„Ein feste Burg“ als Schutz vor Gewalt und Krieg 

„Lieder gegen die Angst spielen in unserem Glauben eine wichtige Rolle,“ fuhr die Bischöfin fort. Dazu gehörten die Lieder Paul Gerhardts ebenso, wie amerikanische Spirituals. Das Singen dieser Lieder sei nicht als Flucht vor der Welt zu verstehen, sondern als Hilfe, „um die unheile Welt auszuhalten und das tägliche Leben zu bewältigen.“ Die „feste Burg“ aus dem Reformationslied sei ein Bild Luthers für eine konkrete Schutzerfahrung. Hofmann berichtete von Kirchenburgen in Rumänien, die sie unlängst auf einer Reise zur Partnerkirche der EKKW, der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses, besucht hatte. Dort seien heute zum Teil Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht: „Offene Häuser, die Menschen einladen und die ausstrahlen in die Gemeinschaft.“  

Auch in Fulda gebe es kirchliche Räume, die für Menschen in Not offenstehen. „Vielleicht wird die Landesgartenschau im nächsten Jahr eine Gelegenheit, Menschen so einen Ausstrahlungsort zu bieten, nicht in einer Burg, sondern draußen, in der Natur, zwischen Blumen und Bäumen.“ In diesem Winter gelte es sehr genau zu überlegen, wo Kirchen zu Zufluchtsorten werden können und welche Räume nicht mehr beheizt werden sollten. Die Entscheidung, sich möglicherweise auch von Gebäuden zu trennen, falle schwer und erfordere „Mut und Zuversicht, dass Gott an vielen Orten zu finden ist.“ Der Reformationstag erinnere daran, dass Gott mitgehe in Zeiten der Not und Krise. Darum könne manches Vertraute verändert werden, wenn die Zeiten es erfordern, gab die Bischöfin zu bedenken. 

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kooperationsraums Fulda-Mitte sorgten im Festgottesdienst für die Liturgie. Die sieben evangelischen Kirchengemeinden aus Fulda, Petersberg, Künzell, Bad Salzschlirf und Großenlüder setzten damit ihre Tradition fort und luden am Reformationstag gemeinsam zum Gottesdienst ein. Musikalisch wurde der Gottesdienst gestaltet von der Kantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Schneidewind und dem Posaunenchor unter der Leitung von Joachim Enders.