanddeutsche Community sein.
Ich weiß gar nicht was das sein soll: Russlanddeutsch!
Ich bin Deutsche!
Du bist doch der Gott, der unvergleichlich ist und auf den schon unsere Vorfahren gehofft hatten.
Ich sehne mich nach der Zeit, in der das wirklich sein wird. Ich weiß, dass sie kommen wird, diese Zeit.
Ich danke dir, dass du mir die Kraft gibst, bis dahin durchzuhalten.

Impfskeptiker
Gott, guckst du eigentlich manchmal zu uns runter? Interessiert es dich überhaupt, was hier abgeht? Sind wir es dir wert, dass du uns ansiehst?
Wir, die wir grade erfahren, dass Nächstenliebe nur eine hohle Phrase ist? Wir, die wir nicht mit dem Strom schwimmen, weil wir Zweifel haben?
Wir, denen grade die Schuld für diesen Mist in die Schuhe geschoben wird?
Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt, dass einer meiner engsten Freunde zu mir sagt: „Ich will dich nicht dabeihaben. In meinem Wohnzimmer gilt 2G.“ Das tut unfassbar weh. Alleine sitze ich in meiner Wohnung, während meine Jungs zusammen nen Bier trinken. Und alles nur, wegen einer Spritze.
Am Anfang haben wir noch zusammen drüber geredet. Wir haben bestaunt, wie schnell eine Impfung entwickelt wurde, haben beobachtet, wie die Wirkung welches Stoffes eingeschätzt wird, haben überlegt, wann wer eine Impfung bekommen kann und ob diese wirklich so gut sei, oder ob sie nicht Nebenwirkungen haben könne, von denen keiner bisher etwas weiß. Einige hatten Zweifel, nicht nur ich. Doch dann haben die anderen es einfach machen lassen. Ich nicht. Weil ich nicht einfach über meine Zweifel hinweggehen möchte. Nur weil alle etwas machen, heißt es doch nicht, dass sie das nie bereuen werden. Niemand kann mir versichern, dass wir in zehn Jahren nicht dastehen und feststellen, dass die Impfung irgendwelche anderen Krankheiten befördert hat. Und dann?
Ich sage ja nicht nie. Nur jetzt bin ich noch nicht bereit. Ich kann meine Zweifel nicht einfach bei Seite schieben. Und deshalb werde ich ausgeschlossen, beleidigt und beschimpft.
Wie ist das für dich, Gott? Der du deinen Sohn geschickt hast, damit er den Menschen zeigt, wie sie ihren Nächsten mit Liebe behandeln sollen? Warum tust du nichts? Warum kannst du ihn nicht nochmal kommen lassen? Die Menschen hier müssen daran erinnert werden, dass jemand nicht so behandelt werden darf nur, weil er anders denkt.
Ich sehne mich nach der Zeit, in der dieser Albtraum vorbei sein wird. Ich weiß, dass sie kommen wird. Ich danke dir, dass du mir die Kraft gibst, bis dahin durchzuhalten.

Der letzte Gläubige
Gott, guckst du eigentlich manchmal zu uns runter? Interessiert es dich überhaupt, was hier abgeht? Sind wir es dir wert, dass du uns ansiehst?
Wo ist denn deine unvergleichliche Macht?
Ich spüre nichts davon, dass du uns liebst.
Unsere Kirche geht zu Grunde.
Die Menschen glauben doch überhaupt nicht mehr an dich.
Du bist doch unser Vater!
Die Atheisten hassen dich und den meisten anderen bist du völlig gleichgültig.
Aber du bist doch der Herr der Kirche, ja der ganzen Welt.
Bin ich denn der letzte Christ hier in der Stadt?

Warum hast du zugelassen, dass das so passiert?
Warum hast du uns so starrsinnig gemacht, dass die Kirchen heute meistens nur noch von außen angeschaut werden?
Warum denken alle: Dich gibt es nicht?
Warum denken alle: Gottesdienst ist öde und blöde?

Wende dich uns wieder zu!
Wir hier im Bonhoefferhaus und in der Johanneskirchengemeinde versuchen doch alles, dass es wieder aufwärtsgeht!
Und so viele andere Kirchen machen längst mit.

Ich weiß, dass wir nicht zurückschauen dürfen. Was vergangen ist, ist vergangen.
Aber eine Kirche nach der anderen wird dichtgemacht!
Es braucht sie doch kein Mensch mehr, wenn keiner mehr glaubt!
Es ist so, als gäbe es dich überhaupt nicht.
Als hätte es dich nie gegeben.
Als wärst du niemals unser Herrscher gewesen.
Als wären wir eben nicht dein Volk.
Zeig den Menschen doch einfach mal, dass du‘s gut mit uns meinst.

Lass deinen Heiligen Geist über unser Land niedergehen!
Erwecke die Menschen wieder, wo sie nichts anderes im Sinn haben als sich selbst und ihren kleinen Spaß.
Deine Feinde sollen vor Angst vergehen.
Die Völker sollen wieder erfahren, wer du bist!
Mach es doch endlich so, dass unsere kühnsten Erwartungen übertroffen werden.
Ich verzweifle daran, immer nur darauf zu vertrauen, was du vor 2000 Jahren getan hast.

Aber: gleichzeitig sehne ich mich nach der Zeit, in der dieser Unglaube vorbei sein wird.
Ich weiß, dass das kommen wird.
Und ich will dabei sein.
Ich danke dir, dass du mir die Kraft gibst, bis dahin weiter zu machen.

Krankenschwester
Gott, guckst du eigentlich manchmal zu uns runter? Interessiert es dich überhaupt, was hier abgeht? Sind wir es dir wert, dass du uns ansiehst? Wir, die wir entschieden haben in den Krankenhäusern für jedes Menschenleben zu kämpfen?
Wir, die wir unser Leben hingeben, um anderen zu helfen?
Gut war hier noch nie etwas, seit anderthalb Jahren ist es schlimm und jetzt befinde ich mich in einem Albtraum. Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich Menschen helfen wollte. Weil es sich gut anfühlte, für andere da zu sein, wenn sie einem am dringendsten brauchen.
Und jetzt? Jetzt stehe ich hier, völlig erschöpft und warte eigentlich nur darauf, dass jemand stirbt, weil ich einen Fehler mache. Oder, dass jemand stirbt, weil ich einfach keine Zeit hatte, mich um ihn zu kümmern. Zu der Erschöpfung ist die Wut gekommen. Ich weiß nicht, wie ich mit ihr umgehen soll; sie macht mich wahnsinnig. Letzte Woche konnte ich einem Unfallopfer kaum Aufmerksamkeit schenken, weil meine Station mit Coronapatienten voll liegt. Allesamt ungeimpft. Als mir ein Angehöriger sagte, seine Frau sei mit Impfung wahrscheinlich noch schlimmer erkrankt, bin ich ausgerastet. Ich habe ihn in Grund und Boden geschrien und bin dann weinend weggelaufen.
Ich erkenne mich nicht wieder. Ich bin so geworden, wie ich nie sein wollte. So wie die, von denen ich immer dachte: So möchte ich nie werden.
Ich will das was geschieht.
Was ist mit dir? Kannst du nichts ändern oder willst du nicht? Wenn du so groß bist, wie immer gesagt und gesungen wird, warum nimmst du dieses Scheiß-Virus dann nicht weg. Oder warum sorgst du nicht wenigstens dafür, dass sich jeder so eine Spritze in den Arm schieben lässt?
Ich sehne mich nach der Zeit, in der dieser Albtraum vorbei sein wird. Ich weiß, dass sie kommen wird. Ich danke dir, dass du mir die Kraft gibst, bis dahin durchzuhalten.

Kanzelsegen
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.