Veranstaltung „Von Verschwörungsmythen und Judenhass“ fällt aus!

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Anschlags in Halle kann Michael Blume leider NICHT zu dem Vortrag kommen, sondern hat abgesagt. Die Sicherheit der jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg ist wichtiger als ein Vortrag im Bonhoeffer-Haus! Er hat mir versprochen, den Vortrag zu gegebener Zeit nachzuholen. Ich wünsche Michael Blume viel Kraft bei der Bewältigung dieser Aufgabe!

Mit freundlichen Grüßen,

Pfarrer Marvin Lange

Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg referiert im Bonhoefferhaus Fulda am 15. Oktober 2019 um 19.30 Uhr

Am Dienstag, dem 15. Oktober 2019 um 19.30 Uhr, kommt ein hochkarätiger Gast ins Bonhoefferhaus Fulda in der Goerdelerstraße 34. Der Beauftragte der Landesregierung des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume, wird dort in einem Vortrag über Verschwörungsmythen in den neuen Medien referieren. Anhand seines gerade erschienenen Buches „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern“ zeigt Blume, von Hause aus Religionswissenschaftler, inwieweit fast alle Verschwörungsmythen als Kern den Antisemitismus in sich tragen.

Blume war international bekannt geworden als Retter von 1100 Frauen und Mädchen jesidischen Glaubens, die er im Rahmen des „Sonderkontingents Irak“ im Jahr 2016 mit seinem Stab vor den Terroristen des IS nach Deutschland in Sicherheit brachte. In seiner Freizeit schreibt er wissenschaftliche Bücher, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Der Vortrag ist kostenlos. Im Anschluss an den Vortag stellt sich Blume den Fragen des Publikums. Ein Büchertisch ist vorhanden.

Bibel aktuell: Zieh deine Schuhe aus!

Manchen ist das ja ein bisschen unangenehm, wenn sie zu Besuch kommen und die Schuhe ausziehen sollen. Aber natürlich machen sie´s dann. Genauso wie Mose in der Bibel. Der begegnet Gott in einem brennenden Dornbusch in der Wüste. Und als Mose auf den Dornbusch zugeht, sagt Gott zu ihm: “Zieh deine Schuhe aus!” Warum ist das in diesem Moment so wichtig, Pfarrer Marvin Lange aus Fulda.


Gesprochen von: Pfr. Marvin Lange

Meditationskurs mit Dr.med. Gerd Stern

Meditation –  Die verwandelnde Kraft der Stille Warum Mediation?Im Meditieren kann mehr wirksam werden als der eigene Geist. Manchmal ist es notwendig, mit einer äußeren Änderung auf ein unbehagliches, unbestimmtes Gefühl zu antworten. Man fühlt sich festgefahren und unlebendig und hat den Eindruck, in der täglichen Routine zu versinken. Dann gilt es, nach innen zu schauen. In einer Welt, die uns das „immer höher, immer schneller, immer besser“ einredet, gehen Menschen in der Meditation tiefer statt höher, werden langsamer statt schneller und anstatt sich zu verbessern, geschieht Verwandlung. Durch Meditation kann ein sensibler Umgang mit dem Körper und den Gefühlen sowie mit der umgebenden Welt und den Mitmenschen eingeübt werden. Weiterlesen

16. Sonntag nach Trinitatis 2018: Eine frühchristliche Legende (zu Apg 12,1-11)

Von Pfarrer Marvin Lange, Fulda

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

TXT:

1 Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln.

2 Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.

3 Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote.

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Große ökumenische Geste der Lehnerzer Pfarrgemeinde

Ökumenische Kirchenglocke

Erst konnte ich es selbst gar nicht glauben, als mich Pfarrer Msgr. Dr. Günter Etzel anrief, um mich zu fragen, ob das Bonhoefferhaus nicht eine Glocke bräuchte. Sie hätten die alte Lehnerzer Kirchenglocke von 1875 übrig. Der Kirchenvorstand der Bonhoeffer- Kirchengemeinde zögerte nicht lange: sehr schnell gab er grünes Licht, dieses Geschenk anzunehmen. Doch die Pfarrgemeinde Lehnerz legte sogar noch einmal nach: Um einen Glockenstuhl oder Glockenturm anzuschaffen, spendete sie neben der Kirchenglocke gleich noch 1000,- € als Anschubfinanzierung.

Wir wissen diese ökumenische Geste im Jahr der Reformation sehr zu schätzen und freuen uns ganz außerordentlich, was heutzutage zwischen den Konfessionen möglich ist.

Reformation jetzt! (Jes 62,6+7)

Von Pfr. Marvin Lange

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!
    Amen.

Einer der Predigttexte für das Reformationsfest steht im Jesaja-Buch im 62. Kapitel, die Verse 6-7+10-12.

Dort heißt es:
6 O Jerusalem, ich habe  Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen,
7 laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden!
10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg!  Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!
11 Siehe, der HERR läßt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der  Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!  Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!
12 Man wird sie nennen »Heiliges Volk«,  »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.


1.    Das wahre Zeitalter der Reformation ist jetzt
Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer großartigen Zeit in diesem Land. Mehr als 70 Jahre kein Krieg auf unserem Boden, ein Vierteljahrhundert Deutschland geeint. Die Wirtschaft brummt nach wie vor. Trotz Euro- und Finanzkrise. Trotz Flüchtlingsströmen und zunehmenden politischen Verwerfungen.

Die Lebensqualität befindet sich auf einem unglaublich hohen Niveau. Ein Land, in dem heute eine Religionsfreiheit herrscht wie niemals zuvor. Ein Land, in dem die wahre Reformation im Religiösen jetzt gerade stattfindet. Das echte Zeitalter der Reformation war nicht zur Zeit Martin Luthers und seiner Nachfolger. 

Das Zeitalter echter Reformation hat jetzt, in den letzten 50 Jahren, begonnen. Denn: Als Luther und seine Mitstreiter berechtigte Kritik an den Zuständen der Kirche übten, waren die Bedingungen für die Durchsetzung dieses Gedankengutes lange nicht reif:
Keine Freiheit in Glaubensdingen. Keine Freiheit der Religion, sondern nach längerem Ringen und Kriegen das damals als Fortschritt empfundene 
„cuius regio, eius religio“. Wem das Land gehört, dessen Religion wird in diesem Land praktiziert – wer anderes glaubt, wer der anderen Konfession angehört, dem wird gerade einmal das Recht eingeräumt auszuwandern.

Unvorstellbar heute. 
Oder noch vor hundert Jahren die Schüler und Soldaten, die zum Gottesdienst beordert wurden, ob sie wollten oder nicht. 

Wir leben im wahren Zeitalter der Reformation, weil wir heute tatsächlich die Freiheit des Gewissens haben, die die damaligen bloß postulierten, ohne wissen zu können, 
wie es ist, wirklich frei in Glaubensdingen zu sein.

Wir leben im wahren Zeitalter der Reformation, weil endlich der äußere Druck genommen ist, sich überhaupt einer oder der anderen Religion anzuschließen.
Religion ist etwas rein Freiwilliges geworden, etwas, das tatsächlich nur den Einzelnen und sein Gewissen betrifft. Etwas, das nicht vorgeschrieben wird.

Manche mögen nun unken, dass dieses mein gerade so gepriesenes wahres Zeitalter der Reformation nichts weiter ist als das Zeitalter des Relativismus, 
in der alles dem postmodernen Belieben und der Option unterworfen wird – 
ich halte dagegen, dass dies genau der Boden ist, auf dem echter Glaube, wahres Christentum gedeihen kann, ohne dass sich irgendjemand beugen oder verbiegen muss.

Die Aufforderung des Schreibers des Jesajabuches, aus unserem Predigttext, durch die Tore hineinzugehen, durch die Tore Jerusalems und des neu erbauten Tempels: 
Diese Aufforderung schließt zumindest heute die Freiheit mit ein, sich auch dagegen zu entscheiden. Und dann eben nicht die Tore hoch zu machen, wie es im berühmtesten aller Adventslieder heißt. Und dann auch das Angebot, das Gott bereithält, beiseite zu wischen und für sich zu entscheiden: Das ist nicht mein Weg, den der Prophet vorschlägt.

Ich behaupte: 
Dies ist die Chance für die evangelische Kirche. Dies ist die Chance für die weltweite Kirche Jesu Christi, ihr Angebot von der Rechtfertigung des Gottlosen in die Welt hinein zu rufen. 
Keine Vorteilsnahme durch einen Landesherrn, der bestimmt, dass die Kirchen voll zu sein haben. 
Kein – oder zumindest kaum noch; hier im Fuldaer Land höre ich aus den Familien manchmal noch anderes  – eigentlich kein Druck innerhalb der Familien, etwa mindestens eine Person pro Sonntag abzustellen, der in den Gottesdienst zu gehen hat. 

Diese Zeiten sind gottlob vorbei, wenn auch der Islam zur Zeit der neue Boden für Unmündigkeit und Bevormundung ist, und zwar durch die Bank, von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen. 

Für uns Christen sind diese Zeiten vorbei. Jetzt hat sich das Wort Gottes selber durchzusetzen, das von denen, die mit ihm leben, kommuniziert werden muss. 
Und es ist die Chance so groß wie nie, weil wir allesamt davon ausgehen können, dass diejenigen, die dabei sind, die sich haben taufen lassen und konfirmieren und Kirchenmitglieder sind und bleiben, dass die das wollen und die Botschaft von Jesus für alle Welt gern und aus freien Stücken hören, in Zeiten, wo einem am Arbeitsplatz, wie mir kürzlich berichtet wurde, um die Ohren gehauen wird: „Bist Du etwa noch nicht ausgetreten?“
Oder bei einer Taufe neulich, wo sich kein Pate mehr finden ließ, weil alle Freunde und Verwandte ihre Kirchensteuern lieber sparen wollten.

Das Wort Gottes selber ist es, das sich jetzt durchsetzen muss. Und es sind wir Christinnen und Christen, die es immer wieder und wieder auszurichten haben. 
Als Kommunikatoren des Evangeliums. Als diejenigen, die durch die Tore eingehen, die Tore, die Gott uns geöffnet hat.

Die Prophezeiung des Propheten Jesaja liest sich dabei wie ein Reformprogramm für unser jetziges, m.E. so reformatorisch durchsetztes Zeitalter:

2.    Primäre und sekundäre Religionserfahrungen: „Bereitet dem Volk den Weg!“
„Bereitet dem Volk den Weg“, ruft Jesaja uns zu. 
Dass damals die israelitischen Heimkehrer aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem gemeint waren, hält uns heutige nicht davon ab, darauf zu schauen, was für uns, und damit meine ich in reformatorischer Absicht uns Christinnen und Christen, was also für uns die richtige Wegbereitung für das „Volk“ ist: für unsere Kirche, für unser Land, und für die Welt.

Ja sicher, die Kirchen der Reformation haben es schwer. Es sind nicht die sogenannten primären religiösen Erfahrungen, mit denen wir punkten können. 
Die Unmittelbarkeit des Religiösen im Gottesdienst und im Glaubensvollzug haben wir mit intellektueller Redlichkeit mehr und mehr verbannt: Keine Heiligenverehrung, keine Erfahrung mit allen Sinnen, wie etwa mit Weihrauch, bunter Kleidung, Prozessionen und Wallfahrten. Nicht einmal herausgehobene Ämter mit verschiedenen Weihegraden und bestimmenden Lebensregeln.  

Stattdessen allein das Wort und die Vernunft, der Intellekt und die an Jesus Christus orientierte Auslegung der Bibel. 

„Sekundäre Religionserfahrung“ nennen das die Theologen und Religionswissenschaftler, wenn eine Religion so kühl und verkopft daherkommt, wie zumeist der Protestantismus. 
In den letzten Jahrzehnten hat zum Glück ja wieder eine Hinwendung zum Menschen und zum Gefühlsleben stattgefunden. Es ist die Erkenntnis dabei leitend, dass es vor allem „primäre“, also unmittelbare Religionserfahrungen sind, die distanzierte Menschen ansprechen, ja brauchen, um überhaupt zu verstehen, was Glauben sein kann. Und so erlebt die Kirche zurzeit etwa eine Renaissance von Segnungsgottesdiensten, eine Zunahme der Abendmahlsfrömmigkeit, einen recht guten Zulauf bei Gottesdiensten, die persönlichen Bezug haben, also etwa Taufen, Konfirmationen oder den großen kirchlichen Events, man denke etwa an den Kirchentag. 
Glaube und Religion wird von vielen nur noch wahrgenommen im Erleben – 
oder es wird von vielen gar nicht mehr wahrgenommen. 

Was Martin Luther meinte mit seinem derben „Dem Volk aufs Maul schauen“, das gilt für uns heutige genauso wie 1517 in Wittenberg. Und es gilt mitnichten nur für Pfarrer: Kommunikatoren des Evangeliums sind alle Christinnen und Christen. Jeder ist dem Nächsten Priester, hat Luther in Anlehnung an den Hebräerbrief immer wieder und zurecht betont.

„Bereitet dem Volk den Weg“ heißt dann für uns: Wenn wir als evangelische Kirche überhaupt relevant in unserer säkularen Gesellschaft sein wollen, wenn man uns überhaupt noch verstehen soll, sollten wir auf diejenigen, die das Christentum noch nicht für sich entdecken konnten, offener, freundlicher, aber auch viel kräftiger werbend zugehen als wir es bislang getan haben. Denn tun wir das nicht, dann merkt das sogenannte Volk auch nicht, dass wir eine Botschaft haben, die für sie von Höchsten Interesse sein könnte: Immerhin die Verheißung von Ewigem Leben, Gemeinschaft mit Gott, Befreiung aus er Selbstverfangenheit, Gottvergessenheit und Angst.


3.    Bedingungen schaffen für die Kirche von heute
„Macht Bahn, macht Bahn“, ruft Jesaja uns zu. Sehr viel hübscher – und etwas dichter am hebräischen Wortlaut dran – ist eine englische Übersetzung dieser Stelle: 
„Build up the highway“, heißt es in einer englischen Übersetzung. „Schüttet den Highway, die Schnellstraße, auf.” Bei uns Deutschen kommen noch einmal ganz andere Assoziationen bei dem Wort Highway als bei der lutherischen „Bahn“ oder schlichten „Straße“. Gemeint ist dann auch in der Tat bei Jesaja das persische (Schnell-) Straßennetz, das erste wirklich funktionierende und durchdachte Straßennetz in der Geschichte der Menschheit, lange vor den Römern. 

Ohne Bereitstellung von Highways ist kein Handel und kein Austausch möglich. Ohne das planmäßige Anlegen dieser vielleicht wichtigsten Infrastruktur für größere Länder fallen diese irgendwann einfach in sich zusammen oder auseinander, da keine Zentralgewalt Einfluss auf die entlegeneren Gebiete hat. 

Für uns reformatorische Christinnen und Christen bedeutet das: Baut weiter an der Infrastruktur, lasst sie nicht verkommen! Baut weiter an einer Infrastruktur, die der Kommunikation des Evangeliums dient. Oder wenn schon nicht überall die Zahlen und Mittel es hergeben, Kirchen und Gemeindezentren weiter zu entwickeln (wie es nur noch selten vorkommt), so baut doch weiter an der vorhandenen Infrastruktur, 
dass unsere Räumlichkeiten nicht als Museum, sondern als lebendiger Ort der Gottesbegegnung wahrgenommen werden können. 
Es sind die vielen Kirchen und es sind die Gemeinderäume, die unsere Kirche dringend braucht und erhalten sollte – im Gegensatz übrigens zum Pfarrhaus, das seinen Zenit als Mittelpunkt evangelischen Frömmigkeitslebens längst überschritten hat.

Für uns reformatorische Christinnen und Christen bedeutet diese Aufforderung zur „Aufschüttung des Highways“ genauso, dass unsere innere, spirituelle und religiöse Infrastruktur stets der Überprüfung bedarf: 
Bin ich selbst überhaupt ausgerüstet, um den Anforderungen der Zeit mit meinem Glauben begegnen zu können? Oder ist mein Gottesbild, was ich in meinem Herzen trage, dermaßen in die Jahre gekommen, dass ich eigentlich keine Kraft mehr daraus ziehe, sondern mehr Kraft hineinlegen muss, um dieses – irgendwie götzendienerisch – am Leben zu erhalten? Die Vorstellung, wie Gott sein könnte, ändert sich doch über ein Menschenleben. Den Gott aus Kindheitstagen festhalten zu wollen ist mindestens genauso verfehlt wie nicht zugeben zu können, dass die Haltung zur Politik über die Jahre eine andere geworden ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die religiöse Infrastruktur des Herzens ist nicht damit angegangen, indem man sich Kirchensteuern einziehen lässt. Sie lebt davon, be- und genutzt zu werden. Und sie lebt vom Weitersagen: An Kinder und Enkel, dem Lebens- oder Ehepartner. Auch an Freunde und Arbeitskollegen, die den Glauben vergessen haben oder die einer anderen Religion angehören.

4.    Ballast entrümpeln
„Räumt die Steine weg!“ mahnt Jesaja seine Israeliten. „Entrümpelt endlich den ganzen Ballast, den ihr mitschleppt, ohne wirklich der Kommunikation des Evangeliums zu dienen.“ Und wenn ich das so plakativ sage, dann weiß ich freilich, dass dies kein generalstabsmäßiges Kommando sein kann. Denn was die Kommunikation des Evangeliums verhindert statt fördert, das muss jede Gemeinde freilich für sich entscheiden!
Eine solche Entrümpelung muss von Gemeinde zu Gemeinde, von Ort zu Ort, ganz unterschiedlich ausfallen, da die Gepflogenheiten und Notwendigkeiten einfach unterschiedlich sind. Hünfeld ist nicht meine Bonhoeffer-Gemeinde in Fulda ist nicht Mansbach ist nicht Burghaun!

Eine solche Entrümpelung muss sich in dieser heutigen relativen und reformatorischen Zeit sehr viel mehr gabenorientiert darstellen als das in früheren Zeiten der Fall war. Die Zersplitterung und Pluralisierung der Gesellschaft macht vor den Gemeinden nicht halt, und dann ist es gut, in der Fläche, wie hier im Kirchenkreis Fulda, verschiedene Angebote für unterschiedliche Interessen vorhalten zu können. 

Was wollen und können die Christinnen und Christen vor Ort zur Kommunikation des Evangeliums beitragen? Und was lassen sie bleiben?
Solcher Art werden mehr und mehr die Fragen sein, nach der Kirchengemeinden sich ausrichten werden müssen. Ich stelle mir gemeinsam mit dem Münsteraner Theologen Prof.  Grethlein die Frage, ob das Vereinschristentum, wie wir es meist in der Fläche noch pflegen, nicht bald ausgedient haben wird zugunsten vieler anderer, 
durchaus reformatorischer  Formen der Kommunikation des Evangeliums, die von den Gläubigen für die Gläubigen je sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass dieser Prozess längst begonnen hat und wir Christinnen und Christen uns dabei nicht selbst im Weg stehen sollten. 
Lasst uns die Steine wegräumen und den Highway hochziehen, ihn breit machen, dass die Kommunikation des Evangeliums gelinge! 

Das Zeichen dafür, das wir aufrichten sollen, wie es Jesaja damals seinen Israeliten mit auf den Weg gab, ist für die Christenheit freilich das Kreuz. Indem wir darauf schauen und glauben, können wir mühelos die Infrastruktur unserer Kirchen – sowohl der Gebäude wie auch im Herzen – immer neu reformieren.

5.    Christen: Erlöste des Herrn. Heiliges Volk 
Jesaja spart nicht mit schönen Worten zum Ende seiner Verheißung in unserem Predigttext. Diejenigen, die das erleben, werden „Heiliges Volk“ genannt, „Erlöste des Herrn“. Sei es nun, dass die frühe Christenheit diese Begrifflichkeiten einfach auf sich selbst bezogen hat oder aber die Prophezeiung Jesajas in Jesus Christus aufgegangen ist. Es sei wie es will: Wir Christinnen und Christen sind mit den Juden das Heilige Volk, die Erlösten des Herrn.

Manchmal, da merkt man davon bei uns wenig. Zu wenig! Schau ich mir etwa die Gesichter beim Heiligen Abendmahl an, dann frage ich mich manchmal, 
was Gott uns denn eigentlich noch anbieten muss, damit wir weniger sauertöpfisch drein schauen. Reicht uns denn die Gemeinschaft mit Jesus, Ewiges Leben, die Liebe Gottes und seine unbedingte Anerkennung nicht aus, um frohen Mutes am Heiligen Mahl teilzunehmen? 

Wir Gläubigen dürfen wesentlich fröhlicher in den Tag hineingehen, denn wir haben als „Erlöste des Herrn“ allen Grund, stets positiv in die Zukunft zu blicken: 
Es ist schließlich Gottes Zukunft mit uns, in die wir gehen.

Und am Ende, liebe Schwestern und Brüder, am Ende ist auch die Reformation unsere Kirche, die heute so greifbar ist wie nie zuvor, eine Sache unseres guten und gnädigen Gottes, der das Haupt der Kirche ist und bleibt in alle Ewigkeit.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.
Amen!

LIED NACH DER PREDIGT:  EG 320,1-3+6-8: NUN LASST UNS GOTT DEM HERREN DANK SAGEN UND IHN EHREN

Osterpredigt 2016 zu 1. Kor 15,1-11: Auferstehungstheorien

Von Pfarrer Marvin Lange

Der Herr ist Auferstanden. Halleluja!
Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

1.    Osterwitz
Josef von Arimathäa kommt am Karfreitag spät am Abend zu seiner Frau heim. Sie stellt sie ihn zur Rede: „Wo warst Du die ganze Zeit?“ 
Josef sagt: „Stell Dir vor, die Römer haben heute Jesus am Kreuz hingerichtet. Er hatte keine Bestattungsvorsorge und da habe ich ihn in unser neues Familiengrab gelegt…“ 
Seine Frau dreht durch: „Josef, wie konntest du nur? Jesus, der den ganzen Tag vom Reich Gottes geredet hat anstelle zu arbeiten! Diesen Schnorrer, Säufer und Fresser, der sich mit Zöllnern und Huren zu Tisch gelegt hat? Du hast ja wohl nicht mehr alle Schriftrollen im Regal! Wo sollen wir jetzt hin, wenn wir tot sind?“ Josef unterbricht sie: „Frau, mach dir keine Sorgen, ist doch nur für`s Wochenende.“


2.    Predigttext 1 Kor 15,1-11
1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, daß ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Daß Christus gestorben ist für unsre Sünden  nach der Schrift;
4 und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage  nach der Schrift;
5 und daß er  gesehen worden ist von Kephas,  danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach  von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er  auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn  ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße,  weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber  durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

3.    Heutiger Osterglaube
Ostern ist gemeinsam mit dem Karfreitag das entscheidende Fest der Kirche. Während der Karfreitag für das Kreuz und das Ungenügen des Menschen gegenüber Gott in den Mittelpunkt rückt – und die damit verbundene Gottverlassenheit Jesu, die Tilgung der Sünde, das letzte und einmalige Opfer – ist Ostern die Bestätigung der Lebendigkeit des Gekreuzigten.
Auferstehung von den Toten. Jesus hat es vorgemacht. Und wir dürfen ihm folgen.
Soweit die Theologie dieses Feiertagskomplexes in aller Kürze.

Traut man Umfragen über den Auferstehungsglauben, so halten noch 35% der Evangelischen in Deutschland die Auferstehung für wahr. Dass es „irgendwie nach dem Tod weitergeht“, akzeptieren ein paar Menschen mehr – aber die Auferstehung von den Toten, wie es das Neue Testament überliefert, hält die gewaltige Mehrheit für Unsinn oder doch für sehr unwahrscheinlich.
Ich habe daraufhin einen Kollegen gefragt, wie man mit diesem Befund umgehen sollte, was man also Ostern predigen kann, wenn nur jeder Dritte, das, was man da erzählt, noch nachvollziehen kann.
„Ganz einfach“, ermutigte mich der Kollege. „Bei der Auferstehung und dem griechischen Wort „egertä“ geht es um das Aufstehen, das Feststehen, das hochgehoben werden, das von Gott getragen sein. Nicht aus der schwachen Liegeposition das Leben meistern, sondern im Stehen, mit Blick in die Zukunft. Das ist ein gutes Bild für die Auferstehung, das die Leute verstehen.“ 
Ich habe mich bei ihm freundlich für den Hinweis bedankt, glaube aber nicht, dass das irgendjemanden dazu bringt, die Auferstehung als eine Wahrheit für das eigene Leben anzunehmen. 
Auferstehung – das ist so unglaublich viel mehr, das ist die Konstante des Christentums, an der tatsächlich alles hängt.
Ohne den Glauben an die Auferstehung, so der Apostel Paulus etwas später im ersten Korintherbrief, ohne Glauben an die Auferstehung „sind wir die elendsten unter allen Menschen“.
Heute morgen, zu Ostern, will ich euch mitnehmen in die Theologie, um euch schmackhaft zu machen, was zwei Dritteln unseres Volkes verloren gegangen ist. Dass wir am Ende aufstehen und in die Welt hinaus geschickt werden, um den freimachenden Glauben an die Auferweckung anderen zu erzählen, ist dabei eine Binsenweisheit, die sich von selbst versteht. 
Schauen wir dabei zuerst auf unsren Namensgeber: Dietrich Bonhoeffer.

4.    Der Glaube an die Auferstehung bei Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge!
Für Dietrich Bonhoeffer ist ganz klar gewesen: Die Auferstehung Jesu Christi ist ein historisches Ereignis gewesen. Sehr ungewöhnlich, aber dennoch historisch. Das heißt: So wie wir zuverlässige Texte darüber haben, dass Caesar den Rubikon überschritten hat, so haben wir eben auch zuverlässige Texte darüber, dass Jesus auferstanden ist. Der Brief des Paulus an die Korinther bietet (übrigens auch laut Meinung aller mir bekannten Theologen) den ältesten Bericht von den Sichtungen des Auferstandenen Christus. 
Er sei gesehen worden erst von Kephas (das ist der, den man dann später Petrus genannt hat), dann von den 12 Jüngern, also dem engsten Jüngerkreis. Danach mehr als 500 Brüdern – ich ergänze: Sicherlich waren auch ziemlich viele Schwestern anwesend – auf einmal. Und um das Maß voll zu machen: Als Paulus das schrieb, lebten einige noch, die davon berichten konnten. Jakobus hat ihn noch gesehen, und schließlich alle Apostel, auch Paulus selbst „als einer unzeitigen Geburt“. 
Für Bonhoeffer ist das alles recht einfach, wenn man seinen Ausführungen in der Schrift Sanctorum Communio folgt: Aus der Auferweckung Jesu folgt die Auferweckung für alle Christen. Diese eigene Auferweckung führt dazu, dass jeder Christ in die Nachfolge Jesu gerufen ist und als Teil der weltumfangenden Kirche Jesu Christi Gemeinschaft untereinander pflegt und ein Leben in Nächstenliebe führt. In der Hinwendung zum Nächsten erfahren wir dann eine Transzendenz, die die wahre Gottebenbildlichkeit des Menschen zum Ausdruck bringt. Für Bonhoeffer ist die Bedeutung der Auferstehung heute und für uns also eine Auferstehung in die Nachfolge.

5.    Gerd Lüdemann: Alles Unsinn!
Sehr anders geht der Wissenschaftler Gerd Lüdemann von der Universität Göttingen an die Frage nach der Auferweckung. Für ihn steht fest: Eine historische, eine wissenschaftlich fundierte Aussage über die Auferweckung Jesu von den Toten kann es nicht geben. Er unterzieht den Auferstehungserzählungen einer radikalen historischen Kritik.
Sie ist eine Glaubenssache, die für einen vernünftigen Menschen absurd ist.
Die Texte, die wir haben, sind allesamt sehr viel später aufgeschrieben worden, das Interesse der Autoren zielt in die Richtung, Jesus als den Messias darzustellen. In Wirklichkeit wissen wir nichts über ein Grab von Jesus, vielleicht ist er auch einfach irgendwo verwest. Vielleicht wurde sein Leib tatsächlich gestohlen, wie es bereits im Matthäusevangelium als eine bewusst in die Welt gesetzte Lügengeschichte berichtet wird. Vielleicht hatten Menschen tatsächlich Visionen des Auferweckten gehabt, vielleicht sogar 500 auf einmal – aber wir alle wissen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Ein moderner Mensch kann nicht an die Auferweckung glauben, wenn er sich dem wissenschaftlichen Weltbild verpflichtet fühlt. „Das Grab Jesu war nicht leer, sondern voll, und sein Leichnam ist nicht entwichen, sondern verwest.“ 

6.    Wolfhart Pannenberg: Singularität!
Ein anderer Theologe, Wolfhart Pannenberg, ist anderer Ansicht: Aus wissenschaftlicher Sicht haben wir es bei der Auferstehung mit einer sogenannten Singularität zu tun. Nach unserem Kenntnisstand ist bislang noch niemand von den Toten auf die Art und Weise zurückgekehrt, wie es Jesus laut biblischen Zeugnis getan hat. 
Die Berichte des Neuen Testamentes sind für Pannenberg alles andere als unglaubwürdig, in den Evangelien mag manch legendenhafte Ausschmückung hinzu gekommen sein, aber zumindest die Paulusbriefe bieten ein breites Fundament dafür, dass der Glaube an Jesus als den Messias nur deswegen entstehen konnte, weil er von den Toten auferstanden ist. Immer wieder sprechen die Briefe und die Evangelien auch davon, dass eben kein Glaube entstanden ist. Die Frauen werden im Lukasevangelium ausgelacht, der Jünger Thomas ist sprichwörtlich dafür, dass er ungläubig bleibt, bis er durch Jesus selbst von der Wahrheit überzeugt wird. Wenn die Berichte tendenziös sein sollen, dann haben sich die Autoren keine Mühe gegeben, die bereits damals vorhandene Gegenseite aus den Textzeugnissen zu eliminieren.
Aber noch einmal zum Begriff einer historischen Singularität: Jesus ist ja nicht so wiedergekommen wie jemand nach einer Zeit des kurzen Herzstillstandes oder so wie Lazarus oder die anderen Erzählungen vom Auferwecktwerden von den Toten. 
Das sind allesamt schon wunderbare Ereignisse und sollen nicht geschmählert werden. Auch unsere heutige Medizin wirkt da manches kleinere Wunder, aber die alle haben eine Schwäche: Wer heute wiederbelebt wird, muss irgendwann trotzdem sterben.
Bei der Auferweckung von Jesus haben wir es aber mit einer ganz neuen und unerklärbaren Kategorie von Leben zu tun. Nämlich: ewigem Leben!
Und das führt uns zu einem weiteren Denker des Christentums, den ich Euch für ein Denken der Auferweckung Jesu nicht vorenthalten möchte:

7.    Rudolf Bultmann: Auferweckung ins Kerygma!
Für Rudolf Bultmann kommt es nicht darauf an, wie das alles genau gewesen ist, sondern dass Jesus Christus gekreuzigt wurde und dann von den Toten auferstanden ist. Das entscheidende Ereignis, das historisch fassbar ist, ist die Kreuzigung. Bei der Auferweckung hingegegen haben wir es mit der Bestätigung der Sinnhaftigkeit des Kreuzestodes zu tun. Wie das war, kann niemand sagen. Konstatiert werden kann allein: Auferstehung hat mit diesem Jesus Christus stattgefunden und niemand weiß, wie diese ausgesehen hat. Schließlich gibt es ja nur Zeugen des Auferstandenen, und kein einziges menschliches Zeugnis der Auferweckung selber!
Damit kann Bultmann dazu kommen zu sagen: „Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, begegnet uns im Worte der Verkündigung, nirgends anders. Eben der Glaube an dieses Wort ist in Wahrheit der Osterglaube.“ 
Seine Kritiker haben daraus gemacht: Jesus sei bei Bultmann ja bloß auferstanden ins Kerygma, in die Verkündigung. 
Bultmann hat das mit Gelassenheit angenommen und geantwortet: „Ich akzeptiere diesen Satz. Er ist völlig richtig, vorausgesetzt, dass er richtig verstanden wird. Er setzt voraus, dass das Kerygma (die Verkündigung) selbst eschatologisches Geschehen ist; und er besagt, dass Jesus im Kerygma wirklich gegenwärtig ist. Ist das der Fall, so werden alle Spekulationen über die Seinsweise des Auferstandenen gleichgültig. An den im Kerygma präsenten Christus glauben, ist der Sinn des Osterglaubens.“ 

8.    Ingolf Dahlfert: Tat Gottes!
Das ist schwere Kost. Vielleicht erhellt uns das der neuere Theologe Ingolf Dalferth. Er ist in den 90er Jahren eingestiegen in die Debatte um die Historizität der Auferweckung Jesu. Ihm geht es darum zu zeigen, dass man an die Wirklichkeit der Auferweckung nicht herangehen kann wie an andere geschichtliche Ereignisse. Es würde sich schließlich auch „niemand an einen Historiker wenden, um Aufschluss über die Zusammensetzung des Wassermoleküls, des genetischen Codes der Tomate oder die Winkelsumme im Dreieck zu erhalten.“ 
Für Dalferth ist ganz klar: Es geht bei der Auferweckung um das Wirken Gottes selber. Das zu untersuchen ist aber nicht Angelegenheit des Historikers, sondern des Theologen. „Gott allein hat Jesus von den Toten auferweckt (Röm 10,9), Gott allein hat die Menschen erwählt und berufen, die diese unglaubliche Gottestat bezeugen (Gal 1,15f.), und Gott allein setzt durch seinen Geist in den Stand, dieses Zeugnis zu glauben und in das Auferweckungsbekenntnis einzustimmen (1Kor 12,3). Inhalt, Vollzug und Erfolg der Auferweckungsbotschaft werden daher gleichermaßen als freie Tat und Wirkung der schöpferischen Liebe Gottes verstanden, die keiner menschlichen Bekräftigung bedürfen oder auch nur fähig wären und die durch eine solche auch in keiner Weise an Überzeugungskraft gewinnen könnten.“ 

9.    Resümee
Am Ende ist es aufgrund der Strittigkeit der Auferstehung eine Angelegenheit des Heiligen Geistes, den Glauben an diese Tat Gottes zu wecken. 
Diese kann aber nur gelingen durch ein direktes Erleben und Erfahren des Auferstandenen selber. Dies geschieht schon seit längerem nicht mehr in direkten Erscheinungen (der Apostel Paulus hatte die letzte und die ist doch schon eine Weile her), sondern in der Begegnung mit ihm in den verschiedenen Lebensbereichen.
•    Bultmann hat Recht, wenn er sagt, die Verkündigung, der wöchentliche Gottesdienst führen zum Glauben an den Auferstandenen (und sind zugleich die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Gottesdienst stattfindet).
•    Pannenbergs Bemühen um eine wissenschaftliche Herleitung ist aber ebenso wenig verkehrt, wenn wir mit Menschen konfrontiert sind, die mit der Auferweckung so gar nichts anfangen können. Darauf hinzuweisen, wie fundiert die neutestamentlichen Texte sind. Sich ihnen mit Verstand hinzugeben und diese Texte ernsthaft und mit kritischem Geist zu lesen.
•    Dalferth ist darin Recht zu geben, dass die Auferweckung Tat Gottes ist und sich am Ende dann doch unseren wissenschaftlichen Untersuchungen entzieht. Wir wissen´s nicht, und wir sollen es auch nicht wissen. Der Glaube an die Auferweckung ist der Glaubensverantwortung jedes einzelnen Christen anheimgestellt. 

Es greift, und damit komme ich zu einem vielleicht überraschenden Schluss, es greift auch bei der Frage nach der Auferweckung das Bilderverbot. 
„Mach dir kein Bildnis von Gott“, heißt es ja in den 10 Geboten. Da die Auferweckung eine Tat Gottes ist und Jesus als der Christus durch die Auferweckung vollkommen in den Bereich Gottes tritt, ist es folgerichtig, uns selbst aus Glaubensverantwortung ein weiteres Konkretisieren zu verbieten. Anders: Je konkreter wir uns die Auferweckung bildlich vorstellen, desto mehr grenzen wir damit die Tat Gottes ein, machen sie kleiner als sie ist.

Es war aus gutem Grund keiner dabei, als es geschah. Und immer, wenn ihn etwa seine Jünger oder auch die Frauen am Grab erkennen, entzieht er sich. 
Jesus ist durch die Auferweckung tatsächlich Sohn Gottes. Nicht Weihnachten machen ihn dazu, sondern die Auferweckung des Gekreuzigten. Als dieser ist er Sohn Gottes und damit Teil der Dreieinigkeit. 
Und jedes Bild, das wir davon ziehen, das wir uns von einem sphärisch schwebenden Jesus oder einer wie auch immer gearteten Geist-Erscheinung machen, macht nicht nur Gottes Tat, sondern auch Gott selbst kleiner, als er ist.
Und wir? 
Wir sind, um mit Bonhoeffer zu sprechen, in der Tat in die Nachfolge des Auferweckten gerufen. 
Jeder einzelne – aber in dem Sichverlassenkönnen auf die Kirche, deren Haupt der Auferweckte ist und der uns zuruft: 
„Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

10.    Zu guter Letzt: Noch´n Witz
Ein Pfarrer kommt in den Himmel und Petrus zeigt ihm alles. Aus einem Raum klingt nur Stille und ehrfürchtiges Beten. 
„Das“, erklärt Petrus, „ist der Raum für die Gemeindeglieder, welche den ganzen Tag andächtig beten.“ 
Aus dem nächsten Raum kommt lauter Krach. 
„Ach“, sagt Petrus, „lass uns schnell weiter gehen, hinter dieser Tür sind die Küster. Sie rauchen, trinken, spielen Karten und erzählen den ganzen Tag schlechte Witze.“
Aus dem dritten Raum klingt wieder Stille. „Das“, sagt Petrus, „ist der Raum für die Pfarrer.“ 
„Ah“, meint da der Pfarrer, „sie beten wohl wie die Gemeindeglieder in der Stille?!“
„NEIN“, meint Petrus, „es ist noch keiner drinnen…..“

Und der Friede Gottes, der höher ist als Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.
LIED EG 100,1-5: WIR WOLLEN ALLE FRÖHLICH SEIN

Predigt an Reminiszere 2016 zu Röm 5,1-5: Christen in der Verfolgung

PREDIGT ZU RÖM 5,1-5: CHRISTEN IN DER VERFOLGUNG
51 Da wir nun  gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir  Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus;
2 durch ihn haben wir auch  den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.
3 Nicht allein aber das, sondern  wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt,
4 Geduld aber  Bewährung, Bewährung aber Hoffnung,
5  Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.


1.    Einführung: Ich in der BAMF Gießen
Liebe Gemeinde, 
am Montag bin ich mit einer iranischen Flüchtlingsfamilie zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach Gießen gefahren. Die Kinder wurden vorher rasch in den Kindergarten nach St. Paulus gebracht, dann habe ich mich mit den beiden aufgemacht, um zur Anhörung, zum großen Interview zu fahren. Die Familie gehört seit letzten März zur Bonhoeffer-Gemeinde – er ist ein guter Kirchgänger und hilft in der Gemeinde ehrenamtlich mit, wann immer ich ihn frage. Sie ist ab und an beim Krabbelkreis dabei und hat jetzt angeregt, dass wir einen Glaubenskurs für Iraner anbieten sollen. Pfr. Pfeifer und ich arbeiten gerade daran. 

Also nun: Anhörung in Gießen mit der ungewissen Aussicht auf ein Bleiberecht. 
Bekommen diese Leute hier Asyl? 
Oder werden sie zurück in den Iran geschickt werden?
Oder bekommen sie den unangenehmen Aufenthaltsstatus der „Duldung“, wo man auf Jahre hin zwischen den Stühlen hängt?

Wenn ihr euch auskennt, dann wisst ihr, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wie ein Gefängnis abgesichert ist – nach innen wie nach außen. Große stacheldrahtbewehrte Zäune, im Gebäude Gittertüren, wie ich es nur aus dem Knast in Hünfeld kenne. Ich durfte nicht einmal unbegleitet die Toilette benutzen – wovor die Beamten Angst haben, wurde mir leider nicht erläutert. Aber wahrscheinlich haben sie so schlechte Erfahrungen gemacht, dass das nötig ist.

Nach einer Stunde des Wartens wurden wir in eine kleine Amtsstube geführt. Ein völlig überarbeiteter Amtmann saß uns gegenüber an einem Computer, in der Ecke saß ein Auszubildender und hörte zu. Ich nahm an, das würde jetzt schnell gehen. Für mich stellte sich die Situation so einfach dar. Für den Beamten freilich nicht. 

Zweieinhalb Stunden mussten die beiden erzählen. Alles schleppte sich lang hin, denn es wurde per Übersetzer, also mit einem Dolmetscher, verhandelt. Wie es im Iran war. Warum sie nun hier sind. Was das alles mit dem Christentum zu tun hat.

Im Iran gibt es Formen des Christentums, die erlaubt sind. Die Menschen, die in christlichen Familien geboren werden, dürfen ihre Religion behalten. Das sind in erster Linie orthodoxe Christen, oder Angehörige der armenischen Minderheit. Denen sind dann zwar eine Reihe von Berufen verwehrt und sie werden dadurch diskriminiert, aber sie dürfen ihren Glauben an Jesus Christus einigermaßen unbehelligt leben. 

Doch wenn man sich als gebürtiger Moslem entscheidet, auch nur eine Kirche zu besuchen oder gar ein Christ werden zu wollen, dann ist man übel dran. Irgendwann spricht es sich herum bis in Polizei- oder Geheimpolizeikreise und man hat die Sicherheitsdienste bei sich im Haus.

Momentan gibt es im Iran eine Welle der christlichen Erweckung. Wahrscheinlich in keinem Land der Welt finden momentan so viele Menschen zu Jesus Christus wie im Iran. Untergrundartig läuft das Ganze.
Heimlich. Ohne eine Institution oder Organisation. Der eine sagt es dem anderen weiter.

Abbas erzählte bei der BAMF, wie er Jesus fand – oder vielleicht eher Jesus ihn: „Wir waren befreundet mit einem Mann namens Raschid, von dem wir wussten, dass er ein Christ war, ein evangelischer. Wir wussten auch, dass das verboten war – aber es gibt im Iran so vieles verbotenes –  und die Leute machen das dann trotzdem. Eines Tages waren wir bei Raschid eingeladen und er hat uns gefragt, ob wir zusammen Musik machen wollen. Er könne aber nur fromme christliche Lieder spielen. Da haben wir dann zu dritt zusammen gesessen und gesungen und das erste Mal von Jesus aus der Sicht der Christen gehört. Wir kannten ihn ja schon aus muslimischer Sicht. Aber das jetzt war für uns etwas ganz neues. Wir trafen uns für die Musik noch drei oder vier Mal, und dann fragte er uns, ob wir mal mitkommen wollen in eine Untergrundkirche. 
Jung und dumm wie wir waren, gingen wir mit. Die kleine Gruppe, die aus nicht mehr als 8 oder 10 Leuten bestand, betete, sang und diskutierte über die biblischen Bücher. Was wir da erfuhren, war eine Erlösung vom bisherigen Leben: Gott war auf einmal nicht länger finster, sondern freundlich und voller Liebe. Wir kannten vom schiitischen Islam immer nur die Androhung der Hölle und dass die Mullahs uns sagten, was wir tun sollen. 
Und ständig wird in der Moschee und auf den Festen geweint aus Angst vor Gott. Wie anders waren diese Versammlungen! Fröhlich, positiv, voller Lachen. Als dann die Polizei vor unserem Haus stand, und unsere Flucht begann, dachten wir noch, dass sich alles einrenken würde. Wir hatten doch eigentlich nichts gemacht, meine Frau war schwanger und wir waren keine armen Leute im Iran. Erst haben wir bei Freunden übernachtet, dann sind wir über die Türkei abgehauen, als klar wurde, dass der iranische Staat wohl ernst macht. Aus der Zeitung haben wir in der Türkei erfahren, dass unsere Untergrundkirche zugemacht worden ist und alle Mitglieder verhaftet worden sind. Wir können nicht mehr so tun, als hätten wir das alles nicht erlebt: Wir können nicht mehr zurück in den Iran, einfach deswegen, weil wir den christlichen Gott gefunden haben. Und wenn wir dem nicht abschwören, dann werde ich gehenkt und meine Frau geht für immer ins Gefängnis.“

2.    Der Apostel Paulus und die Situation der Verfolgung
Der Apostel Paulus schreibt zu dieser Erfahrung direkt. Er wusste von den Bedrängnissen, die Christen treffen können. Die ersten Verfolgungen oder zumindest Anfeindungen erlebte er noch mit. (Die Legende besagt, Paulus sei bei den Christenverfolgungen des römischen Kaisers Nero getötet worden.)
 
Er schreibt, dass wir uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes rühmen.
„Nicht allein aber das, sondern  wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt,
4 Geduld aber  Bewährung, Bewährung aber Hoffnung,
5  Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.“

Für mich ist das schwer einzusehen; warum sollten wir uns der Bedrängnis rühmen? Vielleicht verstehe ich das nicht, weil ich hier in großer Sicherheit lebe. 

Aber für all die iranischen Christen im Untergrund, für all die Christen auf der Flucht aus Syrien und dem Irak, macht diese Abfolge durchaus Sinn. Sie passt zu ihrer Lebenserfahrung, die, wenn man so will, die dunkle Seite, die das Christentum mit sich bringt, thematisiert, nämlich dass es nicht einfach ist, ein Christ zu sein. 

Ich versuche es mal aus meiner Position eines satten westlichen Christen:
Bedrängnis, so Paulus, führt zu Geduld. 
Oh ja, die konvertierten Christen im Iran sind geduldig. Ich weiß von einem iranischen Konvertiten, der gegenüber einer armenischen Kirche gewohnt hat, aber aus Furcht nie hingegangen ist. Stattdessen hat er viel über das Christentum im Internet gelesen und ist darüber zum Glauben an Christus gekommen. Sonntags hat er durch das offene Fenster die Gesänge der Liturgie gehört und sich ausgemalt, was da wohl vor sich geht.
Ab und an mal hat er sich mit seinen Glaubensgeschwistern im Hauskreis heimlich getroffen. Bis auch da die Religionspolizei zugeschlagen hat. (Da hinten sitzt er übrigens).

Geduld ist nötig in Bedrängnis, und diese kommt einem einfach so zu, so Paulus. Warten, abwarten. Dann die Gelegenheit nutzen. Da ist ein Mitbruder, eine Mitschwester. Das wenige Wissen um Jesus teilen.  Ein paar Kopien machen. Ein Gebet. Vielleicht ein Lied, wenn jemand eines kennt. Eine Umarmung. Schnell wieder aus einander gehen.

„Geduld aber führt zu Bewährung.“ Gemeint ist tatsächlich eine charakterliche Bewährung (dokimä), die durchaus eine Prüfung des eigenen Gewissens beinhaltet. Anders gewendet: Werde ich, wenn ich aufgrund meines Christseins verfolgt und bedrängt werde, trotz der Geduld, die ich erhalte, mich im Glauben bewähren? Oder werde ich aufgeben und hinschmeißen, mich den Bedrängnissen unterwerfen? „Dann werd´ halt wieder Muslim“, wurde geflüchteten Konvertiten gesagt, die gern in ihre Heimat zurückmöchten. Das ist für denjenigen vielleicht möglich, einfach hin und her zu wechseln, für den seine Religion nicht wichtig ist. 

Schwarze Schafe mag es immer geben, die ihre neue Liebe für Jesus nur vorgaukeln, um ins reiche Deutschland zu kommen. Die gibt es zweifellos. Aber kommt man mit ernsthaften Konvertiten ins Gespräch, dann fällt eine Hingabe an Gott auf, wie ich sie bei den einheimischen Christen oft vermisse. Da ist etwas Unbedingtes, etwas Glühendes, eine Leidenschaft, die etwas hat von dem Christentum, das ein Paulus gepredigt hat 
und das die späteren Generationen in den ersten Jahrhunderten, die apostolischen Väter, die Apologeten, wie Justin oder Origenes oder auch Tertullian es vor sich her trugen. Wer einmal vom Feuer der Liebe Jesu entflammt ist, der kann nicht mehr zurück. Der ist selbst in Bedrängnis und Geduld charakterstark und wird seinen Glauben bewähren.

Paulus weiter: Derjenige, der sich bewährt hat, lebt in der Hoffnung. Nämlich die Hoffnung auf Gott selber. 
Das heißt: „Durch den Kampf mit den Anfechtungen im Durchstehen der Leiden wird die darin vorausgesetzte Hoffnung nur immer gewisser, stärker und bestimmender.“ 
Selbst, wenn Christen heute in Bedrängnis sind, haben sie die gute Hoffnung, dass sie für ihre Standhaftigkeit belohnt werden. Ewiges Leben ist schließlich keine Kleinigkeit!

3.    Unsere Situation vor Ort
Und wir? Wir sind ja nicht im Iran, hier gibt es keine Christenverfolgungen. Was hat das alles mit uns zu tun? O doch. Es gibt sie. 
Ich kenne nur wenige Flüchtlinge, die konvertierte Christen sind, aber alle erzählen mir von Bedrohungen und Gewalterfahrungen in den Asylantenheimen. Und alle meine Kollegen erzählen mir exakt das gleiche:  Geflüchtete Konvertiten haben hier vor Ort Leidenserfahrungen gemacht, nur deswegen, weil sie Christen geworden sind.

Wo ist da die Bonhoeffer-Gemeinde, um diesen Leuten beizustehen? Wo sind die frommen Menschen, die sich religiöse Reden von Pfarrer Lange anhören, aber zurückschrecken, wenn der Glaube in die Bedrängnis geht? Wo ist euer Mitleiden, euer Mitfühlen mit euren Glaubensgeschwistern?  Wo ist der Aufschrei der aufrechten Christen darüber, dass es dies sogar in unserem Land, direkt hier in Fulda, gibt?

Wollen die Christen in Deutschland nur den ersten Satz des Predigttextes? „Da wir nun  gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir  Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus (V1)“.
Selbstgerecht Frieden mit Gott machen? 

Bonhoeffer sagte einmal seinen Studenten: „Wer nicht für die Juden schreit, soll auch nicht gregorianisch singen.“ 
Ich möchte mich dem anschließen und euch sagen: „Wer nicht für unsere Glaubensgeschwister in unserer Nachbarschaft eintritt, der hat in einem evangelischen Gottesdienst nichts mehr verloren.“

Wir stehen damit vor einer Zerreißprobe: Zwischen denjenigen, die erkennen, was für eine gewaltige Aufgabe vor uns steht; die sich geduldig darin bewähren und die Hoffnung nicht aufgeben, weil sie wissen, dass sie mit Gott auf ihrer Seite nur gewinnen können – und denjenigen, die den Kopf in den Sand stecken und längst vergessen haben, dass unser Christentum in Deutschland genauso fragil, so zerbrechlich ist wie das im Iran. 

Es gilt heute wieder mutig zu bekennen. Und sich dafür auch anfeinden zu lassen. Von den einen zum Gutmenschen abgestempelt zu werden, weil man für Flüchtlinge eintritt. Und von den anderen als rechtsradikal  beschimpft zu werden, weil man beim Namen nennt, was Sache ist. Beides erlebe ich immer wieder. 

Zu guter Letzt: Diese Menschen, von denen ich rede, sind nicht die Täter von Paris oder Istanbul oder Köln. Es sind die Elenden, die Opfer aus den Kriegsgebieten, Unterdrückte der Islamischen Staaten, Menschen, 
die in dieser Welt Frieden und Ruhe suchen, Geborgenheit für sich und ihre Familien. Menschen, die als unsere Glaubensgeschwister tapfer Jesus als den Herrn bekennen. Unter uns aber stellt manch einer sie im Übereifer unserer endlosen Debatten zu den potentiellen Mördern und Attentätern. Angstgetriebene verschanzen sich hinter Mauern und Zäunen und Belastbarkeitsgrenzen als seinen wir eine belagerte Stadt. Als könnte man nicht differenzieren!

Angst macht blind. Und darum ist mir dies heute morgen so wichtig. Vergesst Eure Glaubensgeschwister nicht: Die Hilfesuchenden bei uns genausowenig wie die Verfolgten im Iran oder in Syrien. Verleih ihnen eine Stimme. Misch dich ein. Werde Pate für einen konvertierten Christen, eine konvertierte Christin.

Wenn du das nicht kannst: Bete für sie. Jeden Tag! 

Ja, auch wir verspüren zunehmend  Angst um uns, um unser Land, um unsere Freiheit. Aber diese Angst darf unsere Barmherzigkeit nicht besiegen. Unseren Charakter, der gerade in der Bedrängung sich bewähren soll. Im Vertrauen auf die Herrlichkeit Gottes.
Amen. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

LIED: IN DEINE STILLE KOMME ICH

22. Sonntag nach Trinitatis 2016: Die Bekehrung des Paulus (Apg 9,1-21)

Pfarrer i.R. Wolfgang Schmidt-Nohl
Gichenbacher Str. 15a
36129 Gersfeld-Dalherda

Predigt über Apostelgeschichte 9, 1-21, 23. Oktober 2016, Bonhoeffergemeinde

VERLESUNG DES ABSCHNITTS NACH REV. LUTHERBIBEL

Liebe Gemeinde!
Mein Schwiegervater August Nohl, Forstbeamter, nannte den Moment, als der Apostel Paulus seinen Fuß zum ersten Mal auf den Boden Europas setzte, eine „Sternstunde der Menschheit“. Gemeint war von ihm die Überfahrt des Paulus von Troas in Kleinasien, der heutigen Türkei, über die Insel Samothrake und Neapolis nach Philippi in Griechenland, wo aufgrund der Mission durch Paulus die erste Gemeinde Jesu Christi auf europäischem Boden gegründet wurde. (Apg.16) 


Die archäologische Stätte Philippis wurde übrigens im Juli 2016 u.A. als Ort der ältesten europäischen christlichen Gemeinde  zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Die eben gehörte  Geschichte , in der Saulus von Tarsus vom Gegner und Verfolger der Gemeinde Jesu zum Anhänger und Apostel Jesu Christi wird, wurde am Ende eine Geschichte mit riesiger Wirkung. Denn der Apostel, der den Namen Paulus trägt, hat durch seine missionarische und theologische Lebensleistung ganz entscheidend dazu beigetragen, dass der Glaube an Jesus Christus so weitergetragen wurde, dass er zu den damaligen Heiden und damit zu unseren Vorfahren und schliesslich zu uns gelangte. 
Was wir über die Herkunft des Saulus bzw. Paulus und über sein Leben wissen, stammt aus seinen eigenen im Neuen Testament überlieferten Briefen und aus der Apostelgeschichte, aus der wir diese Geschichte von seiner Bekehrung hörten.
Aus all diesen Texten wissen wir: Saulus wuchs als Diasporajude auf, und zwar in Tarsus am Mittelmeer, der Hauptstadt der damaligen römischen Provinz Kilikien. Die Stadt war bekannt für ihre hohe griechische Bildung. Paulus´ Familie war wohl vermögend genug, das römische Bürgerrecht zu erwerben. Deshalb trug Saulus nicht nur den Namen des israelitischen Königs Saul, sondern auch den römisch-griechischen Namen Paulus (übersetzt: „der Kleine“) , den er später für sich selbst in seinen Briefen gebraucht.  Als Beruf erlernte er den des Zeltmachers; wir würden das heute etwa Sattler nennen . Er hat dieses Handwerk auch noch später als Apostel und Missionar ausgeübt. Saulus war ausserdem umfassend gebildet, und wir dürfen davon ausgehen, dass seine genaue Kenntnis des jüdischen Gesetzes u.A. durch den Unterricht bei dem berühmten jüdischen Lehrer Gamaliel in Jerusalem  bedingt war. (Apg.22,3) Saulus zählte sich im Judentum zu der Gruppe der Pharisäer. Er  befolgte streng die Vorschriften des jüdischen Gesetzes , der Thora, also der 5 Büchern Mose und deren Auslegungen. 
Wir fragen schon an dieser Stelle: warum wurde er als junger Mann denn ein so entschiedener Gegner und Feind der Anhänger und der Gemeinde Jesu? Warum wurde er es so sehr, dass er die Anhänger und Jünger Jesu regelrecht verfolgte? 
Die Christen, die er verfolgte, werden in unserem heutigen Predigttext „die Anhänger des  n e u e n  Weges“ genannt.  N e u und provokativ und deshalb zu bekämpfen war für die Pharisäer und war für Saulus die Gesetzesauslegung Jesu gewesen, Seine Auslegung  im Geist der Vollmacht Gottes und im Geist der Liebe und nicht im Geist des Buchstabens. Und diese Auslegung wurde von den Jüngern und Anhängern Jesu nun weitergetragen – noch dazu mit der ungeheuren Behauptung, dass Jesus – der für Seine Gegner ein zu Recht zum Tode verurteilter Gesetzesbrecher gewesen war – am Ostermorgen von den Toten auferstanden sei.  
In seinem Zorn auf diesen Glauben bzw. in seiner Auffassung Irrglauben liess sich der junge Pharisäer Saulus in Jerusalem vom Hohen Rat eine Vollmacht dazu geben, die Jünger Jesu in der Synagoge in Damaskus im Norden aufzuspüren und gefangen nach Jerusalem zu bringen. Aber es kam alles ganz anders!
 – Auf dem Weg nach Damaskus tritt der Auferstandene Jesus selbst ihm entgegen. Ein Licht vom Himmel umleuchtet den Saulus so stark, dass er zu Boden stürzt. In der Kunst der Malerei ist das manchmal als Sturz von einem Pferd, von einem hohen Ross, dargestellt.
 Und dann hört er eine Stimme: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“  – Auf die Frage: „Herr, wer bist du“ , bekommt Saulus zur Antwort: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“  Indem also Saulus die Gemeinde Jesu verfolgt, verfolgt er Jesus selbst.  Das macht ihm der Auferstandene hier klar. Jahre später wird Paulus über seine Begegnung mit dem Auferstandenen den Korinthern schreiben: „ Zuletzt ist Christus auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heisse, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich , was ich bin. „(1.Kor15,8ff)
In dieser Begegnung mit Jesus selbst geht zunächst alles zuende und zugrunde, was vorher der Verfolger Saulus war. Noch hat er nicht den neuen Auftrag, den Christus ihm für sein gesamtes weiteres Leben geben wird. Noch ist er nicht der Apostel Saulus-Paulus. Im Moment ist er vielmehr gar nichts. Er steht am Rande seiner Existenz überhaupt. Er kann wohl noch aufstehen, aber er sieht nichts mehr. Das ist er nicht gewohnt und darum ist er völlig hilflos.  Er muss von jemand anderem nach Damaskus geführt werden.  Dorthin führt ihn nun nicht mehr sein eigener Entschluss, sondern der Befehl des Herrn. Er sagt ihm: „Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.“ Jesus verweist ihn so schliesslich an Seine Gemeinde. Und es ist genau die Gemeinde, die Saulus vorher gehasst und verfolgt hat. 
Zunächst ist Saulus in seiner gesamten Existenz so am Boden zerstört, dass er drei Tage lang nicht einmal isst oder trinkt.  
Dann aber bringt der Herr Jesus Christus Seine Gemeinde ins Spiel – zuerst in Gestalt des Hananias, dem wir im Neuen Testament nur hier begegnen, ein Mann, der kein erkennbares kirchliches Amt innehat. Von ihm heisst es nur: Er ist „ein Jünger Jesu“. Hananias zögert einen Moment, als ihm der Herr ausgerechnet diesen Saulus zur Aufgabe stellt, denn die Gemeinde fürchtet sich inzwischen vor diesem Verfolger Saulus. Und das ist auf jeden Fall sehr verständlich! Wir müßten uns heute einmal vorstellen, liebe Gemeinde: irgendwo im Nahen Osten, etwa in Syrien, käme ein IS-Terrorist zu einer vom IS blutig verfolgten christlichen Gemeinde und begehrte Einlass und zukünftige Mitgliedschaft. Könnte man und würde man ihm auf Anhieb glauben, dass er sich radikal geändert hat? – Doch wohl eher nicht! 
Aber der Herr sagt dem Hananias über den bisherigen Verfolger Saulus: „Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug.“ 
Und Er sagt ausserdem – und auch das wird eine Überschrift über dem weiteren Weg des Saulus sein: –  „Ich will ihm zeigen, wieviel er   l e i d e n  muss um meines Namens willen.“
Weiter wird erzählt:
„Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf , liess sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus. Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei.“ – Die Gemeinde, die er verfolgt hatte, nimmt ihn nun tatsächlich als ihren Bruder auf.
Und übergangslos beginnt Saulus nun die Tätigkeit, der sein ganzes weiteres Leben gehören wird: Jesus Christus zu verkündigen und Ihm zu dienen.
In seinen späteren Briefen macht er deutlich, dass der Inhalt seiner Botschaft und Verkündigung nicht von M e n s c h e n  stammt, dass er sich also das Evangelium nicht durch so etwas wie Unterricht angeeignet hat. Im Galaterbrief schreibt er:  „Denn ich tue euch kund.., dass das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist. Denn ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi.“ (1,11f)
Diesen Unterschied des Saulus-Paulus zu uns, liebe Gemeinde, können wir getrost respektieren und stehenlassen. Es war wirklich so, dass Jesus Christus diesen Mann für diese besondere Aufgabe von Geburt an erwählt hat.  (Gal.1,15f) Paulus wird nie aufhören zu betonen, dass diese Erwählung gerade nicht  s e i n  Verdienst ist, sondern die reine Gnade Gottes.
Und es gilt ebenso das Andere, was in unserem Predigabschnitt bereits gesagt von Jesus gesagt wird: „ Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen.“
Denn, liebe Gemeinde, das ganze weitere Leben dieses Apostels wird ein Leben auf der  G r e n z e   sein, und zwar in dreifacher Hinsicht:
Paulus wird zum  E r s t e n  hin- und hergerissen werden auf der  G r e n z e  zwischen I s r a e l  und der christlichen  G e m e i n d e . Er wird zeitlebens schwer darunter leiden, dass das jüdische Volk – und damit das Volk und der Glaube , aus denen er selbst stammt! – Christus mehrheitlich nicht als Herrn und Gottessohn annimmt. Besonders die Kapitel 9-11 seines Römerbriefs geben ein lebendiges Zeugnis von seiner nie beendeten Liebe zu seinem Volk, für das Paulus dessen Unglauben gegenüber Christus zum Trotz an der Liebe Gottes festhält. Gott wird Seine erste Liebe Israel nie fallen lassen. Dessen ist Paulus gewiss.

Das Leben des Paulus ist zum  Z w e i t e n  ein Leben auf der  G r e n z e  zwischen der Vollmacht der Berufung Apostel Jesu Christi auf der einen Seite und der immer wiederkehrenden Bestreitung seines Apostelamtes durch andere Jünger andererseits. Dieser Konflikt zeichnet sich im letzten Vers unseres Predigttextes schon ab, wo als Reaktion auf Paulus´erste Predigttätigkeit in Damaskus geschildert wird: „ Alle aber, die es hörten, entsetzten sich und sprachen: Ist das nicht der, der in  Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen, und ist er nicht deshalb hierhergekommen, dass er sie gefesselt zu den Hohepriestern führe?“ (V.21)-  Ständig und sein Leben lang mußte sich Paulus mit der Bestreitung seiner apostolischen Autorität auseinandersetzen , wie er sie aus Kreisen der Gemeinden Jesu erfuhr – sogar in Auseinandersetzung mit Simon Petrus und den anderen ersten Jüngern Jesu, besonders, als um die Frage der Verbindlichkeit oder Nichtverbindlichkeit des jüdischen Gesetzes für gläubig gewordene und getaufte Christen aus nichtjüdischen und also aus heidnischen Völkern ging.

Und das Leben des Apostels Paulus war zum  D r i t t e n  ein Leben auf der G r e n z e  zwischen Vollmacht und Ohnmacht, zwischen Kraft und Schwäche, zwischen Gesundheit und Krankheit, zwischen Leben und Tod . Er mußte erfahren, dass er vom Herrn immer gerade nur soviel Kraft erhielt, wie er für seinen grossen Auftrag brauchte . Auf seine Bitte hin, von seiner schweren Krankheit geheilt zu werden, erhielt er die Antwort des Herrn: „ Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig .“ (2.Kor12,9) Entsprechend schreibt Paulus: „Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Denn ich bin guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin so bin ich stark.“ (V.9bf.)
Neben dem Licht Jesu Christi, das dem Saulus vor Damaskus zum ersten Mal aufging und das seinen Weg hell machte, erlebte er immer wieder auch die Finsternis, die diesem Licht vorausgegangen war. (s.bes. Römer 7) Er mußte erfahren, dass trotz dieser Erleuchtung im Angesicht Jesu Christi (s.2.Kor.4,6) wir diesen Schatz des Evangeliums in irdenen und zerbrechlichen Gefässen haben (s.dort V.7ff.), dass wir auch das Sterben Jesu an unserem Leibe tragen, dass unser Wissen und unsere Erkenntnis noch Stückwerk sind und dass wir von der Herrlichkeit Gottes jetzt erst nur soviel sehen wie ein dunkles Bild in einem matten Spiegel (s. 1.Kor.13). Paulus weiß aber gleichzeitig , dass am Ende Gottes Licht stärker sein wird als alles, was jetzt noch diesem Licht entgegensteht. Diesen Glauben und diese Hoffnung und diese Liebe Gottes spricht dieser Apostel durch sein Lebenswerk  u n s zu , einer jeden und einem jeden von uns, die wir durch die Taufe diesem Jesus Christus gehören. Die Taufe war ja bei Saulus das Erste, was er nach seiner Bekehrung zu Christus begehrte und an sich vollziehen liess. Die Taufe war und ist die Grundlage , „in Christus“ zu sein und zu leben. Von diesem „in Christus sein“ wird Paulus  immer wieder reden und schreiben. Es bedeutet, am Kreuz und an der Auferstehung Jesu Anteil zu haben. Sein Kreuz stellt den Tod und das Leben nebeneinander , um deutlich zu machen, dass Sein Leben uns allen zugute kommt. Im Römerbrief schreibt er über die Taufe: „ Oder wißt ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in Seinen Tod getauft? So sind wir ja mit Ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Röm.6,3f) 
Liebe Gemeinde! Wir tragen die Merkmale des Sterbens Jesu in mancherlei Weise mit uns herum, damit in allem auch das Leben Jesu uns zugute kommt. So verläuft  – wie bei Paulus – auch unser Leben auf der  G r e n z e von Licht und Finsternis, auf der Grenze von Kraft und Ohnmacht, auf der Grenze von Erfolg und Mißerfolg, auf der Grenze von Gesundheit und Krankheit,  und auf der Grenze zwischen Tod und Leben. Und insofern unser Leben durch die Taufe und den Glauben „in Christus“ ist, behalten die Kraft und das Leben die Oberhand. So nahe ist Er uns gekommen – und so nahe dürfen wir Ihm sein! Die Taufe ist uns das verläßliche Zeichen und Siegel dieser Nähe und dieser umfassenden Liebe Gottes. Und im Glauben nehmen wir diese Nähe Gottes und Jesu Christi zu uns an. Amen.