Fahrradgottesdienst bei Kaiserwetter

200 Teilnehmer feierten am Bonhoefferhaus mit Picknickdecken und Eis am Stiel

Fulda – Da staunten manche Fußgänger und Autofahrer am Sonntagmorgen nicht schlecht. Auf vielen Straßen in Fulda waren kleine Grüppchen von Radfahrern zu sehen. Sie trugen Westen mit der Aufschrift „Gemeinsam Evangelisch.“ Die Kirchenradler aus der Kreuzkirche, aus St. Johann Petersberg und der Bonhoeffergemeinde hatten ein gemeinsames Ziel: einen Open Air Gottesdienst zu feiern.

Um kurz vor elf Uhr trafen die Radler aus verschiedenen Richtungen am Bonhoefferhaus ein. Mehr oder weniger aus der Puste, dafür mit viel Sonnenschein und guter Laune im Gepäck. Pfarrer Marvin Lange begrüßte die Teilnehmer zum ersten gemeinsamen Fahrradgottesdienst der drei Gemeinden. Eine humorvolle Dialogpredigt der drei Pfarrer folgte. Pfarrer Stefan Bürger zitierte Psalm 37: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen. Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, bedeute auch mal durch Wind und Wetter zu fahren und vom Weg abzukommen. Im Leben sei es ähnlich. „Es geht darum Gott meine Wege anzuvertrauen, denn er meint es gut mit uns,“ so Bürger. „Wir können gewiss sein, dass Gott uns wieder auf die Sprünge hilft, wenn wir mal hinfallen,“ ergänzte Pfarrer Christian Pfeifer. Da in dem Gottesdienst zwei Kinder getauft wurden, trug Pfarrer Marvin Lange ein kleines Theaterstück für die Tauffamilien vor. Kinder könne man nicht vor allem schützen, man müsse ihnen irgendwann zutrauen für sich selbst zu sorgen. „Die Kinder werden schneller groß sein als es ihre Eltern heute glauben,“ sagte Lange.

Auch die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes vermochte zu begeistern. Mit gefühlvoll gesungenen Balladen und einer glockenklaren Stimme zog Sängerin Isabell Scheunert die Gottesdienstbesucher in ihren Bann. Weitere musikalische Akzente setzten Christoph Mangelsdorf am Saxofon und Michaela Jünemann am Akkordeon. Jeder Beitrag wurde beklatscht, einige Besucher bekundeten Beifall mit ihren Fahrradklingeln. Viele Familien hatten ihre Picknickdecken mitgebracht und ließen sich zur Stärkung ein Eis am Stiel schmecken, dass die Kirchengemeinden für die Radler eingekauft hatten.

Gerade in Corona-Zeiten sei diese Form des Gottesdienstes ideal, betonten die Organisatoren, denn die Kirchenradler konnten Gemeinschaft erleben, ohne sich dabei zu nahe zu kommen. Die gemeinsame Aktion entsprang auch dem Wunsch, das gegenseitige Kennenlernen zwischen den Nachbargemeinden St. Johann Petersberg, der Kreuzkirchengemeinde Neuenberg und der Bonhoeffergemeinde zu fördern. Außerdem könne Kirche auf diese Weise auch mal sportlich und frisch erlebt werden, sagte Pfarrer Stefan Bürger.

„So entspannt könnten wir meiner Meinung nach öfter Gottesdienste feiern,“ sagte Matthias Allendorf, der zusammen mit seiner Gemeinde den Weg vom Haunestausee zur Goerdelerstraße zurückgelegt hatte. Viele Teilnehmer blieben nach der sportlichen Betätigung und dem Gottesdienst noch eine Weile auf den Picknickdecken sitzen und ließen einen erlebnisreichen Vormittag mit einem gemütlichen Beisammensein ausklingen. Dass Kirche mit viel Schwung und Kreativität neue Wege gehen kann, das hat die gemeinsame Aktion der drei Gemeinden zum Ferienende bewiesen.

BU1: vlnr. Pfarrer Stefan Bürger, Pfarrer Marvin Lange und Pfarrer Christian Pfeifer

BU2: vlnr. Pfarrer Christian Pfeifer, Pfarrer Marvin Lange, Pfarrer Stefan Bürger

(Fotos: Claudia Pfannemüller)

Mit Talar und Fahrradhelm: Fahrrad-Sternfahrt zum Open Air Gottesdienst

Drei evangelische Gemeinden mit sportlicher Aktion zum Ferienende 

Fulda – Erst in die Pedale treten, dann gemeinsam Gottesdienst feiern: Zum Ende der Sommerferien am 16. August 2020 haben sich drei evangelische Pfarrer aus Fulda etwas Besonderes einfallen lassen. „Kirche soll frisch und sportlich erlebt werden. Begegnung auf Abstand, aber in der Natur“, so Pfarrer Stefan Bürger. Mit ihrer Aktion wollen er, Pfarrer Marvin Lange und Pfarrer Christian Pfeifer hinaus aus den Kirchenmauern und vielleicht auch Menschen ansprechen, die sonst nicht so oft ihre Gottesdienste besuchen.   

Um 10.00 Uhr versammeln sich die Fahrradfahrer jeden Alters an drei verschiedenen Orten alternativ für familienfreundliche oder etwas längere Touren. Die Bonhoeffergemeinde trifft sich in Marbach an der Gaststätte am Haunesee, die Petersberger Gemeinde vor der Kirche St. Johann und die Kreuzkirchengemeinde vor der Kirche in Neuenberg. Die Organisatoren weisen darauf hin, dass geeignete Kleidung samt Sonnen- bzw. Regenschutz mitzubringen sind.  

Aus drei verschiedenen Richtungen kommen die Radler aus drei Gemeinden schließlich um 11.00 Uhr vor der Bonhoeffergemeinde zu einem Gottesdienst zusammen. Wer nicht mit dem Fahrrad anreisen kann oder will, kommt direkt zum Bonhoefferhaus „Wir haben Spaß am Fahrradfahren, arbeiten als Kollegen gern zusammen und wollen bewusst, neue Wege gehen. Kirche und Glaube muss mehr in den Alltag geholt werden“, betont Pfarrer Marvin Lange. Er und seine Kollegen aus dem Pfarrerteam ziehen in ihrem kurzen und humorvollen Predigtdialog Parallelen zwischen Fahrradfahren und Glauben. Zudem planen die Pfarrer, Kinder im Freien zu taufen. Bei starkem Regen müssen die Radtouren entfallen und der Gottesdienst findet im Bonhoefferhaus statt. 

Nach dem Gottesdienst sind alle zum Eis am Stiel eingeladen. Sitzgelegenheiten oder Picknickdecken bringt jeder selbst mit. Es gelten die derzeitigen Corona- und Abstandsregeln. Kontakt ist über die jeweiligen Pfarrämter möglich, weitere Informationen auf den Internetseiten der Gemeinden zu finden. Info: bonhoeffer-online.de, kreuzkirche-fulda.de, kirche-petersberg.de.  

BU: BU: Auf dem Foto sieht man den drei Pfarrern ihre Freude an der gemeinsamen Aktion schon an. Ob sich Pfarrer Stefan Bürger (links), Pfarrer Christian Pfeifer (Mitte) und Pfarrer Marvin Lange (rechts) allerdings wirklich im Talar aufs Fahrrad schwingen, bleibt abzuwarten.  

„Wir beginnen gemeinsam im Geist von Pfingsten!“

Kooperationsraum „Gemeinsam evangelisch“ öffnet Kirchen für gemeinschaftliche Gottesdienste

Nach rund zwölf Wochen beginnen im Kooperationsraum Fulda-Mitte/West an Pfingstsonntag die gemeinschaftlichen Gottesdienste in ihren Kirchen. Verkürzt, mit Sicherheitsabstand und ohne Gemeindegesang – dennoch kreativ und geistreich.

„Wir beginnen an Pfingstsonntag mit unseren Gottesdiensten. Der gemeinsame Anfang lag unserem Kooperationsraum ‚Gemeinsam evangelisch‘ am Herzen“, sagt Pfarrer Stefan Bürger. Dieser Anfang geschehe im Geist der Einheit, des Miteinanders und des Kooperationswillens der insgesamt elf Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren zehn Kirchen.

Gerade angesichts der Infektionen in der freien, baptistischen Gemeinde in Frankfurt läge es den hiesigen Gemeinden daran, deutlich zu machen, dass die Pandemie keineswegs gebannt sei und deshalb alle Kirchengemeinden viel Zeit und Energie auf Hygiene- und Abstandsregeln verwandt hätten. Mundschutz würde dringend angeraten, Abstandsregeln durch Sperrung von Bankreihen sichergestellt und auf Gemeindegesang verzichtet. Desinfektionsmittel stehe am Eingang, Mitarbeiterinnen geleiten den Menschen an ihre Sitzplätze und für ein möglichst kontaktloses Verlassen der Kirche werde gesorgt. Die Gottesdienste würden zwar anders sein, aber man freue sich wieder anzufangen. Reservierung seien zunächst nicht geplant, manche Gemeinden böten Pfingstsonntag auch mehrere Gottesdienste hintereinander an.

„Alles nachholen“, Feuer, Openair, Kinderimpulse und Auto-Gottesdienst

Die Kreuzkirche denkt im zweiten Gottesdienst an Pfingstsonntag um 11.00 Uhr und jeden 1. + 3. Sonntag besonders an Kinder und Familien, indem sie einen fünfminütigen Kinderimpuls ihrer Kinder- und Jugendreferentinnen und Kindergottesdienstteamerinnen in den Gottesdienst einbaue. Pfarrer Marvin Lange von der Bonhoeffergemeinde will „alles nachholen, was ausgefallen ist und zwar ganz kompakt“, indem er die Gemeinde an Stationen über Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt zu Pfingsten geleite.

In Petersberg wird Pfingsten drinnen wie draußen gefeiert: Um 10.00 Uhr in der St. Johanneskirche und 11.30 Uhr im St. Johannesgarten. Veranschaulicht wird der Heilige Geist mit echtem Feuer und von mehreren Musikerinnen hörbar gemacht. Der Trätzhof feiert um 10.00 Uhr auch Openair. Für draußen müssten Sitzgelegenheiten mitgebracht werden! Pfingstmontag wird es u.a. um 11.00 Uhr einen ökumenischen Autogottesdienst der Christuskirche, Innenstadtpfarrei und Lutherkirche auf dem Messegelände geben, zu dem alle eingeladen sind.

#wirsehenpfingstrot – Digitale Angebote gehen weiter

Mindestens bis zu den Sommerferien wird der Kooperationsraum Fulda-Mitte/West sein digitales Angebot auf dem YouTube-Kanal fortsetzen, da sich u.a Videoandachten. wachsender Beliebtheit erfreuten, so die Pressemitteilung. Pfingstsonntag könne man die Videoandacht aus Bad Salzschlirf/Großenlüder von Pfarrer Dr. Michael Grimm erwarten. In Socialmedia setzt sich zu Pfingsten gerade kirchlich deutschlandweit #wirsehenpfingstrot durch. Dabei sind die Menschen in den Tagen vor Pfingsten aufgerufen, auf das Rote in ihrem Alltag zu achten und Bilder mit diesem Hashtag zu posten.

Grafiken/Collagen (Björn Henkel): Pfarrerinnen und Pfarrer laden Pfingstsonntag gemeinsam ein.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Pfarrer Stefan Bürger

Koordinator für Pressearbeit im Kooperationsraums Fulda-Mitte/West

„Gemeinsam evangelisch“

Haderwaldstr. 89a

36041 Fulda

Fon (0661) 7 58 50

Fax (0661) 90 17 125

Email stefan.buerger@ekkw.de

Veranstaltung „Von Verschwörungsmythen und Judenhass“ fällt aus!

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Anschlags in Halle kann Michael Blume leider NICHT zu dem Vortrag kommen, sondern hat abgesagt. Die Sicherheit der jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg ist wichtiger als ein Vortrag im Bonhoeffer-Haus! Er hat mir versprochen, den Vortrag zu gegebener Zeit nachzuholen. Ich wünsche Michael Blume viel Kraft bei der Bewältigung dieser Aufgabe!

Mit freundlichen Grüßen,

Pfarrer Marvin Lange

Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg referiert im Bonhoefferhaus Fulda am 15. Oktober 2019 um 19.30 Uhr

Am Dienstag, dem 15. Oktober 2019 um 19.30 Uhr, kommt ein hochkarätiger Gast ins Bonhoefferhaus Fulda in der Goerdelerstraße 34. Der Beauftragte der Landesregierung des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume, wird dort in einem Vortrag über Verschwörungsmythen in den neuen Medien referieren. Anhand seines gerade erschienenen Buches „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern“ zeigt Blume, von Hause aus Religionswissenschaftler, inwieweit fast alle Verschwörungsmythen als Kern den Antisemitismus in sich tragen.

Blume war international bekannt geworden als Retter von 1100 Frauen und Mädchen jesidischen Glaubens, die er im Rahmen des „Sonderkontingents Irak“ im Jahr 2016 mit seinem Stab vor den Terroristen des IS nach Deutschland in Sicherheit brachte. In seiner Freizeit schreibt er wissenschaftliche Bücher, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Der Vortrag ist kostenlos. Im Anschluss an den Vortag stellt sich Blume den Fragen des Publikums. Ein Büchertisch ist vorhanden.

Bibel aktuell: Zieh deine Schuhe aus!

Manchen ist das ja ein bisschen unangenehm, wenn sie zu Besuch kommen und die Schuhe ausziehen sollen. Aber natürlich machen sie´s dann. Genauso wie Mose in der Bibel. Der begegnet Gott in einem brennenden Dornbusch in der Wüste. Und als Mose auf den Dornbusch zugeht, sagt Gott zu ihm: “Zieh deine Schuhe aus!” Warum ist das in diesem Moment so wichtig, Pfarrer Marvin Lange aus Fulda.


Gesprochen von: Pfr. Marvin Lange

Meditationskurs mit Dr.med. Gerd Stern

Meditation –  Die verwandelnde Kraft der Stille Warum Mediation?Im Meditieren kann mehr wirksam werden als der eigene Geist. Manchmal ist es notwendig, mit einer äußeren Änderung auf ein unbehagliches, unbestimmtes Gefühl zu antworten. Man fühlt sich festgefahren und unlebendig und hat den Eindruck, in der täglichen Routine zu versinken. Dann gilt es, nach innen zu schauen. In einer Welt, die uns das „immer höher, immer schneller, immer besser“ einredet, gehen Menschen in der Meditation tiefer statt höher, werden langsamer statt schneller und anstatt sich zu verbessern, geschieht Verwandlung. Durch Meditation kann ein sensibler Umgang mit dem Körper und den Gefühlen sowie mit der umgebenden Welt und den Mitmenschen eingeübt werden. Weiterlesen

16. Sonntag nach Trinitatis 2018: Eine frühchristliche Legende (zu Apg 12,1-11)

Von Pfarrer Marvin Lange, Fulda

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

TXT:

1 Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln.

2 Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.

3 Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote.

Weiterlesen..
Große ökumenische Geste der Lehnerzer Pfarrgemeinde

Ökumenische Kirchenglocke

Erst konnte ich es selbst gar nicht glauben, als mich Pfarrer Msgr. Dr. Günter Etzel anrief, um mich zu fragen, ob das Bonhoefferhaus nicht eine Glocke bräuchte. Sie hätten die alte Lehnerzer Kirchenglocke von 1875 übrig. Der Kirchenvorstand der Bonhoeffer- Kirchengemeinde zögerte nicht lange: sehr schnell gab er grünes Licht, dieses Geschenk anzunehmen. Doch die Pfarrgemeinde Lehnerz legte sogar noch einmal nach: Um einen Glockenstuhl oder Glockenturm anzuschaffen, spendete sie neben der Kirchenglocke gleich noch 1000,- € als Anschubfinanzierung.

Wir wissen diese ökumenische Geste im Jahr der Reformation sehr zu schätzen und freuen uns ganz außerordentlich, was heutzutage zwischen den Konfessionen möglich ist.

Reformation jetzt! (Jes 62,6+7)

Von Pfr. Marvin Lange

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!
    Amen.

Einer der Predigttexte für das Reformationsfest steht im Jesaja-Buch im 62. Kapitel, die Verse 6-7+10-12.

Dort heißt es:
6 O Jerusalem, ich habe  Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen,
7 laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden!
10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg!  Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!
11 Siehe, der HERR läßt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der  Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!  Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!
12 Man wird sie nennen »Heiliges Volk«,  »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.


1.    Das wahre Zeitalter der Reformation ist jetzt
Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer großartigen Zeit in diesem Land. Mehr als 70 Jahre kein Krieg auf unserem Boden, ein Vierteljahrhundert Deutschland geeint. Die Wirtschaft brummt nach wie vor. Trotz Euro- und Finanzkrise. Trotz Flüchtlingsströmen und zunehmenden politischen Verwerfungen.

Die Lebensqualität befindet sich auf einem unglaublich hohen Niveau. Ein Land, in dem heute eine Religionsfreiheit herrscht wie niemals zuvor. Ein Land, in dem die wahre Reformation im Religiösen jetzt gerade stattfindet. Das echte Zeitalter der Reformation war nicht zur Zeit Martin Luthers und seiner Nachfolger. 

Das Zeitalter echter Reformation hat jetzt, in den letzten 50 Jahren, begonnen. Denn: Als Luther und seine Mitstreiter berechtigte Kritik an den Zuständen der Kirche übten, waren die Bedingungen für die Durchsetzung dieses Gedankengutes lange nicht reif:
Keine Freiheit in Glaubensdingen. Keine Freiheit der Religion, sondern nach längerem Ringen und Kriegen das damals als Fortschritt empfundene 
„cuius regio, eius religio“. Wem das Land gehört, dessen Religion wird in diesem Land praktiziert – wer anderes glaubt, wer der anderen Konfession angehört, dem wird gerade einmal das Recht eingeräumt auszuwandern.

Unvorstellbar heute. 
Oder noch vor hundert Jahren die Schüler und Soldaten, die zum Gottesdienst beordert wurden, ob sie wollten oder nicht. 

Wir leben im wahren Zeitalter der Reformation, weil wir heute tatsächlich die Freiheit des Gewissens haben, die die damaligen bloß postulierten, ohne wissen zu können, 
wie es ist, wirklich frei in Glaubensdingen zu sein.

Wir leben im wahren Zeitalter der Reformation, weil endlich der äußere Druck genommen ist, sich überhaupt einer oder der anderen Religion anzuschließen.
Religion ist etwas rein Freiwilliges geworden, etwas, das tatsächlich nur den Einzelnen und sein Gewissen betrifft. Etwas, das nicht vorgeschrieben wird.

Manche mögen nun unken, dass dieses mein gerade so gepriesenes wahres Zeitalter der Reformation nichts weiter ist als das Zeitalter des Relativismus, 
in der alles dem postmodernen Belieben und der Option unterworfen wird – 
ich halte dagegen, dass dies genau der Boden ist, auf dem echter Glaube, wahres Christentum gedeihen kann, ohne dass sich irgendjemand beugen oder verbiegen muss.

Die Aufforderung des Schreibers des Jesajabuches, aus unserem Predigttext, durch die Tore hineinzugehen, durch die Tore Jerusalems und des neu erbauten Tempels: 
Diese Aufforderung schließt zumindest heute die Freiheit mit ein, sich auch dagegen zu entscheiden. Und dann eben nicht die Tore hoch zu machen, wie es im berühmtesten aller Adventslieder heißt. Und dann auch das Angebot, das Gott bereithält, beiseite zu wischen und für sich zu entscheiden: Das ist nicht mein Weg, den der Prophet vorschlägt.

Ich behaupte: 
Dies ist die Chance für die evangelische Kirche. Dies ist die Chance für die weltweite Kirche Jesu Christi, ihr Angebot von der Rechtfertigung des Gottlosen in die Welt hinein zu rufen. 
Keine Vorteilsnahme durch einen Landesherrn, der bestimmt, dass die Kirchen voll zu sein haben. 
Kein – oder zumindest kaum noch; hier im Fuldaer Land höre ich aus den Familien manchmal noch anderes  – eigentlich kein Druck innerhalb der Familien, etwa mindestens eine Person pro Sonntag abzustellen, der in den Gottesdienst zu gehen hat. 

Diese Zeiten sind gottlob vorbei, wenn auch der Islam zur Zeit der neue Boden für Unmündigkeit und Bevormundung ist, und zwar durch die Bank, von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen. 

Für uns Christen sind diese Zeiten vorbei. Jetzt hat sich das Wort Gottes selber durchzusetzen, das von denen, die mit ihm leben, kommuniziert werden muss. 
Und es ist die Chance so groß wie nie, weil wir allesamt davon ausgehen können, dass diejenigen, die dabei sind, die sich haben taufen lassen und konfirmieren und Kirchenmitglieder sind und bleiben, dass die das wollen und die Botschaft von Jesus für alle Welt gern und aus freien Stücken hören, in Zeiten, wo einem am Arbeitsplatz, wie mir kürzlich berichtet wurde, um die Ohren gehauen wird: „Bist Du etwa noch nicht ausgetreten?“
Oder bei einer Taufe neulich, wo sich kein Pate mehr finden ließ, weil alle Freunde und Verwandte ihre Kirchensteuern lieber sparen wollten.

Das Wort Gottes selber ist es, das sich jetzt durchsetzen muss. Und es sind wir Christinnen und Christen, die es immer wieder und wieder auszurichten haben. 
Als Kommunikatoren des Evangeliums. Als diejenigen, die durch die Tore eingehen, die Tore, die Gott uns geöffnet hat.

Die Prophezeiung des Propheten Jesaja liest sich dabei wie ein Reformprogramm für unser jetziges, m.E. so reformatorisch durchsetztes Zeitalter:

2.    Primäre und sekundäre Religionserfahrungen: „Bereitet dem Volk den Weg!“
„Bereitet dem Volk den Weg“, ruft Jesaja uns zu. 
Dass damals die israelitischen Heimkehrer aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem gemeint waren, hält uns heutige nicht davon ab, darauf zu schauen, was für uns, und damit meine ich in reformatorischer Absicht uns Christinnen und Christen, was also für uns die richtige Wegbereitung für das „Volk“ ist: für unsere Kirche, für unser Land, und für die Welt.

Ja sicher, die Kirchen der Reformation haben es schwer. Es sind nicht die sogenannten primären religiösen Erfahrungen, mit denen wir punkten können. 
Die Unmittelbarkeit des Religiösen im Gottesdienst und im Glaubensvollzug haben wir mit intellektueller Redlichkeit mehr und mehr verbannt: Keine Heiligenverehrung, keine Erfahrung mit allen Sinnen, wie etwa mit Weihrauch, bunter Kleidung, Prozessionen und Wallfahrten. Nicht einmal herausgehobene Ämter mit verschiedenen Weihegraden und bestimmenden Lebensregeln.  

Stattdessen allein das Wort und die Vernunft, der Intellekt und die an Jesus Christus orientierte Auslegung der Bibel. 

„Sekundäre Religionserfahrung“ nennen das die Theologen und Religionswissenschaftler, wenn eine Religion so kühl und verkopft daherkommt, wie zumeist der Protestantismus. 
In den letzten Jahrzehnten hat zum Glück ja wieder eine Hinwendung zum Menschen und zum Gefühlsleben stattgefunden. Es ist die Erkenntnis dabei leitend, dass es vor allem „primäre“, also unmittelbare Religionserfahrungen sind, die distanzierte Menschen ansprechen, ja brauchen, um überhaupt zu verstehen, was Glauben sein kann. Und so erlebt die Kirche zurzeit etwa eine Renaissance von Segnungsgottesdiensten, eine Zunahme der Abendmahlsfrömmigkeit, einen recht guten Zulauf bei Gottesdiensten, die persönlichen Bezug haben, also etwa Taufen, Konfirmationen oder den großen kirchlichen Events, man denke etwa an den Kirchentag. 
Glaube und Religion wird von vielen nur noch wahrgenommen im Erleben – 
oder es wird von vielen gar nicht mehr wahrgenommen. 

Was Martin Luther meinte mit seinem derben „Dem Volk aufs Maul schauen“, das gilt für uns heutige genauso wie 1517 in Wittenberg. Und es gilt mitnichten nur für Pfarrer: Kommunikatoren des Evangeliums sind alle Christinnen und Christen. Jeder ist dem Nächsten Priester, hat Luther in Anlehnung an den Hebräerbrief immer wieder und zurecht betont.

„Bereitet dem Volk den Weg“ heißt dann für uns: Wenn wir als evangelische Kirche überhaupt relevant in unserer säkularen Gesellschaft sein wollen, wenn man uns überhaupt noch verstehen soll, sollten wir auf diejenigen, die das Christentum noch nicht für sich entdecken konnten, offener, freundlicher, aber auch viel kräftiger werbend zugehen als wir es bislang getan haben. Denn tun wir das nicht, dann merkt das sogenannte Volk auch nicht, dass wir eine Botschaft haben, die für sie von Höchsten Interesse sein könnte: Immerhin die Verheißung von Ewigem Leben, Gemeinschaft mit Gott, Befreiung aus er Selbstverfangenheit, Gottvergessenheit und Angst.


3.    Bedingungen schaffen für die Kirche von heute
„Macht Bahn, macht Bahn“, ruft Jesaja uns zu. Sehr viel hübscher – und etwas dichter am hebräischen Wortlaut dran – ist eine englische Übersetzung dieser Stelle: 
„Build up the highway“, heißt es in einer englischen Übersetzung. „Schüttet den Highway, die Schnellstraße, auf.” Bei uns Deutschen kommen noch einmal ganz andere Assoziationen bei dem Wort Highway als bei der lutherischen „Bahn“ oder schlichten „Straße“. Gemeint ist dann auch in der Tat bei Jesaja das persische (Schnell-) Straßennetz, das erste wirklich funktionierende und durchdachte Straßennetz in der Geschichte der Menschheit, lange vor den Römern. 

Ohne Bereitstellung von Highways ist kein Handel und kein Austausch möglich. Ohne das planmäßige Anlegen dieser vielleicht wichtigsten Infrastruktur für größere Länder fallen diese irgendwann einfach in sich zusammen oder auseinander, da keine Zentralgewalt Einfluss auf die entlegeneren Gebiete hat. 

Für uns reformatorische Christinnen und Christen bedeutet das: Baut weiter an der Infrastruktur, lasst sie nicht verkommen! Baut weiter an einer Infrastruktur, die der Kommunikation des Evangeliums dient. Oder wenn schon nicht überall die Zahlen und Mittel es hergeben, Kirchen und Gemeindezentren weiter zu entwickeln (wie es nur noch selten vorkommt), so baut doch weiter an der vorhandenen Infrastruktur, 
dass unsere Räumlichkeiten nicht als Museum, sondern als lebendiger Ort der Gottesbegegnung wahrgenommen werden können. 
Es sind die vielen Kirchen und es sind die Gemeinderäume, die unsere Kirche dringend braucht und erhalten sollte – im Gegensatz übrigens zum Pfarrhaus, das seinen Zenit als Mittelpunkt evangelischen Frömmigkeitslebens längst überschritten hat.

Für uns reformatorische Christinnen und Christen bedeutet diese Aufforderung zur „Aufschüttung des Highways“ genauso, dass unsere innere, spirituelle und religiöse Infrastruktur stets der Überprüfung bedarf: 
Bin ich selbst überhaupt ausgerüstet, um den Anforderungen der Zeit mit meinem Glauben begegnen zu können? Oder ist mein Gottesbild, was ich in meinem Herzen trage, dermaßen in die Jahre gekommen, dass ich eigentlich keine Kraft mehr daraus ziehe, sondern mehr Kraft hineinlegen muss, um dieses – irgendwie götzendienerisch – am Leben zu erhalten? Die Vorstellung, wie Gott sein könnte, ändert sich doch über ein Menschenleben. Den Gott aus Kindheitstagen festhalten zu wollen ist mindestens genauso verfehlt wie nicht zugeben zu können, dass die Haltung zur Politik über die Jahre eine andere geworden ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die religiöse Infrastruktur des Herzens ist nicht damit angegangen, indem man sich Kirchensteuern einziehen lässt. Sie lebt davon, be- und genutzt zu werden. Und sie lebt vom Weitersagen: An Kinder und Enkel, dem Lebens- oder Ehepartner. Auch an Freunde und Arbeitskollegen, die den Glauben vergessen haben oder die einer anderen Religion angehören.

4.    Ballast entrümpeln
„Räumt die Steine weg!“ mahnt Jesaja seine Israeliten. „Entrümpelt endlich den ganzen Ballast, den ihr mitschleppt, ohne wirklich der Kommunikation des Evangeliums zu dienen.“ Und wenn ich das so plakativ sage, dann weiß ich freilich, dass dies kein generalstabsmäßiges Kommando sein kann. Denn was die Kommunikation des Evangeliums verhindert statt fördert, das muss jede Gemeinde freilich für sich entscheiden!
Eine solche Entrümpelung muss von Gemeinde zu Gemeinde, von Ort zu Ort, ganz unterschiedlich ausfallen, da die Gepflogenheiten und Notwendigkeiten einfach unterschiedlich sind. Hünfeld ist nicht meine Bonhoeffer-Gemeinde in Fulda ist nicht Mansbach ist nicht Burghaun!

Eine solche Entrümpelung muss sich in dieser heutigen relativen und reformatorischen Zeit sehr viel mehr gabenorientiert darstellen als das in früheren Zeiten der Fall war. Die Zersplitterung und Pluralisierung der Gesellschaft macht vor den Gemeinden nicht halt, und dann ist es gut, in der Fläche, wie hier im Kirchenkreis Fulda, verschiedene Angebote für unterschiedliche Interessen vorhalten zu können. 

Was wollen und können die Christinnen und Christen vor Ort zur Kommunikation des Evangeliums beitragen? Und was lassen sie bleiben?
Solcher Art werden mehr und mehr die Fragen sein, nach der Kirchengemeinden sich ausrichten werden müssen. Ich stelle mir gemeinsam mit dem Münsteraner Theologen Prof.  Grethlein die Frage, ob das Vereinschristentum, wie wir es meist in der Fläche noch pflegen, nicht bald ausgedient haben wird zugunsten vieler anderer, 
durchaus reformatorischer  Formen der Kommunikation des Evangeliums, die von den Gläubigen für die Gläubigen je sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass dieser Prozess längst begonnen hat und wir Christinnen und Christen uns dabei nicht selbst im Weg stehen sollten. 
Lasst uns die Steine wegräumen und den Highway hochziehen, ihn breit machen, dass die Kommunikation des Evangeliums gelinge! 

Das Zeichen dafür, das wir aufrichten sollen, wie es Jesaja damals seinen Israeliten mit auf den Weg gab, ist für die Christenheit freilich das Kreuz. Indem wir darauf schauen und glauben, können wir mühelos die Infrastruktur unserer Kirchen – sowohl der Gebäude wie auch im Herzen – immer neu reformieren.

5.    Christen: Erlöste des Herrn. Heiliges Volk 
Jesaja spart nicht mit schönen Worten zum Ende seiner Verheißung in unserem Predigttext. Diejenigen, die das erleben, werden „Heiliges Volk“ genannt, „Erlöste des Herrn“. Sei es nun, dass die frühe Christenheit diese Begrifflichkeiten einfach auf sich selbst bezogen hat oder aber die Prophezeiung Jesajas in Jesus Christus aufgegangen ist. Es sei wie es will: Wir Christinnen und Christen sind mit den Juden das Heilige Volk, die Erlösten des Herrn.

Manchmal, da merkt man davon bei uns wenig. Zu wenig! Schau ich mir etwa die Gesichter beim Heiligen Abendmahl an, dann frage ich mich manchmal, 
was Gott uns denn eigentlich noch anbieten muss, damit wir weniger sauertöpfisch drein schauen. Reicht uns denn die Gemeinschaft mit Jesus, Ewiges Leben, die Liebe Gottes und seine unbedingte Anerkennung nicht aus, um frohen Mutes am Heiligen Mahl teilzunehmen? 

Wir Gläubigen dürfen wesentlich fröhlicher in den Tag hineingehen, denn wir haben als „Erlöste des Herrn“ allen Grund, stets positiv in die Zukunft zu blicken: 
Es ist schließlich Gottes Zukunft mit uns, in die wir gehen.

Und am Ende, liebe Schwestern und Brüder, am Ende ist auch die Reformation unsere Kirche, die heute so greifbar ist wie nie zuvor, eine Sache unseres guten und gnädigen Gottes, der das Haupt der Kirche ist und bleibt in alle Ewigkeit.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.
Amen!

LIED NACH DER PREDIGT:  EG 320,1-3+6-8: NUN LASST UNS GOTT DEM HERREN DANK SAGEN UND IHN EHREN