„Kirchliche Räume zu Schutzorten machen“

Synode des Evangelischen Kirchenkreises Fulda beschließt Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt und erweitert Stellenplan in der Kinder- und Jugendarbeit

Fulda – Auf den Weg zu einem Schutzkonzept gegen Sexualisierte Gewalt machte sich die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Fulda in ihrer gestrigen Tagung, die pandemiebedingt erneut digital stattfand. Sexuelle Übergriffe kämen auch in der evangelischen Kirche vor und hinterließen bei den Betroffenen lebenslange Spuren, sagte Pröpstin Katrin Wienold-Hocke, die sich in einer Videobotschaft an die Synodalen wandte. „Das geht nicht in unserer Kirche der Nächstenliebe!,“ so die Pröpstin. Auch die Worte des Beauftragten für den Schutz vor sexualisierter Gewalt der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck (EKKW), Pfarrer Dr. Thomas Zippert, ließen aufhorchen: Sexualisierte Gewalt sei das am stärksten wachsende Feld der Kriminalität und ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem sich auch die Kirche stellen müsse.

Sexualisierte Gewalt entstehe dort, wo es Beziehungen mit Machtgefälle gebe. Dass in der EKKW in den letzten 40 Jahren nur 40 Fälle bekannt geworden seien, sei kein Grund zur Beruhigung, denn Studien ließen die Vermutung zu, dass zahlreiche Taten nicht zur Anzeige gebracht worden seien. „Es ist wichtig, dass wir den Betroffenen glauben,“ so Zippert. Ziel müsse sein, kirchliche Räume zu Schutzorten zu machen. Mit Schulungen für kirchliche Mitarbeitende und der Errichtung einer unabhängigen Unterstützungskommission sei die Landeskirche bereits wichtige Schritte gegangen. Nun gelte es, Schutzkonzepte auch auf der Ebene des Kirchenkreises und der Gemeinden zu etablieren. Die Synodalen beschlossen, die entsprechende Verordnung zunächst in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie der Kirchenmusik umzusetzen. Dazu wird eine Projektgruppe eingesetzt, die eine Bestandsaufnahme und eine Risikoanalyse durchführen und die Verhaltensregeln anpassen soll. Das Thema Schutz vor Sexualisierter Gewalt werde in der nächsten Kreissynode erneut auf die Tagesordnung gesetzt, kündigte Präses Andreas Maraun an.

Kirchenkreis schafft weitere Stelle in der Kinder- und Jugendarbeit

Kreisjugendpfarrer Maximilian Weber-Weigelt stellte den Synodalen einen Antrag zur Erweiterung des Stellenplans in der Kinder- und Jugendarbeit vor. Zusätzlich zu den bereits vorhanden drei vollen Stellen solle künftig auch die Stelle für Kinder- und Jugendarbeit an der Kreuzkirche in die Jugendarbeit des Kirchenkreises übernommen und fortgeführt werden. Die Kreuzkirchengemeinde finanziert künftig nur noch 50 Prozent der von ihr 2018 geschaffenen und bisher durch Fundraising finanzierten Stelle. In ganz Kurhessen-Waldeck gäbe es keine weitere Gemeinde, in der eine komplette Stelle allein über Spenden finanziert wurde, lobte Pröpstin Sabine Kropf-Brandau das Engagement der Gemeinde. Weber-Weigelt sprach von einem Leuchtturmprojekt für den Kirchenkreis und überzeugte mit dieser Sicht schließlich die Mehrheit der Synodalen, die nach längerer Debatte dem Antrag in geänderter Form zustimmte.

Finanzen des Diakonischen Werks Anlass zur Sorge

Die stellvertretende Leiterin des Kirchenkreisamts Fulda, Claudia Schröder, stellte die Jahresabschlüsse von 2017 bis 2020 vor, die durch das Amt für Revision geprüft worden waren. Die Kreissynode beschloss einstimmig die Feststellung der Bilanzergebnisse. Thomas Bräll vom Finanzreferat der EKKW stellte den Synodalen den vorläufigen Jahresabschluss für das Jahr 2021 vor. Ein Minus in Höhe von knapp 250.000 Euro im Bereich des Diakonischen Werks müsse analysiert werden, sagte Bräll. In seinem Bericht an die Synode sprach Dekan Bengt Seeberg von einer besorgniserregenden Bilanz. „Hier müssen wir gegensteuern,“ sagte der Dekan.

Pfarrer Dr. Thomas Zippert, Koordinator der EKKW zum Thema sexualisierte Gewalt, stellte gestern auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Fulda die nächsten Schritte zur Prävention von sexualisierter Gewalt vor. (Foto: Medio/Schauderna)

Claudia Pfannemüller

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