Mit Talar und Fahrradhelm: Fahrrad-Sternfahrt zum Open Air Gottesdienst

Drei evangelische Gemeinden mit sportlicher Aktion zum Ferienende 

Fulda – Erst in die Pedale treten, dann gemeinsam Gottesdienst feiern: Zum Ende der Sommerferien am 16. August 2020 haben sich drei evangelische Pfarrer aus Fulda etwas Besonderes einfallen lassen. „Kirche soll frisch und sportlich erlebt werden. Begegnung auf Abstand, aber in der Natur“, so Pfarrer Stefan Bürger. Mit ihrer Aktion wollen er, Pfarrer Marvin Lange und Pfarrer Christian Pfeifer hinaus aus den Kirchenmauern und vielleicht auch Menschen ansprechen, die sonst nicht so oft ihre Gottesdienste besuchen.   

Um 10.00 Uhr versammeln sich die Fahrradfahrer jeden Alters an drei verschiedenen Orten alternativ für familienfreundliche oder etwas längere Touren. Die Bonhoeffergemeinde trifft sich in Marbach an der Gaststätte am Haunesee, die Petersberger Gemeinde vor der Kirche St. Johann und die Kreuzkirchengemeinde vor der Kirche in Neuenberg. Die Organisatoren weisen darauf hin, dass geeignete Kleidung samt Sonnen- bzw. Regenschutz mitzubringen sind.  

Aus drei verschiedenen Richtungen kommen die Radler aus drei Gemeinden schließlich um 11.00 Uhr vor der Bonhoeffergemeinde zu einem Gottesdienst zusammen. Wer nicht mit dem Fahrrad anreisen kann oder will, kommt direkt zum Bonhoefferhaus „Wir haben Spaß am Fahrradfahren, arbeiten als Kollegen gern zusammen und wollen bewusst, neue Wege gehen. Kirche und Glaube muss mehr in den Alltag geholt werden“, betont Pfarrer Marvin Lange. Er und seine Kollegen aus dem Pfarrerteam ziehen in ihrem kurzen und humorvollen Predigtdialog Parallelen zwischen Fahrradfahren und Glauben. Zudem planen die Pfarrer, Kinder im Freien zu taufen. Bei starkem Regen müssen die Radtouren entfallen und der Gottesdienst findet im Bonhoefferhaus statt. 

Nach dem Gottesdienst sind alle zum Eis am Stiel eingeladen. Sitzgelegenheiten oder Picknickdecken bringt jeder selbst mit. Es gelten die derzeitigen Corona- und Abstandsregeln. Kontakt ist über die jeweiligen Pfarrämter möglich, weitere Informationen auf den Internetseiten der Gemeinden zu finden. Info: bonhoeffer-online.de, kreuzkirche-fulda.de, kirche-petersberg.de.  

BU: BU: Auf dem Foto sieht man den drei Pfarrern ihre Freude an der gemeinsamen Aktion schon an. Ob sich Pfarrer Stefan Bürger (links), Pfarrer Christian Pfeifer (Mitte) und Pfarrer Marvin Lange (rechts) allerdings wirklich im Talar aufs Fahrrad schwingen, bleibt abzuwarten.  

„Wir beginnen gemeinsam im Geist von Pfingsten!“

Kooperationsraum „Gemeinsam evangelisch“ öffnet Kirchen für gemeinschaftliche Gottesdienste

Nach rund zwölf Wochen beginnen im Kooperationsraum Fulda-Mitte/West an Pfingstsonntag die gemeinschaftlichen Gottesdienste in ihren Kirchen. Verkürzt, mit Sicherheitsabstand und ohne Gemeindegesang – dennoch kreativ und geistreich.

„Wir beginnen an Pfingstsonntag mit unseren Gottesdiensten. Der gemeinsame Anfang lag unserem Kooperationsraum ‚Gemeinsam evangelisch‘ am Herzen“, sagt Pfarrer Stefan Bürger. Dieser Anfang geschehe im Geist der Einheit, des Miteinanders und des Kooperationswillens der insgesamt elf Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihren zehn Kirchen.

Gerade angesichts der Infektionen in der freien, baptistischen Gemeinde in Frankfurt läge es den hiesigen Gemeinden daran, deutlich zu machen, dass die Pandemie keineswegs gebannt sei und deshalb alle Kirchengemeinden viel Zeit und Energie auf Hygiene- und Abstandsregeln verwandt hätten. Mundschutz würde dringend angeraten, Abstandsregeln durch Sperrung von Bankreihen sichergestellt und auf Gemeindegesang verzichtet. Desinfektionsmittel stehe am Eingang, Mitarbeiterinnen geleiten den Menschen an ihre Sitzplätze und für ein möglichst kontaktloses Verlassen der Kirche werde gesorgt. Die Gottesdienste würden zwar anders sein, aber man freue sich wieder anzufangen. Reservierung seien zunächst nicht geplant, manche Gemeinden böten Pfingstsonntag auch mehrere Gottesdienste hintereinander an.

„Alles nachholen“, Feuer, Openair, Kinderimpulse und Auto-Gottesdienst

Die Kreuzkirche denkt im zweiten Gottesdienst an Pfingstsonntag um 11.00 Uhr und jeden 1. + 3. Sonntag besonders an Kinder und Familien, indem sie einen fünfminütigen Kinderimpuls ihrer Kinder- und Jugendreferentinnen und Kindergottesdienstteamerinnen in den Gottesdienst einbaue. Pfarrer Marvin Lange von der Bonhoeffergemeinde will „alles nachholen, was ausgefallen ist und zwar ganz kompakt“, indem er die Gemeinde an Stationen über Karfreitag, Ostern und Himmelfahrt zu Pfingsten geleite.

In Petersberg wird Pfingsten drinnen wie draußen gefeiert: Um 10.00 Uhr in der St. Johanneskirche und 11.30 Uhr im St. Johannesgarten. Veranschaulicht wird der Heilige Geist mit echtem Feuer und von mehreren Musikerinnen hörbar gemacht. Der Trätzhof feiert um 10.00 Uhr auch Openair. Für draußen müssten Sitzgelegenheiten mitgebracht werden! Pfingstmontag wird es u.a. um 11.00 Uhr einen ökumenischen Autogottesdienst der Christuskirche, Innenstadtpfarrei und Lutherkirche auf dem Messegelände geben, zu dem alle eingeladen sind.

#wirsehenpfingstrot – Digitale Angebote gehen weiter

Mindestens bis zu den Sommerferien wird der Kooperationsraum Fulda-Mitte/West sein digitales Angebot auf dem YouTube-Kanal fortsetzen, da sich u.a Videoandachten. wachsender Beliebtheit erfreuten, so die Pressemitteilung. Pfingstsonntag könne man die Videoandacht aus Bad Salzschlirf/Großenlüder von Pfarrer Dr. Michael Grimm erwarten. In Socialmedia setzt sich zu Pfingsten gerade kirchlich deutschlandweit #wirsehenpfingstrot durch. Dabei sind die Menschen in den Tagen vor Pfingsten aufgerufen, auf das Rote in ihrem Alltag zu achten und Bilder mit diesem Hashtag zu posten.

Grafiken/Collagen (Björn Henkel): Pfarrerinnen und Pfarrer laden Pfingstsonntag gemeinsam ein.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Pfarrer Stefan Bürger

Koordinator für Pressearbeit im Kooperationsraums Fulda-Mitte/West

„Gemeinsam evangelisch“

Haderwaldstr. 89a

36041 Fulda

Fon (0661) 7 58 50

Fax (0661) 90 17 125

Email stefan.buerger@ekkw.de

Veranstaltung „Von Verschwörungsmythen und Judenhass“ fällt aus!

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des Anschlags in Halle kann Michael Blume leider NICHT zu dem Vortrag kommen, sondern hat abgesagt. Die Sicherheit der jüdischen Gemeinden in Baden-Württemberg ist wichtiger als ein Vortrag im Bonhoeffer-Haus! Er hat mir versprochen, den Vortrag zu gegebener Zeit nachzuholen. Ich wünsche Michael Blume viel Kraft bei der Bewältigung dieser Aufgabe!

Mit freundlichen Grüßen,

Pfarrer Marvin Lange

Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg referiert im Bonhoefferhaus Fulda am 15. Oktober 2019 um 19.30 Uhr

Am Dienstag, dem 15. Oktober 2019 um 19.30 Uhr, kommt ein hochkarätiger Gast ins Bonhoefferhaus Fulda in der Goerdelerstraße 34. Der Beauftragte der Landesregierung des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume, wird dort in einem Vortrag über Verschwörungsmythen in den neuen Medien referieren. Anhand seines gerade erschienenen Buches „Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. Wie neue Medien alte Verschwörungsmythen befeuern“ zeigt Blume, von Hause aus Religionswissenschaftler, inwieweit fast alle Verschwörungsmythen als Kern den Antisemitismus in sich tragen.

Blume war international bekannt geworden als Retter von 1100 Frauen und Mädchen jesidischen Glaubens, die er im Rahmen des „Sonderkontingents Irak“ im Jahr 2016 mit seinem Stab vor den Terroristen des IS nach Deutschland in Sicherheit brachte. In seiner Freizeit schreibt er wissenschaftliche Bücher, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Der Vortrag ist kostenlos. Im Anschluss an den Vortag stellt sich Blume den Fragen des Publikums. Ein Büchertisch ist vorhanden.

Bibel aktuell: Zieh deine Schuhe aus!

Manchen ist das ja ein bisschen unangenehm, wenn sie zu Besuch kommen und die Schuhe ausziehen sollen. Aber natürlich machen sie´s dann. Genauso wie Mose in der Bibel. Der begegnet Gott in einem brennenden Dornbusch in der Wüste. Und als Mose auf den Dornbusch zugeht, sagt Gott zu ihm: “Zieh deine Schuhe aus!” Warum ist das in diesem Moment so wichtig, Pfarrer Marvin Lange aus Fulda.


Gesprochen von: Pfr. Marvin Lange

Meditationskurs mit Dr.med. Gerd Stern

Meditation –  Die verwandelnde Kraft der Stille Warum Mediation?Im Meditieren kann mehr wirksam werden als der eigene Geist. Manchmal ist es notwendig, mit einer äußeren Änderung auf ein unbehagliches, unbestimmtes Gefühl zu antworten. Man fühlt sich festgefahren und unlebendig und hat den Eindruck, in der täglichen Routine zu versinken. Dann gilt es, nach innen zu schauen. In einer Welt, die uns das „immer höher, immer schneller, immer besser“ einredet, gehen Menschen in der Meditation tiefer statt höher, werden langsamer statt schneller und anstatt sich zu verbessern, geschieht Verwandlung. Durch Meditation kann ein sensibler Umgang mit dem Körper und den Gefühlen sowie mit der umgebenden Welt und den Mitmenschen eingeübt werden. Weiterlesen

16. Sonntag nach Trinitatis 2018: Eine frühchristliche Legende (zu Apg 12,1-11)

Von Pfarrer Marvin Lange, Fulda

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

TXT:

1 Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln.

2 Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.

3 Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote.

Weiterlesen..
Große ökumenische Geste der Lehnerzer Pfarrgemeinde

Ökumenische Kirchenglocke

Erst konnte ich es selbst gar nicht glauben, als mich Pfarrer Msgr. Dr. Günter Etzel anrief, um mich zu fragen, ob das Bonhoefferhaus nicht eine Glocke bräuchte. Sie hätten die alte Lehnerzer Kirchenglocke von 1875 übrig. Der Kirchenvorstand der Bonhoeffer- Kirchengemeinde zögerte nicht lange: sehr schnell gab er grünes Licht, dieses Geschenk anzunehmen. Doch die Pfarrgemeinde Lehnerz legte sogar noch einmal nach: Um einen Glockenstuhl oder Glockenturm anzuschaffen, spendete sie neben der Kirchenglocke gleich noch 1000,- € als Anschubfinanzierung.

Wir wissen diese ökumenische Geste im Jahr der Reformation sehr zu schätzen und freuen uns ganz außerordentlich, was heutzutage zwischen den Konfessionen möglich ist.

Reformation jetzt! (Jes 62,6+7)

Von Pfr. Marvin Lange

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!
    Amen.

Einer der Predigttexte für das Reformationsfest steht im Jesaja-Buch im 62. Kapitel, die Verse 6-7+10-12.

Dort heißt es:
6 O Jerusalem, ich habe  Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen,
7 laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden!
10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg!  Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!
11 Siehe, der HERR läßt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der  Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!  Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!
12 Man wird sie nennen »Heiliges Volk«,  »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.


1.    Das wahre Zeitalter der Reformation ist jetzt
Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer großartigen Zeit in diesem Land. Mehr als 70 Jahre kein Krieg auf unserem Boden, ein Vierteljahrhundert Deutschland geeint. Die Wirtschaft brummt nach wie vor. Trotz Euro- und Finanzkrise. Trotz Flüchtlingsströmen und zunehmenden politischen Verwerfungen.

Die Lebensqualität befindet sich auf einem unglaublich hohen Niveau. Ein Land, in dem heute eine Religionsfreiheit herrscht wie niemals zuvor. Ein Land, in dem die wahre Reformation im Religiösen jetzt gerade stattfindet. Das echte Zeitalter der Reformation war nicht zur Zeit Martin Luthers und seiner Nachfolger. 

Das Zeitalter echter Reformation hat jetzt, in den letzten 50 Jahren, begonnen. Denn: Als Luther und seine Mitstreiter berechtigte Kritik an den Zuständen der Kirche übten, waren die Bedingungen für die Durchsetzung dieses Gedankengutes lange nicht reif:
Keine Freiheit in Glaubensdingen. Keine Freiheit der Religion, sondern nach längerem Ringen und Kriegen das damals als Fortschritt empfundene 
„cuius regio, eius religio“. Wem das Land gehört, dessen Religion wird in diesem Land praktiziert – wer anderes glaubt, wer der anderen Konfession angehört, dem wird gerade einmal das Recht eingeräumt auszuwandern.

Unvorstellbar heute. 
Oder noch vor hundert Jahren die Schüler und Soldaten, die zum Gottesdienst beordert wurden, ob sie wollten oder nicht. 

Wir leben im wahren Zeitalter der Reformation, weil wir heute tatsächlich die Freiheit des Gewissens haben, die die damaligen bloß postulierten, ohne wissen zu können, 
wie es ist, wirklich frei in Glaubensdingen zu sein.

Wir leben im wahren Zeitalter der Reformation, weil endlich der äußere Druck genommen ist, sich überhaupt einer oder der anderen Religion anzuschließen.
Religion ist etwas rein Freiwilliges geworden, etwas, das tatsächlich nur den Einzelnen und sein Gewissen betrifft. Etwas, das nicht vorgeschrieben wird.

Manche mögen nun unken, dass dieses mein gerade so gepriesenes wahres Zeitalter der Reformation nichts weiter ist als das Zeitalter des Relativismus, 
in der alles dem postmodernen Belieben und der Option unterworfen wird – 
ich halte dagegen, dass dies genau der Boden ist, auf dem echter Glaube, wahres Christentum gedeihen kann, ohne dass sich irgendjemand beugen oder verbiegen muss.

Die Aufforderung des Schreibers des Jesajabuches, aus unserem Predigttext, durch die Tore hineinzugehen, durch die Tore Jerusalems und des neu erbauten Tempels: 
Diese Aufforderung schließt zumindest heute die Freiheit mit ein, sich auch dagegen zu entscheiden. Und dann eben nicht die Tore hoch zu machen, wie es im berühmtesten aller Adventslieder heißt. Und dann auch das Angebot, das Gott bereithält, beiseite zu wischen und für sich zu entscheiden: Das ist nicht mein Weg, den der Prophet vorschlägt.

Ich behaupte: 
Dies ist die Chance für die evangelische Kirche. Dies ist die Chance für die weltweite Kirche Jesu Christi, ihr Angebot von der Rechtfertigung des Gottlosen in die Welt hinein zu rufen. 
Keine Vorteilsnahme durch einen Landesherrn, der bestimmt, dass die Kirchen voll zu sein haben. 
Kein – oder zumindest kaum noch; hier im Fuldaer Land höre ich aus den Familien manchmal noch anderes  – eigentlich kein Druck innerhalb der Familien, etwa mindestens eine Person pro Sonntag abzustellen, der in den Gottesdienst zu gehen hat. 

Diese Zeiten sind gottlob vorbei, wenn auch der Islam zur Zeit der neue Boden für Unmündigkeit und Bevormundung ist, und zwar durch die Bank, von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen. 

Für uns Christen sind diese Zeiten vorbei. Jetzt hat sich das Wort Gottes selber durchzusetzen, das von denen, die mit ihm leben, kommuniziert werden muss. 
Und es ist die Chance so groß wie nie, weil wir allesamt davon ausgehen können, dass diejenigen, die dabei sind, die sich haben taufen lassen und konfirmieren und Kirchenmitglieder sind und bleiben, dass die das wollen und die Botschaft von Jesus für alle Welt gern und aus freien Stücken hören, in Zeiten, wo einem am Arbeitsplatz, wie mir kürzlich berichtet wurde, um die Ohren gehauen wird: „Bist Du etwa noch nicht ausgetreten?“
Oder bei einer Taufe neulich, wo sich kein Pate mehr finden ließ, weil alle Freunde und Verwandte ihre Kirchensteuern lieber sparen wollten.

Das Wort Gottes selber ist es, das sich jetzt durchsetzen muss. Und es sind wir Christinnen und Christen, die es immer wieder und wieder auszurichten haben. 
Als Kommunikatoren des Evangeliums. Als diejenigen, die durch die Tore eingehen, die Tore, die Gott uns geöffnet hat.

Die Prophezeiung des Propheten Jesaja liest sich dabei wie ein Reformprogramm für unser jetziges, m.E. so reformatorisch durchsetztes Zeitalter:

2.    Primäre und sekundäre Religionserfahrungen: „Bereitet dem Volk den Weg!“
„Bereitet dem Volk den Weg“, ruft Jesaja uns zu. 
Dass damals die israelitischen Heimkehrer aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem gemeint waren, hält uns heutige nicht davon ab, darauf zu schauen, was für uns, und damit meine ich in reformatorischer Absicht uns Christinnen und Christen, was also für uns die richtige Wegbereitung für das „Volk“ ist: für unsere Kirche, für unser Land, und für die Welt.

Ja sicher, die Kirchen der Reformation haben es schwer. Es sind nicht die sogenannten primären religiösen Erfahrungen, mit denen wir punkten können. 
Die Unmittelbarkeit des Religiösen im Gottesdienst und im Glaubensvollzug haben wir mit intellektueller Redlichkeit mehr und mehr verbannt: Keine Heiligenverehrung, keine Erfahrung mit allen Sinnen, wie etwa mit Weihrauch, bunter Kleidung, Prozessionen und Wallfahrten. Nicht einmal herausgehobene Ämter mit verschiedenen Weihegraden und bestimmenden Lebensregeln.  

Stattdessen allein das Wort und die Vernunft, der Intellekt und die an Jesus Christus orientierte Auslegung der Bibel. 

„Sekundäre Religionserfahrung“ nennen das die Theologen und Religionswissenschaftler, wenn eine Religion so kühl und verkopft daherkommt, wie zumeist der Protestantismus. 
In den letzten Jahrzehnten hat zum Glück ja wieder eine Hinwendung zum Menschen und zum Gefühlsleben stattgefunden. Es ist die Erkenntnis dabei leitend, dass es vor allem „primäre“, also unmittelbare Religionserfahrungen sind, die distanzierte Menschen ansprechen, ja brauchen, um überhaupt zu verstehen, was Glauben sein kann. Und so erlebt die Kirche zurzeit etwa eine Renaissance von Segnungsgottesdiensten, eine Zunahme der Abendmahlsfrömmigkeit, einen recht guten Zulauf bei Gottesdiensten, die persönlichen Bezug haben, also etwa Taufen, Konfirmationen oder den großen kirchlichen Events, man denke etwa an den Kirchentag. 
Glaube und Religion wird von vielen nur noch wahrgenommen im Erleben – 
oder es wird von vielen gar nicht mehr wahrgenommen. 

Was Martin Luther meinte mit seinem derben „Dem Volk aufs Maul schauen“, das gilt für uns heutige genauso wie 1517 in Wittenberg. Und es gilt mitnichten nur für Pfarrer: Kommunikatoren des Evangeliums sind alle Christinnen und Christen. Jeder ist dem Nächsten Priester, hat Luther in Anlehnung an den Hebräerbrief immer wieder und zurecht betont.

„Bereitet dem Volk den Weg“ heißt dann für uns: Wenn wir als evangelische Kirche überhaupt relevant in unserer säkularen Gesellschaft sein wollen, wenn man uns überhaupt noch verstehen soll, sollten wir auf diejenigen, die das Christentum noch nicht für sich entdecken konnten, offener, freundlicher, aber auch viel kräftiger werbend zugehen als wir es bislang getan haben. Denn tun wir das nicht, dann merkt das sogenannte Volk auch nicht, dass wir eine Botschaft haben, die für sie von Höchsten Interesse sein könnte: Immerhin die Verheißung von Ewigem Leben, Gemeinschaft mit Gott, Befreiung aus er Selbstverfangenheit, Gottvergessenheit und Angst.


3.    Bedingungen schaffen für die Kirche von heute
„Macht Bahn, macht Bahn“, ruft Jesaja uns zu. Sehr viel hübscher – und etwas dichter am hebräischen Wortlaut dran – ist eine englische Übersetzung dieser Stelle: 
„Build up the highway“, heißt es in einer englischen Übersetzung. „Schüttet den Highway, die Schnellstraße, auf.” Bei uns Deutschen kommen noch einmal ganz andere Assoziationen bei dem Wort Highway als bei der lutherischen „Bahn“ oder schlichten „Straße“. Gemeint ist dann auch in der Tat bei Jesaja das persische (Schnell-) Straßennetz, das erste wirklich funktionierende und durchdachte Straßennetz in der Geschichte der Menschheit, lange vor den Römern. 

Ohne Bereitstellung von Highways ist kein Handel und kein Austausch möglich. Ohne das planmäßige Anlegen dieser vielleicht wichtigsten Infrastruktur für größere Länder fallen diese irgendwann einfach in sich zusammen oder auseinander, da keine Zentralgewalt Einfluss auf die entlegeneren Gebiete hat. 

Für uns reformatorische Christinnen und Christen bedeutet das: Baut weiter an der Infrastruktur, lasst sie nicht verkommen! Baut weiter an einer Infrastruktur, die der Kommunikation des Evangeliums dient. Oder wenn schon nicht überall die Zahlen und Mittel es hergeben, Kirchen und Gemeindezentren weiter zu entwickeln (wie es nur noch selten vorkommt), so baut doch weiter an der vorhandenen Infrastruktur, 
dass unsere Räumlichkeiten nicht als Museum, sondern als lebendiger Ort der Gottesbegegnung wahrgenommen werden können. 
Es sind die vielen Kirchen und es sind die Gemeinderäume, die unsere Kirche dringend braucht und erhalten sollte – im Gegensatz übrigens zum Pfarrhaus, das seinen Zenit als Mittelpunkt evangelischen Frömmigkeitslebens längst überschritten hat.

Für uns reformatorische Christinnen und Christen bedeutet diese Aufforderung zur „Aufschüttung des Highways“ genauso, dass unsere innere, spirituelle und religiöse Infrastruktur stets der Überprüfung bedarf: 
Bin ich selbst überhaupt ausgerüstet, um den Anforderungen der Zeit mit meinem Glauben begegnen zu können? Oder ist mein Gottesbild, was ich in meinem Herzen trage, dermaßen in die Jahre gekommen, dass ich eigentlich keine Kraft mehr daraus ziehe, sondern mehr Kraft hineinlegen muss, um dieses – irgendwie götzendienerisch – am Leben zu erhalten? Die Vorstellung, wie Gott sein könnte, ändert sich doch über ein Menschenleben. Den Gott aus Kindheitstagen festhalten zu wollen ist mindestens genauso verfehlt wie nicht zugeben zu können, dass die Haltung zur Politik über die Jahre eine andere geworden ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die religiöse Infrastruktur des Herzens ist nicht damit angegangen, indem man sich Kirchensteuern einziehen lässt. Sie lebt davon, be- und genutzt zu werden. Und sie lebt vom Weitersagen: An Kinder und Enkel, dem Lebens- oder Ehepartner. Auch an Freunde und Arbeitskollegen, die den Glauben vergessen haben oder die einer anderen Religion angehören.

4.    Ballast entrümpeln
„Räumt die Steine weg!“ mahnt Jesaja seine Israeliten. „Entrümpelt endlich den ganzen Ballast, den ihr mitschleppt, ohne wirklich der Kommunikation des Evangeliums zu dienen.“ Und wenn ich das so plakativ sage, dann weiß ich freilich, dass dies kein generalstabsmäßiges Kommando sein kann. Denn was die Kommunikation des Evangeliums verhindert statt fördert, das muss jede Gemeinde freilich für sich entscheiden!
Eine solche Entrümpelung muss von Gemeinde zu Gemeinde, von Ort zu Ort, ganz unterschiedlich ausfallen, da die Gepflogenheiten und Notwendigkeiten einfach unterschiedlich sind. Hünfeld ist nicht meine Bonhoeffer-Gemeinde in Fulda ist nicht Mansbach ist nicht Burghaun!

Eine solche Entrümpelung muss sich in dieser heutigen relativen und reformatorischen Zeit sehr viel mehr gabenorientiert darstellen als das in früheren Zeiten der Fall war. Die Zersplitterung und Pluralisierung der Gesellschaft macht vor den Gemeinden nicht halt, und dann ist es gut, in der Fläche, wie hier im Kirchenkreis Fulda, verschiedene Angebote für unterschiedliche Interessen vorhalten zu können. 

Was wollen und können die Christinnen und Christen vor Ort zur Kommunikation des Evangeliums beitragen? Und was lassen sie bleiben?
Solcher Art werden mehr und mehr die Fragen sein, nach der Kirchengemeinden sich ausrichten werden müssen. Ich stelle mir gemeinsam mit dem Münsteraner Theologen Prof.  Grethlein die Frage, ob das Vereinschristentum, wie wir es meist in der Fläche noch pflegen, nicht bald ausgedient haben wird zugunsten vieler anderer, 
durchaus reformatorischer  Formen der Kommunikation des Evangeliums, die von den Gläubigen für die Gläubigen je sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass dieser Prozess längst begonnen hat und wir Christinnen und Christen uns dabei nicht selbst im Weg stehen sollten. 
Lasst uns die Steine wegräumen und den Highway hochziehen, ihn breit machen, dass die Kommunikation des Evangeliums gelinge! 

Das Zeichen dafür, das wir aufrichten sollen, wie es Jesaja damals seinen Israeliten mit auf den Weg gab, ist für die Christenheit freilich das Kreuz. Indem wir darauf schauen und glauben, können wir mühelos die Infrastruktur unserer Kirchen – sowohl der Gebäude wie auch im Herzen – immer neu reformieren.

5.    Christen: Erlöste des Herrn. Heiliges Volk 
Jesaja spart nicht mit schönen Worten zum Ende seiner Verheißung in unserem Predigttext. Diejenigen, die das erleben, werden „Heiliges Volk“ genannt, „Erlöste des Herrn“. Sei es nun, dass die frühe Christenheit diese Begrifflichkeiten einfach auf sich selbst bezogen hat oder aber die Prophezeiung Jesajas in Jesus Christus aufgegangen ist. Es sei wie es will: Wir Christinnen und Christen sind mit den Juden das Heilige Volk, die Erlösten des Herrn.

Manchmal, da merkt man davon bei uns wenig. Zu wenig! Schau ich mir etwa die Gesichter beim Heiligen Abendmahl an, dann frage ich mich manchmal, 
was Gott uns denn eigentlich noch anbieten muss, damit wir weniger sauertöpfisch drein schauen. Reicht uns denn die Gemeinschaft mit Jesus, Ewiges Leben, die Liebe Gottes und seine unbedingte Anerkennung nicht aus, um frohen Mutes am Heiligen Mahl teilzunehmen? 

Wir Gläubigen dürfen wesentlich fröhlicher in den Tag hineingehen, denn wir haben als „Erlöste des Herrn“ allen Grund, stets positiv in die Zukunft zu blicken: 
Es ist schließlich Gottes Zukunft mit uns, in die wir gehen.

Und am Ende, liebe Schwestern und Brüder, am Ende ist auch die Reformation unsere Kirche, die heute so greifbar ist wie nie zuvor, eine Sache unseres guten und gnädigen Gottes, der das Haupt der Kirche ist und bleibt in alle Ewigkeit.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.
Amen!

LIED NACH DER PREDIGT:  EG 320,1-3+6-8: NUN LASST UNS GOTT DEM HERREN DANK SAGEN UND IHN EHREN

Osterpredigt 2016 zu 1. Kor 15,1-11: Auferstehungstheorien

Von Pfarrer Marvin Lange

Der Herr ist Auferstanden. Halleluja!
Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

1.    Osterwitz
Josef von Arimathäa kommt am Karfreitag spät am Abend zu seiner Frau heim. Sie stellt sie ihn zur Rede: „Wo warst Du die ganze Zeit?“ 
Josef sagt: „Stell Dir vor, die Römer haben heute Jesus am Kreuz hingerichtet. Er hatte keine Bestattungsvorsorge und da habe ich ihn in unser neues Familiengrab gelegt…“ 
Seine Frau dreht durch: „Josef, wie konntest du nur? Jesus, der den ganzen Tag vom Reich Gottes geredet hat anstelle zu arbeiten! Diesen Schnorrer, Säufer und Fresser, der sich mit Zöllnern und Huren zu Tisch gelegt hat? Du hast ja wohl nicht mehr alle Schriftrollen im Regal! Wo sollen wir jetzt hin, wenn wir tot sind?“ Josef unterbricht sie: „Frau, mach dir keine Sorgen, ist doch nur für`s Wochenende.“


2.    Predigttext 1 Kor 15,1-11
1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, daß ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Daß Christus gestorben ist für unsre Sünden  nach der Schrift;
4 und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage  nach der Schrift;
5 und daß er  gesehen worden ist von Kephas,  danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach  von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er  auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn  ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße,  weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber  durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

3.    Heutiger Osterglaube
Ostern ist gemeinsam mit dem Karfreitag das entscheidende Fest der Kirche. Während der Karfreitag für das Kreuz und das Ungenügen des Menschen gegenüber Gott in den Mittelpunkt rückt – und die damit verbundene Gottverlassenheit Jesu, die Tilgung der Sünde, das letzte und einmalige Opfer – ist Ostern die Bestätigung der Lebendigkeit des Gekreuzigten.
Auferstehung von den Toten. Jesus hat es vorgemacht. Und wir dürfen ihm folgen.
Soweit die Theologie dieses Feiertagskomplexes in aller Kürze.

Traut man Umfragen über den Auferstehungsglauben, so halten noch 35% der Evangelischen in Deutschland die Auferstehung für wahr. Dass es „irgendwie nach dem Tod weitergeht“, akzeptieren ein paar Menschen mehr – aber die Auferstehung von den Toten, wie es das Neue Testament überliefert, hält die gewaltige Mehrheit für Unsinn oder doch für sehr unwahrscheinlich.
Ich habe daraufhin einen Kollegen gefragt, wie man mit diesem Befund umgehen sollte, was man also Ostern predigen kann, wenn nur jeder Dritte, das, was man da erzählt, noch nachvollziehen kann.
„Ganz einfach“, ermutigte mich der Kollege. „Bei der Auferstehung und dem griechischen Wort „egertä“ geht es um das Aufstehen, das Feststehen, das hochgehoben werden, das von Gott getragen sein. Nicht aus der schwachen Liegeposition das Leben meistern, sondern im Stehen, mit Blick in die Zukunft. Das ist ein gutes Bild für die Auferstehung, das die Leute verstehen.“ 
Ich habe mich bei ihm freundlich für den Hinweis bedankt, glaube aber nicht, dass das irgendjemanden dazu bringt, die Auferstehung als eine Wahrheit für das eigene Leben anzunehmen. 
Auferstehung – das ist so unglaublich viel mehr, das ist die Konstante des Christentums, an der tatsächlich alles hängt.
Ohne den Glauben an die Auferstehung, so der Apostel Paulus etwas später im ersten Korintherbrief, ohne Glauben an die Auferstehung „sind wir die elendsten unter allen Menschen“.
Heute morgen, zu Ostern, will ich euch mitnehmen in die Theologie, um euch schmackhaft zu machen, was zwei Dritteln unseres Volkes verloren gegangen ist. Dass wir am Ende aufstehen und in die Welt hinaus geschickt werden, um den freimachenden Glauben an die Auferweckung anderen zu erzählen, ist dabei eine Binsenweisheit, die sich von selbst versteht. 
Schauen wir dabei zuerst auf unsren Namensgeber: Dietrich Bonhoeffer.

4.    Der Glaube an die Auferstehung bei Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge!
Für Dietrich Bonhoeffer ist ganz klar gewesen: Die Auferstehung Jesu Christi ist ein historisches Ereignis gewesen. Sehr ungewöhnlich, aber dennoch historisch. Das heißt: So wie wir zuverlässige Texte darüber haben, dass Caesar den Rubikon überschritten hat, so haben wir eben auch zuverlässige Texte darüber, dass Jesus auferstanden ist. Der Brief des Paulus an die Korinther bietet (übrigens auch laut Meinung aller mir bekannten Theologen) den ältesten Bericht von den Sichtungen des Auferstandenen Christus. 
Er sei gesehen worden erst von Kephas (das ist der, den man dann später Petrus genannt hat), dann von den 12 Jüngern, also dem engsten Jüngerkreis. Danach mehr als 500 Brüdern – ich ergänze: Sicherlich waren auch ziemlich viele Schwestern anwesend – auf einmal. Und um das Maß voll zu machen: Als Paulus das schrieb, lebten einige noch, die davon berichten konnten. Jakobus hat ihn noch gesehen, und schließlich alle Apostel, auch Paulus selbst „als einer unzeitigen Geburt“. 
Für Bonhoeffer ist das alles recht einfach, wenn man seinen Ausführungen in der Schrift Sanctorum Communio folgt: Aus der Auferweckung Jesu folgt die Auferweckung für alle Christen. Diese eigene Auferweckung führt dazu, dass jeder Christ in die Nachfolge Jesu gerufen ist und als Teil der weltumfangenden Kirche Jesu Christi Gemeinschaft untereinander pflegt und ein Leben in Nächstenliebe führt. In der Hinwendung zum Nächsten erfahren wir dann eine Transzendenz, die die wahre Gottebenbildlichkeit des Menschen zum Ausdruck bringt. Für Bonhoeffer ist die Bedeutung der Auferstehung heute und für uns also eine Auferstehung in die Nachfolge.

5.    Gerd Lüdemann: Alles Unsinn!
Sehr anders geht der Wissenschaftler Gerd Lüdemann von der Universität Göttingen an die Frage nach der Auferweckung. Für ihn steht fest: Eine historische, eine wissenschaftlich fundierte Aussage über die Auferweckung Jesu von den Toten kann es nicht geben. Er unterzieht den Auferstehungserzählungen einer radikalen historischen Kritik.
Sie ist eine Glaubenssache, die für einen vernünftigen Menschen absurd ist.
Die Texte, die wir haben, sind allesamt sehr viel später aufgeschrieben worden, das Interesse der Autoren zielt in die Richtung, Jesus als den Messias darzustellen. In Wirklichkeit wissen wir nichts über ein Grab von Jesus, vielleicht ist er auch einfach irgendwo verwest. Vielleicht wurde sein Leib tatsächlich gestohlen, wie es bereits im Matthäusevangelium als eine bewusst in die Welt gesetzte Lügengeschichte berichtet wird. Vielleicht hatten Menschen tatsächlich Visionen des Auferweckten gehabt, vielleicht sogar 500 auf einmal – aber wir alle wissen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Ein moderner Mensch kann nicht an die Auferweckung glauben, wenn er sich dem wissenschaftlichen Weltbild verpflichtet fühlt. „Das Grab Jesu war nicht leer, sondern voll, und sein Leichnam ist nicht entwichen, sondern verwest.“ 

6.    Wolfhart Pannenberg: Singularität!
Ein anderer Theologe, Wolfhart Pannenberg, ist anderer Ansicht: Aus wissenschaftlicher Sicht haben wir es bei der Auferstehung mit einer sogenannten Singularität zu tun. Nach unserem Kenntnisstand ist bislang noch niemand von den Toten auf die Art und Weise zurückgekehrt, wie es Jesus laut biblischen Zeugnis getan hat. 
Die Berichte des Neuen Testamentes sind für Pannenberg alles andere als unglaubwürdig, in den Evangelien mag manch legendenhafte Ausschmückung hinzu gekommen sein, aber zumindest die Paulusbriefe bieten ein breites Fundament dafür, dass der Glaube an Jesus als den Messias nur deswegen entstehen konnte, weil er von den Toten auferstanden ist. Immer wieder sprechen die Briefe und die Evangelien auch davon, dass eben kein Glaube entstanden ist. Die Frauen werden im Lukasevangelium ausgelacht, der Jünger Thomas ist sprichwörtlich dafür, dass er ungläubig bleibt, bis er durch Jesus selbst von der Wahrheit überzeugt wird. Wenn die Berichte tendenziös sein sollen, dann haben sich die Autoren keine Mühe gegeben, die bereits damals vorhandene Gegenseite aus den Textzeugnissen zu eliminieren.
Aber noch einmal zum Begriff einer historischen Singularität: Jesus ist ja nicht so wiedergekommen wie jemand nach einer Zeit des kurzen Herzstillstandes oder so wie Lazarus oder die anderen Erzählungen vom Auferwecktwerden von den Toten. 
Das sind allesamt schon wunderbare Ereignisse und sollen nicht geschmählert werden. Auch unsere heutige Medizin wirkt da manches kleinere Wunder, aber die alle haben eine Schwäche: Wer heute wiederbelebt wird, muss irgendwann trotzdem sterben.
Bei der Auferweckung von Jesus haben wir es aber mit einer ganz neuen und unerklärbaren Kategorie von Leben zu tun. Nämlich: ewigem Leben!
Und das führt uns zu einem weiteren Denker des Christentums, den ich Euch für ein Denken der Auferweckung Jesu nicht vorenthalten möchte:

7.    Rudolf Bultmann: Auferweckung ins Kerygma!
Für Rudolf Bultmann kommt es nicht darauf an, wie das alles genau gewesen ist, sondern dass Jesus Christus gekreuzigt wurde und dann von den Toten auferstanden ist. Das entscheidende Ereignis, das historisch fassbar ist, ist die Kreuzigung. Bei der Auferweckung hingegegen haben wir es mit der Bestätigung der Sinnhaftigkeit des Kreuzestodes zu tun. Wie das war, kann niemand sagen. Konstatiert werden kann allein: Auferstehung hat mit diesem Jesus Christus stattgefunden und niemand weiß, wie diese ausgesehen hat. Schließlich gibt es ja nur Zeugen des Auferstandenen, und kein einziges menschliches Zeugnis der Auferweckung selber!
Damit kann Bultmann dazu kommen zu sagen: „Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, begegnet uns im Worte der Verkündigung, nirgends anders. Eben der Glaube an dieses Wort ist in Wahrheit der Osterglaube.“ 
Seine Kritiker haben daraus gemacht: Jesus sei bei Bultmann ja bloß auferstanden ins Kerygma, in die Verkündigung. 
Bultmann hat das mit Gelassenheit angenommen und geantwortet: „Ich akzeptiere diesen Satz. Er ist völlig richtig, vorausgesetzt, dass er richtig verstanden wird. Er setzt voraus, dass das Kerygma (die Verkündigung) selbst eschatologisches Geschehen ist; und er besagt, dass Jesus im Kerygma wirklich gegenwärtig ist. Ist das der Fall, so werden alle Spekulationen über die Seinsweise des Auferstandenen gleichgültig. An den im Kerygma präsenten Christus glauben, ist der Sinn des Osterglaubens.“ 

8.    Ingolf Dahlfert: Tat Gottes!
Das ist schwere Kost. Vielleicht erhellt uns das der neuere Theologe Ingolf Dalferth. Er ist in den 90er Jahren eingestiegen in die Debatte um die Historizität der Auferweckung Jesu. Ihm geht es darum zu zeigen, dass man an die Wirklichkeit der Auferweckung nicht herangehen kann wie an andere geschichtliche Ereignisse. Es würde sich schließlich auch „niemand an einen Historiker wenden, um Aufschluss über die Zusammensetzung des Wassermoleküls, des genetischen Codes der Tomate oder die Winkelsumme im Dreieck zu erhalten.“ 
Für Dalferth ist ganz klar: Es geht bei der Auferweckung um das Wirken Gottes selber. Das zu untersuchen ist aber nicht Angelegenheit des Historikers, sondern des Theologen. „Gott allein hat Jesus von den Toten auferweckt (Röm 10,9), Gott allein hat die Menschen erwählt und berufen, die diese unglaubliche Gottestat bezeugen (Gal 1,15f.), und Gott allein setzt durch seinen Geist in den Stand, dieses Zeugnis zu glauben und in das Auferweckungsbekenntnis einzustimmen (1Kor 12,3). Inhalt, Vollzug und Erfolg der Auferweckungsbotschaft werden daher gleichermaßen als freie Tat und Wirkung der schöpferischen Liebe Gottes verstanden, die keiner menschlichen Bekräftigung bedürfen oder auch nur fähig wären und die durch eine solche auch in keiner Weise an Überzeugungskraft gewinnen könnten.“ 

9.    Resümee
Am Ende ist es aufgrund der Strittigkeit der Auferstehung eine Angelegenheit des Heiligen Geistes, den Glauben an diese Tat Gottes zu wecken. 
Diese kann aber nur gelingen durch ein direktes Erleben und Erfahren des Auferstandenen selber. Dies geschieht schon seit längerem nicht mehr in direkten Erscheinungen (der Apostel Paulus hatte die letzte und die ist doch schon eine Weile her), sondern in der Begegnung mit ihm in den verschiedenen Lebensbereichen.
•    Bultmann hat Recht, wenn er sagt, die Verkündigung, der wöchentliche Gottesdienst führen zum Glauben an den Auferstandenen (und sind zugleich die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Gottesdienst stattfindet).
•    Pannenbergs Bemühen um eine wissenschaftliche Herleitung ist aber ebenso wenig verkehrt, wenn wir mit Menschen konfrontiert sind, die mit der Auferweckung so gar nichts anfangen können. Darauf hinzuweisen, wie fundiert die neutestamentlichen Texte sind. Sich ihnen mit Verstand hinzugeben und diese Texte ernsthaft und mit kritischem Geist zu lesen.
•    Dalferth ist darin Recht zu geben, dass die Auferweckung Tat Gottes ist und sich am Ende dann doch unseren wissenschaftlichen Untersuchungen entzieht. Wir wissen´s nicht, und wir sollen es auch nicht wissen. Der Glaube an die Auferweckung ist der Glaubensverantwortung jedes einzelnen Christen anheimgestellt. 

Es greift, und damit komme ich zu einem vielleicht überraschenden Schluss, es greift auch bei der Frage nach der Auferweckung das Bilderverbot. 
„Mach dir kein Bildnis von Gott“, heißt es ja in den 10 Geboten. Da die Auferweckung eine Tat Gottes ist und Jesus als der Christus durch die Auferweckung vollkommen in den Bereich Gottes tritt, ist es folgerichtig, uns selbst aus Glaubensverantwortung ein weiteres Konkretisieren zu verbieten. Anders: Je konkreter wir uns die Auferweckung bildlich vorstellen, desto mehr grenzen wir damit die Tat Gottes ein, machen sie kleiner als sie ist.

Es war aus gutem Grund keiner dabei, als es geschah. Und immer, wenn ihn etwa seine Jünger oder auch die Frauen am Grab erkennen, entzieht er sich. 
Jesus ist durch die Auferweckung tatsächlich Sohn Gottes. Nicht Weihnachten machen ihn dazu, sondern die Auferweckung des Gekreuzigten. Als dieser ist er Sohn Gottes und damit Teil der Dreieinigkeit. 
Und jedes Bild, das wir davon ziehen, das wir uns von einem sphärisch schwebenden Jesus oder einer wie auch immer gearteten Geist-Erscheinung machen, macht nicht nur Gottes Tat, sondern auch Gott selbst kleiner, als er ist.
Und wir? 
Wir sind, um mit Bonhoeffer zu sprechen, in der Tat in die Nachfolge des Auferweckten gerufen. 
Jeder einzelne – aber in dem Sichverlassenkönnen auf die Kirche, deren Haupt der Auferweckte ist und der uns zuruft: 
„Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

10.    Zu guter Letzt: Noch´n Witz
Ein Pfarrer kommt in den Himmel und Petrus zeigt ihm alles. Aus einem Raum klingt nur Stille und ehrfürchtiges Beten. 
„Das“, erklärt Petrus, „ist der Raum für die Gemeindeglieder, welche den ganzen Tag andächtig beten.“ 
Aus dem nächsten Raum kommt lauter Krach. 
„Ach“, sagt Petrus, „lass uns schnell weiter gehen, hinter dieser Tür sind die Küster. Sie rauchen, trinken, spielen Karten und erzählen den ganzen Tag schlechte Witze.“
Aus dem dritten Raum klingt wieder Stille. „Das“, sagt Petrus, „ist der Raum für die Pfarrer.“ 
„Ah“, meint da der Pfarrer, „sie beten wohl wie die Gemeindeglieder in der Stille?!“
„NEIN“, meint Petrus, „es ist noch keiner drinnen…..“

Und der Friede Gottes, der höher ist als Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.
LIED EG 100,1-5: WIR WOLLEN ALLE FRÖHLICH SEIN